Personenbezogene Daten ein attraktives Ziel


Fünf Jahre nach dem NSA-Leak: Was haben wir gelernt?
Auch fünf Jahre später haben viele Organisationen und Unternehmen keine Fortschritte gemacht, verdächtiges Verhalten von Nutzern zu erkennen und zu stoppen




Kommentar von Thomas Ehrlich, Country Manager DACH von Varonis

Vor ziemlich genau fünf Jahren wurde ein damals 30-jähriger externer Mitarbeiter schlagartig weltberühmt, obwohl sein Beruf eigentlich genau das Gegenteil erfordert hatte: Edward Snowden leakte geheime Unterlagen der US-amerikanischen National Security Agency (NSA). Je nach Sichtweise, politischer Einstellung, möglicherweise auch Nationalität, wird man sein Handeln anders bewerten: Für die einen ist er ein Verräter, für die anderen ein Held, der Prototyp eines Whistleblowers. Fest steht auf alle Fälle, dass sich die Wahrnehmung der staatlichen Überwachung (insbesondere in Deutschland), vor allem aber die IT-Sicherheit auf Jahre verändert hat.

Wahrscheinlich haben wir mit "blended attacks" wie WannaCry, die ohne NSA-Tools kaum denkbar wären, erst einen Vorgeschmack auf den wahren Schaden dieser Angriffe bekommen. Und sicherlich arbeiten Cyberkriminelle (und auch Hacker im staatlichen Auftrag) an neuen Varianten.

Die traurige Wahrheit ist, dass auch fünf Jahre später (was in der IT eine Ewigkeit darstellt) viele Organisationen und Unternehmen keine Fortschritte gemacht haben, verdächtiges Verhalten von Nutzern zu erkennen und zu stoppen. Unternehmen geben Millionen für die Entwicklung ihrer Produkte und Technologien aus und vernachlässigen dabei, ihr geistiges Eigentum adäquat zu schützen. Niemand käme auf die Idee, seinen neuen Sportwagen mit steckendem Zündschlüssel auf offener Straße stehen zu lassen. Aber genau so verhalten sich viele. Gerade im Know-how-Land Deutschland, das von seinen Erfindungen und Entwicklungen lebt, geht es hier um die wirtschaftliche Existenz zahlreicher (insbesondere) mittelständischer Unternehmen.

Alles was es braucht, um enormen Schaden anzurichten, ist eine motivierte Person, die nimmt, was ihr in die Finger kommt. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage ergab, dass durchschnittlich 21 Prozent der Ordner eines Unternehmens für jeden Mitarbeiter zugänglich sind, in 41 Prozent der Unternehmen haben sämtliche Mitarbeiter Zugriff auf mindestens 1.000 sensible Dateien und bei 58 Prozent unterliegen mehr als 100.000 Ordner keiner Zugriffsbeschränkung. Wenn keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um Alarm zu schlagen und Insider zu stoppen, gehen Leaks und Datendiebstähle weiter und die Unternehmen und letztlich auch die Verbraucher werden verlieren. Ein "Insider" muss dabei übrigens nicht zwangsläufig ein Mitarbeiter (oder Partner) sein. Es kann sich dabei auch um einen Kriminellen handeln, der die Zugangsdaten eines Mitarbeiters nutzt.

IT-Sicherheit ist aber nicht nur ein Business-Thema, vielmehr wird es auch zum Problem für die Verbraucher und Kunden, da sie oft diejenigen sind, die den Preis zahlen müssen und sich mit den Folgen eines Datenverstoßes herumplagen müssen. Personenbezogene Daten sind ein attraktives Ziel für Angreifer. Ständig erzeugen wir Daten, vom Arztbesuch bis zum bargeldlosen Bezahlen. Neue Arten personenbezogener Daten wie Gesichtserkennung und andere biometrische Daten entstehen und verbreiten sich. Unsere (privaten und vertraulichen) Informationen werden unaufhörlich gespeichert, abgerufen, geteilt und aktualisiert. Wenn diese Daten gestohlen oder verändert werden, kann man leicht das nächste Opfer eines Betruges werden.

Glücklicherweise trägt die DSGVO dazu bei, die Sicherheit der Verbraucherdaten zu erhöhen, indem sie nicht nur eine gewisse Datensparsamkeit vorschreibt, sondern auch von den Unternehmen eine umfassende Datensicherheitskontrolle verlangt. Diejenigen, die es versäumen, Verbraucherdaten zu sichern, müssen mit hohen Strafen rechnen.

Egal ob es sich um wertvolles geistiges Eigentum oder personenbezogene Daten handelt: Unternehmen müssen es ("internen" oder "externen") Angreifern so schwer wie möglich machen und die Daten ins Zentrum ihrer Sicherheitsstrategie stellen. Es brauch Zeit, Kompetenz und Ressourcen, um Angreifer dauerhaft abzuwehren. Hoffnung ist dabei keine Strategie, um die nächste große Cyber-Attacke zu verhindern. (Varonis: ra)

eingetragen: 20.07.18
Newsletterlauf: 27.07.18

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Meldungen: Kommentare und Meinungen

Cyber-Security-Pflichten verbindlich umsetzen

Der Schutz kritischer Infrastruktur soll weiter verbessert werden, die Anforderungen an deren Betreiber steigen deutlich: Am Montag, 16. Januar, tritt die NIS2-Richtlinie der Europäischen Union in Kraft. Die EU reagiert damit auf die in geopolitischen Krisenzeiten stark zunehmenden Cyberangriffe, die gesellschaftlich besonders relevante Einrichtungen und Organisationen bedrohen. Eile ist geboten, die Bedrohungslage verändert sich laufend.

Governance und Risikomanagement überdenken

Sicherlich ist das Thema Datenschutz durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) mehr als präsent – und doch gibt es Sicherheitsverstöße und Probleme im Umgang mit personenbezogenen Daten. Eine neue Richtlinie, die 2024 in Kraft tritt, wird den Druck auf Unternehmen weiter erhöhen, die Verantwortung für die Sicherung, Dokumentation und Wiederherstellung ihrer Daten zu übernehmen und eine umfassende Risikomanagement-Strategie zu erarbeiten.

Höheres Maß an Transparenz und Sicherheit

Die Vernetzung zuvor getrennter Systeme zum erweiterten Internet der Dinge (XIoT), das neben (I)IoT auch Betriebstechnik (OT) und medizinische Geräte (IoMT) umfasst, wird sich auch 2023 fortsetzen. Welche Auswirkungen dies auf den Markt und insbesondere auf die Cybersicherheit hat, erklärt Yaniv Vardi, CEO der Spezialisten für die Sicherheit von cyber-physischen Systemen (CPS) Claroty.

Kompromittierung durch fortgeschrittenes Phishing

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im Zuge der Ermittlungen aufgrund eines verheerenden Cyberangriffs, der laut den Ermittlern mit Hilfe von Phishing-Techniken rund vier Millionen Euro von seinen Opfern erbeutet hat, drei Wohnungen durchsucht. Zwei Verdächtige wurden dabei festgenommen und angeklagt. Das Verfahren gegen die dritte Person hängt von den Ergebnissen der weiteren Ermittlungen ab. 

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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