Cybersicherheit und Datenschutz

Änderungen bei ISO 27002 und 27001: Was das für Unternehmen bedeutet

Das Thema Datenschutz kommt neben der Informationssicherheit stärker zum Tragen



Seit Jahren unterstützt die internationale ISO/IEC 27000-Normenwelt Unternehmen darin, Informationssicherheit effizient und ganzheitlich zu handhaben und Informationssicherheitsrisiken zu reduzieren. Vor Kurzem ist nun Bewegung in diese Normenfamilie gekommen: 2022 hat die International Accreditation Forum (IAF) zunächst die ISO 27002 und im Oktober dann auch die ISO 27001 überarbeitet und in allen Bereichen an die aktuelle Bedrohungslage angepasst.

Patrycja Schrenk, IT-Sicherheitsexpertin und Geschäftsführerin der PSW Group, begrüßt die Änderungen der Normen: "Neben mehr Praxisnähe kommt jetzt insbesondere das Thema Datenschutz neben der Informationssicherheit stärker zum Tragen. In Zeiten der Zunahme von Attacken auf Organisationen bietet insbesondere der neue Blickwinkel auf die Cybersicherheit und den Datenschutz für die Unternehmen einen echten Mehrwert, welche bisher nur die Compliance auf dem Schirm und das Thema Informationssicherheits-Managementsystem eher als Last empfunden hatten."

Die ISO 27001 ist der internationale Standard für die Realisierung eines Informationssicherheit-Managementsystems (ISMS). Ein ISMS nach ISO 27001gewährleistet, dass Daten sowohl optimal genutzt als auch sicher verwahrt werden. Die ISO 27002 ergänzt die Sicherheitsmaßnahmen der ISO 27001 um konkrete Umsetzungsempfehlungen und stellt damit eine Art Leitfaden bereit. Mit der Neufassung der beiden ISO-Normen wurden umfangreiche Änderungen, sowohl an der Struktur, wie auch beim Inhalt vorgenommen.

Sofort auffällig bei der ISO 27001:2022 ist bereits die Namensänderung: Aus "Informationstechnologie – Sicherheitsverfahren – Informationssicherheitsmanagementsysteme – Anforderungen" wurde mit der Neufassung "Informationssicherheit, Cybersicherheit und Datenschutz – Informationssicherheitsmaßnahmen". "Bereits der neue Titel macht klar, dass sich die Schutzziele verändert haben. Cybersicherheit und Datenschutz erhalten einen größeren Stellenwert und werden explizit hervorgehoben. Insgesamt sind die neuen Maßnahmen praxisnäher geworden und in der Beschreibung detaillierter. Sie adressieren die neuen Aspekte Datenschutz und Informationssicherheit verstärkt, und sind vor allem auch zusammengefasst worden, wo zuvor einzelne Maßnahmen für sich alleinstehend wenig Sinn ergeben haben", erklärt Schrenk. So wurden 114 Maßnahmen zu 93 in den neuen Versionen zusammengefasst, wobei hier bereits 11 neue Maßnahmen enthalten sind. Zudem hat jede Maßnahme nun einen eigenen Zweck.

"Die Neuerungen in der überarbeiteten Fassung der ISO 27001 sind erkennbar, jedoch erfordern sie in Unternehmen keinen völlig neuen Umgang mit dem Thema Informationssicherheit oder irgendwelchen größeren Veränderungen an einem bereits bestehenden Informationssicherheits-Managementsystem. Mit der ISO 27001:2022 wurden vielmehr längst überfällige Anpassungen an das wachsende Verständnis von Informationssicherheit vorgenommen. In ihren wesentlichen Aussagen und Anforderungen ist sie jedoch identisch zur Vorgängerversion", betont die IT-Sicherheitsexpertin.

Die wesentlichsten Änderungen der ISO 27002 lassen sich bereits bei der Betrachtung des Inhaltsverzeichnisses erkennen: Aus ursprünglich 14 Abschnitten werden 4 Themenbereiche, die grob die Maßnahmen nach personellen, physischen und technischen Maßnahmen strukturieren. Maßnahmen, die keinem dieser Bereiche zugeordnet werden können, finden sich im Thema der organisatorischen Maßnahmen. Die neue Struktur sorgt damit für deutlich mehr Übersicht.

ISO 27002/27001 Update – Das sollten Unternehmen berücksichtigen

Das International Accreditation Forum hat sich auch zu den Übergangsfristen zur Umstellung auf die neue ISO 27001 geäußert und sie auf 3 Jahre festgelegt. Die Frist liegt damit im regulären Re-Zertifizierungsrhythmus, nach dem zertifizierte Unternehmen alle drei Jahre einen komplett neuen Auditprozess durchlaufen müssen, um ihre Zertifizierung aufrechtzuerhalten.

