Verschlüsselungen im Firefox-Browser


Mozilla führt SHA-1 wieder ein Ein Schritt zum In-Security by Design?
Für Cyberkriminelle ist SHA-1 eine offene Einladung

Von Kevin Bocek, VicePresident, Security Strategy & Threat Intelligence bei Venafi

(18.02.16) - Obwohl Mozilla eigentlich plante, ab dem 1. Januar 2016 keinen SHA-1 Algorithmus für Verschlüsselungen im weitverbreiteten Firefox-Browser unterstützen zu wollen, wurde dieser Schritt nach wenigen Tagen wieder rückgängig gemacht. Für das Vertrauen in die Cyberwelt und die IT-Sicherheit ist dieser Schritt grob fahrlässig. Bereits 2006 erklärte das National Institute of Standards and Technology (NIST) SHA-1 für unsicher und empfahl die Nutzung einzustellen. Allerdings fürchten Unternehmen, dass sie an Wahrnehmung einbüßen, wenn sie in ihren Onlineangeboten den unsicheren Algorithmus nicht mehr unterstützen.

Über 1,5 Millionen Zertifikate nutzen SHA-1 momentan und werden nach 2017 aktiv bleiben. Ab diesem Zeitpunkt sollten nahezu alle Browser die Unterstützung einstellen. 30 Prozent aller SSL-Zertifikate setzen aktuell immer noch auf SHA-1 zur Sicherung von Homepages. Dies zeigt, dass das Risiko falsch eingeschätzt wird, obwohl die Faktenlage eindeutig ist.

Für Cyberkriminelle ist SHA-1 eine offene Einladung. Zwar stehen mit SHA-2 und anderen Verschlüsselungstechnologien ausgereifte Alternativen zu Verfügung was fehlt ist der Wille zur Veränderung. Wenn man nicht anfängt die Sicherheit von digitalen Zertifikaten und Schlüsseln Ernst zunehmen, zerbricht das Vertrauen in das Internet als Wirtschaftsraum. Heartbleed hat gezeigt, wie angreifbar das Internet ohne ein entsprechendes Immunsystem ist.

Mozilla galt bisher als Unternehmen, dass viel Wert auf die Sicherheit der Nutzer legt. Dieser Rückzug sendet allerdings ein schlechtes Signal an die Wirtschaft und die Gesellschaft. Daher kann es gut sein, dass die Bundesregierung nach dem IT-Sicherheitsgesetz noch weitere Rechtsakte verabschiedet. Im aktuellen Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) heißt es wörtlich: "Es bleibt abzuwarten, wie sich die IT-Risikosituation in anderen Anwendungsbereichen außerhalb der Kritischen Infrastrukturen entwickelt. Auch hier kann, wenn sich durch Marktmechanismen kein angemessenes IT-Sicherheitsniveau einstellt, eine weitere IT-Sicherheitsgesetzgebung sinnvoll sein."

Organisationen sollten schon frühzeitig die Umstellung planen und Lösungen implementieren, um Zertifikate und Schlüssel automatisiert zu verwalten. Die Gefahr für das Vertrauen ist so umfassend, dass es ein generelles Umdenken braucht. In der neuen Datenschutzgrundverordnung (GDPR)ruft die EU unter anderem die Begriffe Security-by-Default und Security-by-Design auf. Dabei geht es um die Einführung einer neuen Kultur des Risikobewusstseins. Jeder Bestandteil von IT-Systemen soll nach entsprechendem Stand der Technik von Haus geschützt werden. Unternehmen und User sollten sich der Sicherheitsproblematik bewusst werden und Schutz von Informationen einen höheren Stellenwert zukommen lassen.

Daher ist die Wiedereinführung von SHA-1 ein Schritt in die falsche Richtung. Firmen haben jetzt noch die Möglichkeit, pro-aktiv eigene Maßnahmen zu ergreifen. Wenn man damit scheitert, wird das Vertrauen in die digitale Kommunikation nachhaltig geschädigt und die Politik wird weitere Sicherheitsgesetzte verabschieden müssen. Dies wird den wirtschaftlichen Fortschritt lähmen und Unternehmen unter Druck setzen. Darum müssen Unternehmen ihre Sicherheitsarchitektur für digitale Zertifikate und Schlüssel dringend umstellen.
(Venafi: ra)

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Meldungen: Kommentare und Meinungen

Integrität der Supply Chain mit immer mehr Brisanz

Lässt man einige Angriffe der letzten Zeit (insbesondere Solarwinds oder Log4Shell) Revue passieren, so fällt auf, dass diese immer mehr "über Bande" spielen. Das bedeutet die Angreifer greifen Zielunternehmen nicht mehr direkt an, sondern über deren (Software)-Lieferkette. Ob nun Opfer über kompromittierte Solarwinds-Updates oder Lücken in Log4Shell angegriffen werden – in beiden Fällen ist die Software-Lieferkette gleichzeitig auch Infektionskette.

Online-Händler unter Druck

Laut dem aktuellen Threat Intelligence Report von Netscout verzeichnete der deutsche E-Commerce-Sektor im zweiten Halbjahr 2021 rund 16,918 DDoS-Angriffe. Dies stellt einen Anstieg von 7.5 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 dar und macht die Branche im zweiten Jahr in Folge zum zweitstärksten Angriffsziel in Deutschland nach Datenverarbeitungsdiensten.

Gesundheitsdienstleister müssen Netzwerke absichern

Rund drei Wochen nach der Ausrufung des nationalen Notstandes aufgrund von Cyberangriffen in Costa Rica zeigten sich im Gesundheitssektor des Landes gravierende Schäden: Alle Computersysteme im Netzwerk des öffentlichen Gesundheitswesens Costa Ricas (Costa Rican Social Security Fund) sind nunmehr offline, nachdem sie von einem Ransomware-Angriff getroffen wurden.

Cyber-Resilienz benötigt eine hohe Priorität

Cyberangriffe sind laut dem aktuellen Hiscox Cyber Readiness Report erneut das Risiko Nummer eins für deutsche Unternehmen. Betrachtet man die finanziellen Folgen eines Cyberangriffs, so belaufen sich die durchschnittlichen Gesamtkosten eines Cyberschadens für Deutschland auf 18.712 Euro - damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich an erster Stelle (durchschnittlich 15.255 Euro).

Erstellung entsprechender IT-Sicherheitsstandards

Das Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen (OZG) verpflichtet Bund, Länder und Kommunen bis Ende 2022 ihre Verwaltungsleistungen über Verwaltungsportale auch digital anzubieten. Eine flächendeckende Digitalisierung garantiert jedoch nicht zwingend auch mehr Sicherheit.

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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