Cyber-Angriffe werden später entdeckt


Behörden hilflos und die Jäger sind schlecht gerüstet: "M-Trends Report 2016" stellt EMEA ein schlechtes Zeugnis aus
EMEA verlässt sich auf Antiviren-Tools und die Angreifer nutzen oft ungebremst Persistenzmechanismen wie Backdoors, Web Shells oder VPN-Zugang



Die EMEA-Region schneidet schlecht ab: 469 Tage brauchten Firmen in EMEA im Durchschnitt, um das Eindringen von Hackern zu bemerken der weltweite Durchschnitt liegt bei 146 Tagen. Dies ist eines der Ergebnisse des aktuellen M-Trends Report für EMEA von Mandiant, einem Unternehmen von FireEye. 88 Prozent der Firmen verlassen sich nur auf ihre internen Abwehrressourcen. Von offizieller Stelle ist noch wenig Hilfe zu erwarten anders als im weltweiten Vergleich: hier werden 53 Prozent der Angriffe von externer bzw. staatlicher Stelle entdeckt.

Das Fazit der Mandiant-Fachleute: die Unternehmen in der Region haben in Bezug auf Sicherheit nicht die Reife erreicht, um sicherheitsrelevante Events übergreifend zu überwachen. EMEA verlässt sich auf Antiviren-Tools und die Angreifer nutzen oft ungebremst Persistenzmechanismen wie Backdoors, Web Shells oder VPN-Zugang.

Doch der Druck auf die Unternehmen wächst: Anders als noch vor wenigen Jahren ist es heute schwierig geworden, sicherheitsrelevante Vorfälle geheim zu hatten. Der Grund dafür: Meldepflichten und mehr (mediale) Öffentlichkeit für Datenklau, Hackerangriffe und Sicherheitslecks.

Hacker hinterlassen wenige Spuren und tarnen sich gut
Über 40.000 Systeme pro Netzwerk untersuchten die Mandiant-Experten durchschnittlich pro Unternehmen und davon waren nur 40 Systeme infiziert. Die Angreifer versuchen zwar, sich im Netzwerk zu verbreiten, hinterlassen aber kaum Spuren bzw. verschleiern diese. Die Malware wurde oft erst kurz vorher für genau diesen Angriff geschrieben und entsprechend von Antivirus-Tools und den Schwarzen Listen der Proxy Server nicht erkannt. Schlimmer noch: viele Unternehmen nutzen signaturbasierte Antivirus-Technologien nur zum Schutz der Hosts und überwachen die internen Kommunikationsströme in sensitiven Bereichen wie Datenbanken oder der Dokumentation geistigen Eigentums nicht.

Während eines Angriffs wechseln die Hacker gerne von Malware zu den Remote Access-Lösungen im Unternehmen wie etwa VPNs, um länger unentdeckt zu bleiben: Sie nutzen legitime Tools, tarnen sich als "Insider" mit gültigen Berechtigungen. Sie beseitigen manchmal sogar ihre Malware, sobald sie eingedrungen sind.

Durchschnittlich wurden nachweisbare 2,6 GB an Daten gestohlen doch je höher die Verweildauer der Angreifer, desto höher ist das vermutete Datenvolumen. 469 Tage sind eine Ewigkeit für die Angreifer Zeit, in der sie in aller Ruhe ihre Ziele erreichen und gegebenenfalls auch den Zugang in das Unternehmen an andere Interessenten weiterverkaufen können.

Wenig Hilfe von Behörden oder staatlichen Organisationen
Die Angreifer wechseln ihre Tools und Taktiken häufig in einer Geschwindigkeit, die es den Unternehmen schwer macht, Schritt zu halten. Sie brauchen ausgefeilte Security-Programme, um sich einigermaßen zu schützen und den Rat von Spezialisten. Doch in 88 Prozent der Fälle haben Unternehmen die Sicherheitslecks selbst gefunden. Anders als im weltweiten Durchschnitt kommt dabei noch wenig Unterstützung von offizieller Seite was sich laut Mandiant in manchen Ländern langsam ändert: dort wo der Schutz kritischer Infrastrukturen zunehmend als staatliche Aufgabe wahrgenommen wird.

