Auch ein System-Image zu sichern


Ist die neue Erpressersoftware Stampado nur ein fieser Marketingtrick?
Stehen wir am Beginn einer Welle mit gefälschter Anti-Ransomware, die vermeintlich vor Erpressersoftware schützt?



Von Richard Werner, Business Consultant bei Trend Micro

Zurzeit schreckt die Nachricht den Markt auf, es sei eine "unentdeckbare" Ransomware im Umlauf und diese koste nur 39 US-Dollar. Sogar ein YouTube-Video existiert, auf dem die Hintermänner die Funktionsweise der Erpressersoftware erklären. Merkwürdig ist jedoch: Bislang fehlt jeglicher Beweis, dass es diesen Schädling überhaupt gibt. Daher stellt sich die Frage: Was ist los im Crypto-Ransomware-Untergrund? Zuerst taucht mit Ranscam eine Variante auf, die Dateien nicht verschlüsselt, sondern löscht, und jetzt "werben" Cyberkriminelle für einen Schädling, der wahrscheinlich gar nicht existiert? Stehen wir am Beginn einer Welle mit gefälschter Anti-Ransomware, die vermeintlich vor Erpressersoftware schützt?

Als vor einigen Jahren die Schadsoftware Conficker auch DownAD genannt ihr Unwesen trieb, dauerte es nicht lange, bis Online-Gangster auf die Idee kamen, gefälschte Antivirenprogramme in Umlauf zu bringen, die angeblich vor dieser Bedrohung mit sehr hohen Infektionszahlen schützten. Damit haben die Cyberkriminellen das Bedrohungspotenzial von Conficker potenziert und ihren Gewinn maximiert.

Während Ranscam implizit den Sinn von Zahlungen an die Erpresser zumindest mittel- und langfristig in Frage stellt, da die Dateien ja nicht wiederhergestellt, sondern unwiederbringlich gelöscht werden, sendet das YouTube-Video zu Stampado das gegenteilige Signal.

Aus der Sicht von Trend Micro verstecken sich dahinter drei Aussagen:

1. "Ransomware ist nicht tot!
Wir verteilen Erpressersoftware gerade im gesamten Cyber-Untergrund." Die Absicht ist klar: Ransomware kann und wird jeden treffen. Und um den Schaden für die Opfer und dadurch den Gewinn für die Cyberkriminellen zu maximieren, wäre es denkbar, dass dies eine neue Welle von gefälschten Antiviren-Programmen ankündigt. Trifft dies zu, gibt es demnächst viele neue Anti-Ransomware-Tools, die damit werben, Stampado & Co zu erkennen und zu entfernen natürlich gegen Zahlung einer Gebühr von vielleicht 20 Euro. Mit diesem Trick haben Conficker-Hintermänner Millionen "verdient".

2. "Installierte IT-Sicherheitslösungen nützen nichts, sie entdecken uns nicht. Unser Schädling ist nicht zu erkennen." Damit wird suggeriert, dass Investitionen in IT-Sicherheitslösungen nichts bringen, weil diese angeblich wirkungslos sind. Doch das stimmt natürlich nicht.

3. "Wer bezahlt, kann wieder auf seine Daten und Informationen zugreifen." Dies könnte die Antwort auf Ranscam sein. Die Opfer sollen weiter in dem Glauben gelassen werden, dass es sich "lohnt", den Online-Kriminellen Geld zu bezahlen. Doch so einfach ist es nicht. Es ist besser, auf die Geldforderungen nicht einzugehen.

Die Anwender ob in Unternehmen oder privat sind jedenfalls gut beraten, nicht auf Meldungen, sie hätten sich mit Stampado infiziert, hereinzufallen und zu zahlen. Ein Anwender, der aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage nach Stampado recherchiert, findet vielleicht schon bald nicht mehr nur Suchtreffer, die auf die Seiten der seriösen IT-Sicherheitsanbieter verweisen, sondern auf dubiose Angebote. Dabei könnte es sich um ein Fake-Antiransomware-Werkzeug handeln. Fällt ein Anwender auf diesen Trick herein, erscheint wohl schon bald ein Popup-Fenster und meldet den Befall mit Stampado, selbst wenn gar keine Infektion vorliegt. Natürlich schlägt in einem solchen Fall kein legitimes Sicherheitsprodukt an was dem ahnungslosen Opfer wieder die Echtheit der Aussagen im YouTube-Video suggeriert. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Opfer zahlt, enorm.

Nie zahlen! Niemals!
Bei Ransomware gibt es keine Garantie, dass die Opfer den Schlüssel tatsächlich bekommen, um mit ihren Dateien wieder arbeiten zu können. Außerdem sind Fälle bekannt geworden, dass nach der Zahlung weitere Geldforderungen erhoben wurden, statt den Schlüssel zu liefern. Es zahlt sich also generell nicht aus, den Erpressern nachzugeben.