Was das konkret bedeutet, erklärt Schrenk: "Für die Umstellung aller bestehenden Zertifikate auf die neue ISO 27001:2022 haben Unternehmen drei Jahre Zeit, bezogen auf den letzten Tag des Ausgabemonats, der ja im Oktober 2022 war, – also bis Oktober 2025. Unternehmen, die sich nach der neuen ISO 27001:2022 zertifizieren lassen möchten, können dies voraussichtlich ab Februar dieses Jahres tun. Abhängig von der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH kann sich dieser Termin auch noch ein paar Wochen nach hinten bis in den April hinein verschieben. Der letzte Termin für ein Erst- oder Rezertifizierungsaudits nach der früheren ISO 27001:2013 ist 18 Monate nach Veröffentlichung der neuen ISO 27001:2022 möglich. Da die Neufassung im Oktober 2022 veröffentlicht wurde, ist also noch bis Ende des ersten Quartals 2024 Zeit dafür".

Unternehmen, die aktuell nach der Vorgängerfassung zertifiziert sind, können sich folglich beim nächsten regulär anstehenden Audit nach der ISO 27001:2022 zertifizieren lassen. Das gleiche gilt für Unternehmen, die sich erstmals zertifizieren lassen möchten. "Grundsätzlich ist das Audit noch bis Oktober 2025 auch nach der Vorgängerversion möglich. Ich rate jedoch zur Zertifizierung nach der neuen Fassung. Denn dann muss nach Ablauf der Übergangsfrist keine erneute Auditierung angesetzt werden", so Schrenk.

ISO-Normenwelt ist weiter in Bewegung

Sukzessive werden auch weitere Normen, die sich an der ISO 27001 sowie der ISO 27002 ausrichten, aktualisiert. Dies sind insbesondere die Umsetzungsleitfäden der ISO 27001, wie auch die branchen- und maßnahmenspezifischen Leitfäden der ISO 27002. Bereits zeitgleich mit der neuen ISO 27001 wurde beispielsweise bereits die Norm ISO 27005, die eine Anleitung zum Risikomanagement darstellt, aktualisiert. "Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich die Normen weiterbewegen, wenngleich zunächst etliche Normen erst einmal an die neuen Strukturen angeglichen werden, bevor mit neuen Aktualisierungen zu rechnen ist. Auch bleibt abzuwarten, wie nun andere Standards, die sich an der ISO 27000er-Normenfamilie orientieren, auf die Veränderungen reagieren. Dies sind unter anderem VDA-ISA bzw. das TISAX-Labelprogramm, wie auch der BSI IT Grundschutz und (C)ISIS12", so Patrycja Schrenk. (PSW Group: ra)

eingetragen: 27.01.23
Newsletterlauf: 28.03.23

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Meldungen: Hintergrund

Einsatz von Deep Fakes

Schon im Oktober 2023 hatten die Bitdefender Labs vor dem neuen Trend der Cyberkriminellen gewarnt, hochwertige Streaming-Kanäle zu kapern – mit dem Ziel massenhaften Krypto-Betrugs. Dieser Trend hat nun größere Ausmaße angenommen. Dabei agieren die Täter zielgruppengerecht und greifen vor allem reichweitenstarke Kanäle an, die teilweise über eine Million, in einem Fall sogar 12,5 Millionen Abonnenten haben.

Cyberattacken auf Hotels

Kriminelle nutzen zunehmend den wohlmeinenden Servicegedanken von Hotelmitarbeitenden aus: Sophos X-Ops hat mehrere Fälle einer ungewöhnlichen "Malspam"-Kampagne aufgedeckt, die sich an Hotels auf der ganzen Welt richtet und mit Hilfe einer Social-Engineering-Komponente konkret die Emotionen des Servicepersonals ausnutzt. Die Attacken mit der Schadsoftware RedLine Stealer, die auf das Abschöpfen von Zugangsdaten spezialisiert ist, konnte aktuell in Spanien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie in den USA nachgewiesen werden.

Kriminelle übernehmen SSH-Server mit SSH-Tunneling

Aqua Security hat eine seit langem bestehende aber kaum bekannte Bedrohung für SSH-Server näher beleuchtet. Über SSH-Tunneling können Bedrohungsakteure SSH-Server als Slave-Proxy nutzen und Datenverkehr über ihn weiterleiten. Eine mehrmonatige Forschung von Aquas Research-Team "Nautilus" ergab, dass Cyberkriminelle einen Weg gefunden haben, um SSH-Tunneling zu nutzen, um Proxy-Pools zu erstellen.

Ransomware-Banden im Fegefeuer der Eitelkeiten

Cyberkriminalität ist professionalisiert. Dazu gehören aber nicht nur Arbeitsteilung, Recruiting im Darknet und benutzerfreundliche Malware-Baukästen.

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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