Manuelle vs. automatisierte Zertifikatsverwaltung

Wie sich TLS-Zertifikat-Shrinkflation mit Automatisierung überwinden lässt

Viele administrative Aufgaben, die mit einem TLS-Zertifikat verbunden sind, lassen sich automatisieren



Von Jens Sabitzer, Manager Solution Architect Central Europe bei Venafi

Shrinkflation in der Cyberwelt meint nichts anders, wie auch in der realen Welt, nämlich mehr Geld für eine geringere Leistung zu verlangen. Google kündigte im März an, dass es die Laufzeit von TLS-Zertifikaten von bislang 13 Monaten auf 90-Tage zu reduzieren plant. Aus Sicht der Cybersicherheit muss das aber keine negative Nachricht sein. Einerseits will Google Unternehmen bzw. deren Administratoren dazu bringen Zertifikate nicht mehr länger einmal im Jahr manuell zu verwalten und auf Automatisierung zu setzen. Andererseits soll der bisherige Ansatz Zertifikate zu widerrufen hinterfragt werden. Zertifikatswiderrufslisten (Certificate Revocation Lists, CRLs) werden von den Zertifizierungsstellen geführt und können zu Leistungsproblemen führen. Auch das Online Certificate Status Protocol (OCSP) kann Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes hervorrufen. Kürzere Laufzeiten würden die Notwendigkeit eines Widerrufs verringern und diese Bedenken ausräumen.

Dies sind zwar beides gute Gründe für den Übergang zu kürzeren Zertifikatslaufzeiten wie Google sie nun ins Gespräch bringt, Bedenken über die erhöhten Anforderungen an die Zertifikatsverwaltung sind ebenso berechtigt. Durch DevOps, Cloud, Cloud Native und mehr sorgen bereits jetzt in vielen Unternehmen dafür, dass die Laufzeit der Zertifikate geringer geworden ist.

Viele administrative Aufgaben, die mit einem TLS-Zertifikat verbunden sind, lassen sich automatisieren. Die NIST geht in dem Leitfaden NIST SP 1800-16 näher darauf ein. Die Institution empfiehlt unter anderem, dass ein zentrales System zur automatischen Verwaltung von Zertifikaten genutzt werden sollte. Hier sollten die folgenden Funktionen zur Verfügung stehen:

>> Beobachtbarkeit: Alle TLS-Zertifikate und andere Maschinenidentitäten auffinden, kategorisieren und in einem Inventar zentral verwalten.

>> Konsistenz: Unternehmensweite Sicherheitsrichtlinien mithilfe von Automatisierung und Workflows durchsetzen.

>> Verlässlichkeit: Anfragen zur Verwaltung von Maschinenidentitäten innerhalb von Millisekunden als schnellen, hochverfügbaren Dienst bereitstellen beispielsweise für Audits.

Fazit

Wenn ein zentrales System zur automatischen Verwaltung von Maschinenidentitäten in einem Unternehmen vorhanden ist, dann ergeben sich eine Reihe von Möglichkeiten. Einer der größten Vorteile ist die Vermeidung von Fehlern, z.B. eine Fehlkonfiguration eines Zertifikats. Die Krypto-Flexibilität ist ebenso zu nennen. Meistens handelt es sich dabei um die Folgen einer kritischen Sicherheitslücke, bei der ein Anbieter mitteilt, dass die Zertifikate eines Produkts nach einem bestimmten Patch-Datum nicht mehr sicher sind. Oder es muss ein PKI-Anbieter nach einer Fusion oder Übernahme ersetzt oder zu einem anderen gewechselt werden. Durch Automatisierung kann das TLS-Maschinen-Identitätsmanagement auf Gruppen wie Entwicklungsteams ausgeweitet werden. Sie können dann Cloud-native Anwendungen in Maschinengeschwindigkeit erstellen, was manuell niemals möglich wäre. (Venafi: ra)

eingetragen: 11.11.23
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