Die vier größten AppSec-Mythen


Anwendungssicherheit: Unternehmen gehen von falschen Tatsachen aus und gefährden so die Sicherheit ihrer Anwendungen und Daten
Es ist verlockend, sich Anwendungssicherheit einzuteilen, nur wirklich sensible Daten und Transaktionen zu schützen und das Geld für den Rest zu sparen




Ausgerechnet bei der Sicherheit wird gerne gespart: Nach einer aktuellen Studie des IT-Sicherheitsinstitutes SANS in den USA gab die Hälfte aller Firmen im letzten Jahr nur 10 Prozent oder weniger ihres gesamten IT-Budgets für Anwendungssicherheit aus. 34 Prozent der Befragten wussten nicht einmal, wie viel sie ausgegeben hatten. Anwendungssicherheit hat offenbar keine Priorität ein schwerer Fehler. Denn im letzten Jahr waren Millionenverluste von Unternehmen auf Sicherheitslücken in bekannten Anwendungen zurückzuführen. Oftmals sind Irrtümer die Ursache solcher Angriffspunkte. Unternehmen gehen von falschen Tatsachen aus und gefährden so die Sicherheit ihrer Anwendungen und Daten. Julian Totzek-Hallhuber, Solution Architect bei Veracode, hat vier der hartnäckigsten Mythen der Anwendungssicherheit gesammelt und überprüft.

Mythos 1: Nur bestimmte Apps müssen geschützt werden
Es ist verlockend, sich Anwendungssicherheit einzuteilen, nur wirklich sensible Daten und Transaktionen zu schützen und das Geld für den Rest zu sparen. Früher, in einer wilden Hacking-Landschaft, mag das ausgereicht haben. Doch aktuelle und gezielte Angriffe, wie die Target-Attacke durch den E-Mail-Account eines Dienstleisters zeigen, dass Hacker längst im Stande sind, die unwichtigsten Teile des Unternehmensnetzes in Einstiegstüren zu verwandeln. Beispiel: Hier kamen die Angreifer über eine externe Webseite für einen wohltätigen Straßenlauf, die nicht ausreichend gesichert war. Anwendungssicherheit kann nur dann schützen, wenn sie alle Bereiche des Unternehmens abdeckt. Dazu gehören auch temporäre Zugänge von Subunternehmern und Webseiten von Drittanbietern es hilft nur der ganzheitliche Blick.

Mythos 2: Sicherheit ist viel zu teuer
Unternehmen wachsen und mit ihnen die Zahl ihrer Geräte, Anwendungen und Sicherheitslücken. Doch eines wächst nicht: die Kosten für Anwendungssicherheit. Sie nehmen sogar ab, da Cloud-basierte Sicherheitslösungen weder mehr Mitarbeiter, mehr Platz noch mehr Budget bedeuten. Ein umfassendes, leicht zu individualisierendes AppSec-Programm war tatsächlich noch nie günstiger als heute. Zudem beachtet die Kosten-Nutzen-Rechnung selten den tatsächlichen Schaden, der durch Sicherheitslücken entsteht: Umsatzausfälle, Reparaturkosten und der Reputationsschaden, den die Marke nimmt.

Mythos 3: Es muss zu viel abgesichert werden
Eigene und fremde Anwendungen, Desktop-PCs, Laptops, Macs und Generationen aller denkbaren Smartphones und Tablets, alles geschützt durch eine einzige Sicherheitslösung? Das geht. Die neueste Generation der Anwendungssicherheit erkennt automatisch, welche Geräte mit welchem Betriebssystem im Firmennetzwerk vorhanden sind und erarbeitet daraus mögliche Risiken. Einmal eingerichtet wird ein solches Sicherheitsprogramm alle Neuzugänge von Soft- und Hardware analysieren, noch während sie hinzugefügt werden das umfasst auch inhouse entwickelten Code.

Mythos 4: Anwendungssicherheit behindert Agilität
Unter dem Druck, Software immer schneller veröffentlichen zu müssen, fehlt Entwicklern die Zeit, um ihre Software auf Sicherheit zu testen. Doch besonders bei sich schnell wandelnden Programmen treten auch schnell Sicherheitslücken auf. Zum Glück ist Anwendungssicherheit heute kein langsamer und schwerfälliger Prozess mehr die agile Entwicklung ist bereits überwiegend in Sicherheitslösungen eingeplant. Sie testen den Code in Echtzeit und verhindern so die Übernahme von anfälligem Code. Die Lücke zwischen altem Code, der noch mit Penetrationstests geprüft wird und hurtig entwickeltem neuem Code, der derweil ohne Tests implementiert wird, ist heute geschlossen. Agile Entwicklung ist keine Entschuldigung für unzureichende Sicherheit.

Fazit
Am Ende geht es darum, sich nicht mit Ausreden vor nötigen Schritte der Anwendungssicherheit zu drücken, sondern die alten Mythen aufzuklären: Anwendungssicherheit für die ganze Hard- und Softwarelandschaft ist unverzichtbar, machbar und vor allem bezahlbar dank modernen Cloud-Lösungen, die auch auf agile Entwicklungsumgebungen ausgelegt sind.

Über den Autor
Julian Totzek-Hallhuber ist Solution Architect beim Spezialisten für Anwendungssicherheit Veracode und bringt mehr als 15 Jahre Erfahrung im IT-Sicherheitsumfeld mit. In seinen verschiedenen Funktionen war er für die Anwendungsentwicklung, für Penetrationstests sowie für die Sicherheit von Webanwendungen zuständig. Zudem ist er Autor zahlreicher Artikel, ist regelmäßig als Sprecher auf Messen anzutreffen und hat bei Projekten von webappsec.org (wie zum Beispiel WAFEC) mitgewirkt.
(Veracode: ra)

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