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Abbild der momentanen IoT-Sicherheit


Fehlkonfiguration in Telekom-Router leakt 30.000 Patientendaten
Schuld an dieser Misere war eine falsche Konfiguration der Ports



Von Rainer M. Richter, Director Channels, SEC Technologies

Das Internet der Dinge ist Fluch und Segen zugleich: Während vernetzte Geräte unseren Alltag optimieren und Unternehmen neue lukrative Geschäftsmöglichkeiten eröffnen, sind die Auswirkungen der zunehmenden Vernetzung auf unsere physische und digitale Sicherheit weniger positiv. Tatsache ist: Im gleichen Maße, indem die Zahl von IoT-Geräten steigt, steigt auch das Risiko für Missbrauch, Datendiebstahl oder gefährlichen Manipulationen.

Und dafür ist nicht einmal großes Hackergeschick vonnöten: Vielmehr reichen ein herkömmlicher Telekom-Router und eine einfache Fehlkonfiguration aus, um für einen schweren Datenschutzvorfall zu sorgen. So passiert jüngst in einer niedersächsischen Arztpraxis. Deren 30.000 sensible Patienten- und Mitarbeiterdaten waren über einen Windows-Server für jedermann im Internet frei zugänglich. Ein Supergau nicht nur in Hinblick auf die EU-DSGVO.

Schuld an dieser Misere war eine falsche Konfiguration der Ports. Untersuchungen zeigten später, dass der Business-Router bei der Freigabe des Dienstes "HTTPS" nicht wie vorgesehen nur den Standardport 433, sondern gleich zehn Ports für Zugriffe aus dem Internet öffnet. Ein kleiner Fehler, der schwerwiegende Konsequenzen für den Nutzer nach sich zieht.

Der Vorfall ist ein ideales Abbild unserer momentanen IoT-Sicherheit: Wie eine Untersuchung der Firmware-Analyseplattform IoT Inspector gezeigt hat, weisen mehr als 90 Prozent der IoT-Firmwaredateien kritische Sicherheitslücken auf. Dazu zählen neben Fehlkonfigurationen vor allem fest programmierte Passwörter im Firmware-Dateisystem, versteckte Standard-User-Credentials oder SSH Host-Keys. Dies betrifft Netzwerkkameras genauso wie modernes Kinderspielzeug.

Für Hersteller von IoT-Geräten zählt heutzutage vor allem eine möglichst günstige Entwicklung und schnelle Time-to-Market, was zur Folge hat, dass eine wirksame Überprüfung auf potenzielle Sicherheitslücken regelmäßig vernachlässigt wird. Dies ist freilich riskant, denn eine nachträgliche Behebung einer solchen Lücke zum Beispiel in zehntausenden, weltweit eingesetzten IoT-Komponenten dürfte sie teurer zu stehen kommen als eine frühzeitige Analyse und eventuelle Schwachstellenbehebung vor dem Rollout. Sie sollten stets bedenken: Vorbeugung ist besser als Heilen.

Unternehmen und Service Providern kann ich nur raten, selbst aktiv zu werden und nach Verwundbarkeiten in den eingesetzten Geräten zu suchen. Um später keine bösen Überraschungen zu erleben, sollten sie die Firmware von neuen IoT-Devices idealerweise schon vor deren Einsatz auf Sicherheitslücken untersuchen. Nur so können sie eingreifen und Schutzmaßnahmen rechtzeitig daran anpassen. (IoT Inspector: ra)

eingetragen: 16.12.19
Newsletterlauf: 31.01.20

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Meldungen: Kommentare und Meinungen

Cyberangriff auf US-amerikanische Brauerei

Molson Coors, eine der größten Brauereigruppen der Welt, vermeldete laut Claroty einen "Cybersecurity-Vorfall", durch den Teile ihrer Bierproduktion zum Erliegen kamen. Details über Art und Umfang der Attacke wurden bislang nicht veröffentlicht, zahlreiche Sicherheitsexperten gehen jedoch von einem Ransomware-Angriff aus, der von den IT-Systemen auf die industrielle Betriebstechnik (OT) übergesprungen ist (Spillover-Effekt). Dies ist bereits der dritte erfolgreiche Angriff auf große Getränkehersteller weltweit in den letzten beiden Jahren.

Konstantes Serviceniveau aufrechterhalten

Inzwischen ist seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie und dem flächendeckenden Umstieg auf remote Working rund ein Jahr vergangen. Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit ist betroffen. Gleichzeitig sind zahlreiche Unternehmen immer noch dabei zu prüfen, ob und in welchem Ausmaß sie Opfer des SolarWind-Angriffs geworden sind. Herausforderungen, die dafür sorgen könnten, dass 2021 nicht das Jahr ist, in dem Sicherheitsstrategien weiterentwickelt und Innovationen vorangetrieben werden. Das Jahr wird vor allem für diejenigen herausfordernd werden, die nicht verstanden haben, wie sehr sich die Reaktion auf unerwartete Ereignisse potenziell auf das gesamte Unternehmen auswirkt. In der Tat brauchen Unternehmen eher ein Playbook statt einer simplen Checklist, um auf Unbekanntes und Unvorhergesehenes zu reagieren. Eine entsprechende Methodik zu entwickeln unterstützt Firmen dabei, auch in schwierigen Zeiten auf Kurs zu bleiben. Gleichzeitig ist gewährleistet, dass Sicherheit in jeder Situation Priorität hat und Innovationen nicht zu einem nachgelagerten Ansatz werden.

Löschen von Schufa-Daten gar nicht so einfach

Während viele aktuell darauf pochen, die DSGVO abzuschwächen, zeigt das Beispiel Schufa deutlich, dass sie nicht weit genug greift. Aufgrund der bereits bestehenden Ausnahmen wird die DSGVO nämlich zum zahnlosen Tiger – zumindest, was die Transparenz der Schufa angeht. Die Schufa weist jeder Person einen Score zu, in den sehr viele Daten einfließen und der sich nach Ansicht der IT-Sicherheitsexperten der PSW Group Consulting nur bedingt als praxistauglich erweist.

Sicherheitslücken von KI in autonomen Fahrzeugen

Die häufigste Ursache von Verkehrsunfällen sind menschliche Fehler. Autonome Fahrzeuge sollen helfen, Verkehrsunfälle zu verhindern und die Zahl der Verkehrstoten zu senken. Diese Fahrzeuge bergen jedoch potenziell andere Risiken für Fahrer, Insassen und Fußgänger. Autonome Fahrzeuge verwenden Systeme mit künstlicher Intelligenz (KI), die Techniken des maschinellen Lernens (ML) einsetzen. Sie sammeln, analysieren und übertragen große Mengen von Daten. Diese bilden die Grundlage von Entscheidungen, die in konventionellen Fahrzeugen Menschen treffen. Solche Systeme sind wie alle anderen IT-Systeme anfällig für Angriffe, die das korrekte Funktionieren des Fahrzeugs beeinträchtigen können.

DDoS-Angriffe bedrohen Leistung und Verfügbarkeit

Während Deutschlands Online-Händler im Jahr 2020 einen Anstieg der Cyberangriffe um 177Prozent erdulden mussten, scheint der Trend sich heuer fortzuführen: Bereits im Januar zählte Netscout 1.500 Cyber-Attacken auf den E-Commerce Sektor. Die Distributed-Denial-of-Service (DDoS)-Angriffe treffen häufig schlecht geschützte Online-Shops, bedrohen aber auch die Leistung und Verfügbarkeit der erfahrenen Anbieter. Beim gesteigerten Anspruch von Online-Käufern heutzutage kann dies schnell zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit führt.

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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