Opfer von Cyberkriminalität werden


Die Sorge um den Datenschutz in der Cloud und im Internet der Dinge
Betrug, Datenklau, Cyber-Angriffe und andere Internetstraftaten können jeden betreffen, der in irgendeiner Weise mit dem Internet verbunden ist

Kommentar von Liviu Arsene, Senior E-Threat Analyst bei Bitdefender

(01.04.16) - Nicht erst seit dem Bekanntwerden der großen Abhörskandale auf Regierungsebene hat das Thema Datenschutz im Internet massiv an Bedeutung gewonnen. Praktisch jeder Anbieter von Internetdienstleistungen sammelt mittlerweile automatisch Nutzerdaten, deren Auswertung die jeweiligen Produkte verbessern soll. Da abseits der reinen Nutzungsdaten aber auch immer mehr private Informationen ihren Weg ins Netz finden - egal ob über soziale Netzwerke, IoT-Geräte oder andere Mechanismen - sind Fälle von Datenmissbrauch, Identitätsdiebstahl und sogar finanziellen Verlusten zu einem ganz realen Problem geworden.

Betrug, Datenklau, Cyber-Angriffe - alles ist möglich
Das Internet hat zweifellos die Art und Weise verändert, in der Menschen weltweit miteinander interagieren. Doch neben all den damit verbundenen Vorteilen brachte es auch neue Formen der Bedrohung mit sich, die theoretisch wie praktisch jeden Nutzer betreffen können. Denn durch die Nutzung von Onlinebanking oder sozialen Netzwerken überall auf der Welt können Anwender auch überall Opfer von Cyberkriminalität werden.

Betrug, Datenklau, Cyber-Angriffe und andere Internetstraftaten können jeden betreffen, der in irgendeiner Weise mit dem Internet verbunden ist. Das kann heutzutage sowohl per PC, als auch über Tablet oder Smartphone der Fall sein. Wer sich also bisweilen fragt, was ihm im Internet schon Schlimmes passieren kann, dem sei eine ganz einfache Antwort gegeben: Alles nur irgendwie Vorstellbare!

Selbst nicht ordnungsgemäß gesicherte Babyphones und IP-Kameras stellen bereits ein Risiko dar, da sie - im Falle eines erfolgreichen Hacks aus der Ferne - Fremden direkten Einblick in die eigene Privatwohnung ermöglichen.

Cloud-Dienste und IoT-Geräte sind somit unlängst zu einer Ware geworden, die von Nutzern, Unternehmen und Cyberkriminellen gleichermaßen dazu verwendet wird, um Daten zu sammeln, Systemschwachstellen zu entblößen oder letztlich auch Cyberangriffe durchzuführen.

Eine gesunde Portion Vorsicht hilft
Nicht wenige begründete Ängste entstammen der zunehmenden Verbreitung von internetfähigen Geräten, die permanent persönliche Daten erfassen und in die Cloud übertragen. Während die potenziellen Vorteile dieser Geräte - gerade im Gesundheitsbereich - auf der Hand liegen, gibt es auch diverse Risiken.

Das wahrscheinlich größte Problem ist, dass es noch keine etablierten Standards für die Prozessverarbeitung der so genannten Internet of Things-Geräte gibt. Somit ist auch nicht geregelt, in welcher Weise diese mit ihren Daten umgehen und, was sehr viel schwerer wiegt, welche Sicherheitskonzepte Anwendung finden. Ein wenig Umsicht beim Kauf ist also angeraten, denn die Konzepte der Hersteller bezüglich der Datenverarbeitung und -auswertung variieren mitunter stark.

Das Wissen darüber, wie etwa das Smartband seine Daten überträgt und wer auf der Empfängerseite sitzt, könnte dann auch zum Verständnis beitragen, warum man an anderer Stelle plötzlich fitnessbezogene Werbung angezeigt bekommt. Während die Cloud also zweifellos eine ganze Reihe an Vorteilen im Bezug auf Kosten, Leistung und Verfügbarkeit bietet, verbleibt dennoch die Unsicherheit, welche persönlichen Daten am Ende wirklich übertragen werden, wer darauf Zugriff hat und zu welchem Zweck.

Sind die Bedrohungen überbewertet?
Diese Frage lässt sich schnell beantworten, wenn nur einmal eine kurze Onlinesuche nach den jüngsten Datenschutzpannen bei bekannten Cloud-Infrastrukturen und -Anbietern oder Internet of Things-Anbietern durchgeführt wird. Allein die Daten-Leaks rund um die Kontaktplattform Ashley Madison und das US-amerikanische Office of Personnel Management betrafen Millionen von Nutzern, die plötzlich ihre realen Namen, Email-Adressen und Sozialversicherungsnummern öffentlich im Internet wiederfanden. Diese und weitere Fälle bezeugen aber auch, dass persönliche Daten noch nie zuvor einen so hohen Stellenwert hatten - sowohl für den Einzelnen, der sie nun aktiv schützen muss, als auch für Fremde, die sich damit einen Vorteil erwirtschaften können.

Die Sicherheit einer Cloud oder anderer internetfähiger Geräte sollte also nie zu hoch eingeschätzt werden, denn allzu sorgloser Umgang kann schwerwiegende Auswirkungen auf den Datenschutz haben. Und es liegt in der Verantwortung aller - Anbieter wie auch Nutzer - dafür zu sorgen, dass nichts dem Zufall überlassen wird. (Bitdefender: ra)


Meldungen: Kommentare und Meinungen

Hackergruppe DoublePaymer

Die Bilanz der Hackergruppe DoublePaymer macht einmal mehr deutlich, dass Cyber-Attacken ganze öffentliche und private Einrichtungen lahmlegen können. Die Gruppe hat bereits über 37 Einrichtungen in Deutschland angegriffen. Als Produktionsmotor Europas bleibt das Land ein Ziel für Ransomware-Akteure, aber Cyber-Angriffe werden auch für den öffentlichen Sektor zu einem wachsenden Problem.

Sicherheit von 5G-Netzwerkkomponenten

Die 5G-Technologie kann für Unternehmen entscheidende Vorteile bieten, steht aber gleichzeitig unter Verdacht, aufgrund ausländischer Netzwerkkomponenten unsicher zu sein. Damit Unternehmen die technischen Errungenschaften von 5G zu ihrem Wettbewerbsvorteil nutzen können, sind die langen Prüfungen der zuständigen Ministerien wenig hilfreich.

Auch Australien verhängt TikTok-Verbot

Es ist keine Überraschung, dass sich Australien den von den USA, dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Kommission verhängten Verboten anschließt. Die Institutionen erkennen, dass die Nutzung von TikTok für Mitarbeiter und Bürger eine Vielzahl von Problemen mit sich bringen könnte, einschließlich Kampagnen, die darauf abzielen, die politischen Ziele von Gegnern zu fördern und die Spaltung der westlichen Gesellschaften zu vertiefen.

Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften

Während man in Deutschland noch auf das im Koalitionsvertrag versprochene Digitalbudget wartet, das unter anderem dabei helfen soll, die Projekte und Vorhaben der Digitalstrategie umzusetzen, wurde in den USA kürzlich eine neue nationale Cybersicherheitsstrategie vorgestellt.

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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