Sicherheitsrisiko: "Genehmigte Schwachstellen"


Backdoors als Bestandteil von IT-Sicherheitslösungen?
Digitales Vertrauen prägt den Cybersecurity-Markt



Von Matthieu Bonenfant, CMO bei Stormshield

Im letzten Jahr standen bestimmte Staaten unter dem Verdacht, verantwortlich für Cyberangriffe im großen Stil sowie für die Eröffnung von "Cyberspionage-Schulen" zu sein. Darüber hinaus wurde ein Embargo gegen bestimmte Lieferanten angekündigt, denn es herrschte Besorgnis über mögliche Spionagetätigkeiten sowie ein neuer Verdacht hinsichtlich der Einführung von Backdoors in ausländischen Technologien. Insbesondere Huawei bekam die damit verbundenen Kosten zu spüren. Viele Diskussionen um Cybersicherheit stellen daher aktuell verstärkt den Begriff des digitalen Vertrauens in den Fokus.

Aktuelle Vorkommnisse und Debatten werfen Zweifel an der Zuverlässigkeit und Integrität von Softwareprodukten auf, insbesondere in Hinblick auf Cybersecurity-Lösungen. Gerade diese Lösungen sind aufgrund ihrer Funktion als "Wächter" über die wichtigsten Systeme und Informationen eines Unternehmens besonders sensibel: Hat jemand die Kontrolle über die Sicherheitssysteme, bedeutet dies den direkten Zugriff auf geschützte Ressourcen. Aus diesem Grund war die Auswahl eines passenden Cybersecurity-Partners für Unternehmen und Institutionen noch nie so wichtig wie jetzt.

Geht es um heikle Themen wie Backdoors oder die Abschwächung von Verschlüsselungsmechanismen, beziehen die Nationalstaaten sehr unterschiedliche Positionen. So hat Russland bereits Gesetze verabschiedet, durch die Behörden die Möglichkeit haben, auf die verschlüsselte Kommunikation von Herausgebern zuzugreifen. Auch die Mitgliedstaaten der sogenannten "Five Eyes"-Allianz* möchten die Implementierung von Schwachstellen in Software durchsetzen. Das primäre und offizielle Ziel bestehe darin, die Kommunikation möglicher Terroristen zu entschlüsseln und Informationen zwischen den verschiedenen Nachrichtendiensten auszutauschen.

Aufgrund der stets wachsenden Anzahl von Terrorangriffen hat deren Bekämpfung natürlich eine hohe Priorität. Dennoch sollte die Angemessenheit von absichtlich geschaffenen Backdoors in Frage gestellt werden, da sie auch die Möglichkeit bieten, an sensible Informationen von privaten Unternehmen oder Einzelpersonen zu gelangen. Sollte dies der Fall sein, sind verschiedenste Szenarien wie beispielsweise gesamtstaatliche Spionage, Zugang zu Geschäftsgeheimnissen oder Verstöße gegen bürgerliche Freiheiten vorstellbar. Diese Entwicklungen könnten Unternehmen und Institutionen ernsthaft darin beeinträchtigen, ihre Informationen angemessen zu schützen.

Europäische Lösungen ohne Backdoors
Im Großen und Ganzen fand die Integration solcher Backdoors keine Zustimmung. Insbesondere Europa stellt sich eindeutig gegen diese Umsetzung und befürwortet stattdessen eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in der Kommunikation, um eine vollständige Sicherheit zu gewährleisten. Bereits 2017 betonte der Vizepräsident der Europäischen Kommission diesen Standpunkt und hob die Bedrohung hervor, dass solche Schwachstellen in Sicherheits- oder Verschlüsselungssystemen schließlich auch von Cyberkriminellen erkannt und für ihre Aktivitäten ausgenutzt werden könnten.

Aus diesem Grund sollten auch bereits erfolgte Maßnahmen zur Unterstützung des digitalen Vertrauens hervorgehoben werden, die auf europäischer Ebene und von verschiedenen Regierungsbehörden wie der ANSSI in Frankreich (Nationale Agentur für Sicherheit der Informationssysteme) durchgeführt wurden. Das System der französischen Agentur zur Qualifizierung von Sicherheitsprodukten verlangt beispielsweise eine Überprüfung der Quellcodes, um sicherzustellen, dass die Schutzfunktionen solide und keine Backdoors vorhanden sind.

Fazit
Wie sich zeigt, geht der Begriff des digitalen Vertrauens weit über rein technologische und funktionale Aspekte hinaus und weist oft einen geopolitischen Charakter auf. Die Erkenntnis über den Ursprung digitaler Technologien, insbesondere derer, die zum Schutz oder für den Umgang mit sensiblen Daten verwendet werden, ist für das digitale Vertrauen von zentraler Bedeutung. Diese strategischen Informationen sollten Unternehmen in ihre Überlegungen einbeziehen, bevor sie Anbietern die Sicherung ihrer Informationssysteme anvertrauen. Dazu ist eine kontinuierliche Sensibilisierung von privaten und öffentlichen Organisationen erforderlich. Auch europäische Herausgeber müssen ihre Positionen transparenter gestalten und gemeinsam Stellung beziehen. (Stormshield: ra)

eingetragen: 25.02.19
Newsletterlauf: 10.04.19

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Meldungen: Kommentare und Meinungen

Cyber-Security-Pflichten verbindlich umsetzen

Der Schutz kritischer Infrastruktur soll weiter verbessert werden, die Anforderungen an deren Betreiber steigen deutlich: Am Montag, 16. Januar, tritt die NIS2-Richtlinie der Europäischen Union in Kraft. Die EU reagiert damit auf die in geopolitischen Krisenzeiten stark zunehmenden Cyberangriffe, die gesellschaftlich besonders relevante Einrichtungen und Organisationen bedrohen. Eile ist geboten, die Bedrohungslage verändert sich laufend.

Governance und Risikomanagement überdenken

Sicherlich ist das Thema Datenschutz durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) mehr als präsent – und doch gibt es Sicherheitsverstöße und Probleme im Umgang mit personenbezogenen Daten. Eine neue Richtlinie, die 2024 in Kraft tritt, wird den Druck auf Unternehmen weiter erhöhen, die Verantwortung für die Sicherung, Dokumentation und Wiederherstellung ihrer Daten zu übernehmen und eine umfassende Risikomanagement-Strategie zu erarbeiten.

Höheres Maß an Transparenz und Sicherheit

Die Vernetzung zuvor getrennter Systeme zum erweiterten Internet der Dinge (XIoT), das neben (I)IoT auch Betriebstechnik (OT) und medizinische Geräte (IoMT) umfasst, wird sich auch 2023 fortsetzen. Welche Auswirkungen dies auf den Markt und insbesondere auf die Cybersicherheit hat, erklärt Yaniv Vardi, CEO der Spezialisten für die Sicherheit von cyber-physischen Systemen (CPS) Claroty.

Kompromittierung durch fortgeschrittenes Phishing

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im Zuge der Ermittlungen aufgrund eines verheerenden Cyberangriffs, der laut den Ermittlern mit Hilfe von Phishing-Techniken rund vier Millionen Euro von seinen Opfern erbeutet hat, drei Wohnungen durchsucht. Zwei Verdächtige wurden dabei festgenommen und angeklagt. Das Verfahren gegen die dritte Person hängt von den Ergebnissen der weiteren Ermittlungen ab. 

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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