Nein zu Ransomware
Als erste Hilfe im Fall einer Infektion mit einigen Varianten von Erpressersoftware hilft Trend Micro mit zwei kostenlos abrufbaren Tools: "Trend Micro Crypto-Ransomware File Decryptor" und "Trend Micro Anti-Ransomware". Darüber hinaus empfiehlt Trend Micro Privatanwendern wie Unternehmen zwei grundlegende Strategien, um sich vor Infektionen mit Erpressersoftware zu wappnen:

1. Backups anlegen
Eine grundlegende Möglichkeit, sich vor Erpressersoftware zu schützen, sind regelmäßige Datensicherungen (Backups). Dabei sollten die Anwender der 3-2-1-Regel folgen drei Kopien in zwei Formaten auf einem isolierten Medium. So lassen sich zum Beispiel die Familienfotos erstens auf einem externen Speichermedium (externe Festplatte oder Stick) speichern, zweitens in der Cloud ablegen und drittens auf eine CD brennen. Der Cloud-Speicher und der nicht eingesteckte USB-Stick verhindern dabei, dass der Schädling auch die Sicherungskopien verschlüsseln und löschen kann. Sollte kein Cloud-Speicher vorhanden und der USB-Stick mit dem Rechner verbunden sein, so wären wenigstens die auf CD gebrannten Bilder sicher, selbst wenn diese im CD-Laufwerk eingelegt wäre.

Wichtig dabei ist, nicht nur die Daten und Dateien, sondern auch ein System-Image zu sichern im Falle von Windows am besten einmal in der Woche. Hierfür eignet sich wegen der Datenmenge idealerweise eine externe Festplatte, die nur während der Sicherung mit dem Rechner per USB-Schnittstelle verbunden wird. Kommt es zu einer Infektion, ist es immer empfehlenswert, den befallenen Rechner komplett neu aufzusetzen selbst nach geglückter Entfernung des Schädlings. Schließlich kann es immer möglich sein, dass einzelne Komponenten einer Bedrohung weiter auf dem Gerät verbleiben und bei künftigen Kampagnen wieder ihr Unwesen treiben.

2. Mehrschichtige Sicherheitslösungen helfen
Generell sollten Anwender auf ihren Geräten eine moderne Sicherheitssoftware installieren und stets auf dem aktuellen Stand halten. Außerdem sollten diese Schutzlösungen über Cloud-Sicherheitsmechanismen verfügen, damit etwa Webadressen, die zu Erpresser- und anderer Schadsoftware führen, oder E-Mails mit bösartigen Links geblockt und bösartige Dateien gar nicht heruntergeladen oder ausgeführt werden. Zusätzlich bietet die Verhaltensanalyse solcher Sicherheitssoftware Schutz und kann eine unbekannte oder zunächst nicht erkannte Bedrohung noch vor dem eigentlichen Schaden abwehren.

Über Richard Werner
Als Business Consultant bringt Richard Werner den IT-Sicherheitsverantwortlichen größerer Unternehmenskunden die Strategie Trend Micros näher, speziell im Hinblick auf aktuelle Cyberbedrohungen. In dieser Rolle, die er seit Juni 2016 innehat, hält Werner zudem Vorträge und kommuniziert mit der Presse. Davor verantwortete er als Regional Solution Manager die Einführung insbesondere der Cloud- und Rechenzentrumslösungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Werner, der seit 2000 im Unternehmen ist, hatte beim japanischen IT-Sicherheitsanbieter verschiedene leitende Positionen im technischem Bereich inne, insbesondere im Post- und Pre-Sales-Support: Er war unter anderem Leiter des Presales-Teams für die Region Zentraleuropa sowie Senior Sales Engineer.
(Trend Micro: ra)

eingetragen: 17.07.16
Home & Newsletterlauf: 23.08.16


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Meldungen: Kommentare und Meinungen

Cyber-Security-Pflichten verbindlich umsetzen

Der Schutz kritischer Infrastruktur soll weiter verbessert werden, die Anforderungen an deren Betreiber steigen deutlich: Am Montag, 16. Januar, tritt die NIS2-Richtlinie der Europäischen Union in Kraft. Die EU reagiert damit auf die in geopolitischen Krisenzeiten stark zunehmenden Cyberangriffe, die gesellschaftlich besonders relevante Einrichtungen und Organisationen bedrohen. Eile ist geboten, die Bedrohungslage verändert sich laufend.

Governance und Risikomanagement überdenken

Sicherlich ist das Thema Datenschutz durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) mehr als präsent – und doch gibt es Sicherheitsverstöße und Probleme im Umgang mit personenbezogenen Daten. Eine neue Richtlinie, die 2024 in Kraft tritt, wird den Druck auf Unternehmen weiter erhöhen, die Verantwortung für die Sicherung, Dokumentation und Wiederherstellung ihrer Daten zu übernehmen und eine umfassende Risikomanagement-Strategie zu erarbeiten.

Höheres Maß an Transparenz und Sicherheit

Die Vernetzung zuvor getrennter Systeme zum erweiterten Internet der Dinge (XIoT), das neben (I)IoT auch Betriebstechnik (OT) und medizinische Geräte (IoMT) umfasst, wird sich auch 2023 fortsetzen. Welche Auswirkungen dies auf den Markt und insbesondere auf die Cybersicherheit hat, erklärt Yaniv Vardi, CEO der Spezialisten für die Sicherheit von cyber-physischen Systemen (CPS) Claroty.

Kompromittierung durch fortgeschrittenes Phishing

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im Zuge der Ermittlungen aufgrund eines verheerenden Cyberangriffs, der laut den Ermittlern mit Hilfe von Phishing-Techniken rund vier Millionen Euro von seinen Opfern erbeutet hat, drei Wohnungen durchsucht. Zwei Verdächtige wurden dabei festgenommen und angeklagt. Das Verfahren gegen die dritte Person hängt von den Ergebnissen der weiteren Ermittlungen ab. 

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

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Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

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Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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