Gehandelt wird oft zu spät und unzureichend. Die meisten Aufträge an FireEye kamen erst nach forensischen Ermittlungen nachdem die Firmen die Eindringlinge aus ihrer Umgebung nicht selbst entfernen konnten. Der Grund dafür: In Europa nutzen noch viele Unternehmen traditionelle Methoden, die nicht ausreichen, um den Angreifer zu entfernen und untersuchen nur eine Handvoll von Maschinen. Damit verbleiben die Angreifer in der IT-Umgebung und können sie leicht von ihren verbleibenden Stützpunkten aus neu infizieren. FireEye empfiehlt eine umfassende Untersuchung mit Hilfe einer zuverlässigen Intelligence sowie eine skalierbare Methode, die jede Maschine im Netzwerk abdeckt. Nur so kann man das Ausmaß von sicherheitsrelevanten Vorfällen einschätzen und die Eindringlinge erfolgreich bannen.

"Da die Motive hinter den Angriffen von Industriespionage über Medienpräsenz bis hin zu Markenschädigung reichen, sind solche Bedrohungen nicht mehr nur ein Fall für die IT-Abteilung, sondern auch für die Vorstandsebene , so Jan Korth, Director of Mandiant Security Consulting Services (DACH), FireEye.

"Viele Unternehmen müssen sich von der traditionellen Vorgehensweise verabschieden, auf Vorfälle nur zu reagieren. Andernfalls wird sich die Verweildauer der Angreifer nicht schnell genug verkürzen. Das, und die Tatsache, dass die CERT-Fähigkeiten und -Mandate einiger Regierungen in EMEA unterschiedlich ausgereift sind, führen dazu, dass Unternehmen unter dem gewaltigen Druck stehen, Gefahren selbst erkennen zu müssen. Und unseren Statistiken zufolge sind sie dabei einfach nicht schnell genug. Zwischen EMEA und dem Rest der Welt bestehen großen Unterschiede das zeigen unsere Beobachtungen deutlich. Und die Vorstände in der Region müssen sich jetzt darum kümmern." (FireEye: ra)

eingetragen: 20.06.16
Home & Newsletterlauf: 08.07.16


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Meldungen: Studien

Ein falscher Klick auf einen Phishing-Link genügt

Die Notwendigkeit, Angestellte für das Thema IT-Sicherheit zu sensibilisieren, ist akuter denn je. Dennoch herrscht in vielen Firmen noch immer dringender Handlungsbedarf. Laut der aktuellen Studie "Cybersicherheit in Zahlen" von der G Data CyberDefense AG, Statista und brand eins finden rund 46 Prozent der Befragten, dass technische Sicherheitslösungen allein ausreichen, um Cyberbedrohungen abzuwehren.

Cyberkriminelle haben es auf den Handelssektor abgesehen

Akamai Technologies hat einen neuen "State of the Internet"-Bericht (SOTI) veröffentlicht. Er trägt den Titel "Verborgen im Schatten: Angriffstrends bringen API-Bedrohungen ans Licht". Die Studie belegt eine Vielzahl von Angriffen auf APIs, einschließlich herkömmlicher Webangriffe. Die Untersuchung zeigt zudem, welche Regionen am stärksten gefährdet sind. Die Daten von Akamai zeigen den API-Angriffs-Traffic von Januar bis Dezember 2023 auf. Sie offenbaren, dass 2023 der höchste Prozentsatz an API-Angriffen weltweit mit 47,5 Prozent in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) verzeichnet wurde. Dies übertraf bei Weitem die mit 27,1 Prozent am zweitstärksten betroffene Region Nordamerika. Innerhalb der Region EMEA sind Spanien (94,8 Prozent), Portugal (84,5 Prozent), die Niederlande (71,9 Prozent) und Israel (67,1 Prozent) die Länder mit dem höchsten Anteil an API-Angriffen.

Schutz von Webanwendungen

Schwachstellen bei der Zugangskontrolle und das Risiko der Offenlegung von Daten sind die weit verbreitetsten Sicherheitsmängel in unternehmensintern entwickelten Webanwendungen. Dies zeigt eine aktuelle Analyse von Kaspersky im Zeitraum 2021 bis 2023.

Anstieg von Betrug durch Freunde

Mehr als ein Drittel der Internetkäufer in Deutschland hat in den letzten 12 Monaten einen Online-Betrug begangen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse einer neuen Studie, die vom Betrugspräventionsanbieter Ravelin beauftragt wurde und die Einstellungen, Motivationen, Werte und Hintergründe einer wachsenden Zahl von Verbrauchern untersucht, die sich der Kriminalität im E-Commerce zuwenden.

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Fachartikel

Grundlagen

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Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

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Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

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Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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