Was macht Lieferketten-Angriffe 2023 so brisant?

Cyber-Angriffe auf die Lieferkette: Best Practices gegen Supply Chain-Attacken

Im Zuge der globalen Digitalisierungsfortschritte haben Lieferketten-Angriffe neue Dimensionen angenommen und sorgen für eine völlig neue Ausgangslage in der Cybersicherheit



Von Eugenio Carlon, Managing Director, Radar Cyber Security

Schon immer suchten Angreifer das schwächste Glied in der Kette, um eine Abwehr zu durchbrechen. Das hat sich auch in der heutigen, hochgradig digitalisierten Wirtschaftswelt nicht geändert und schließt auch die Lieferkette der Zulieferindustrie mit ein. Oft haben Lieferanten Zugriff auf interne Systeme ihrer Kunden und ein Hack auf scheinbar bedeutungslose Zulieferer kann für Hackergruppen den Eintritt in das Netzwerk eines Weltkonzerns bedeuten.

Noch häufiger und in ihren Auswirkungen noch dramatischer sind Angriffe über die Software-Lieferkette. Statt das ins Visier genommene Unternehmen also direkt anzugreifen, nehmen Cyberkriminelle deren Software-Distributoren ins Visier. Sie identifizieren Betreiber mit unzureichenden Sicherheitspraktiken, um dort bösartige Codes in eine vertrauenswürdige Software-Komponente einzuschleusen. Beim nächsten Update sind sie am Ziel angelangt: im Netzwerk des Großunternehmens.

Jüngste Vorfälle haben es vor Augen geführt: Im Zuge der globalen Digitalisierungsfortschritte haben Lieferketten-Angriffe neue Dimensionen angenommen und sorgen für eine völlig neue Ausgangslage in der Cybersicherheit. Sie bedeuten für Unternehmen eine unangenehme Erkenntnis: Das schwächste Glied in der Kette befindet sich oft außerhalb ihrer Sicherheitsstruktur und damit abseits ihrer Kontrolle. Durch die Kompromittierung eines einzelnen Lieferanten können Angreifer jede verkaufte Anwendung oder jedes Software-Update in trojanische Pferde verwandeln. Ein großer Service-Anbieter kann somit unwissentlich mit einer einzigen Aktualisierung Tausende Unternehmen infizieren. Durch diese hohe Effizienz haben Supply-Chain-Attacken bei Cyberkriminellen enorm an Popularität gewonnen.

Die Bedrohung durch Lieferketten-Angriffe stellt heute ein erhebliches Risiko für moderne Unternehmen dar und die finanziellen Schäden können enorm sein – vom Produktionsausfall über den Aufwand für die Untersuchung des Sicherheitsvorfalls, Verluste aufgrund von Reputationsschäden bis hin zu behördlichen Geldstrafen.

Eines der verheerendsten Beispiele ist der Lieferketten-Angriff auf das Softwareunternehmen SolarWinds im Jahr 2020, der eine Vielzahl an Organisationen betraf, einschließlich der US-Regierung. Da das angebotene IT Monitoring-System breite Anwendung findet und zudem noch einen privilegierten Zugriff auf IT-Systeme genießt, um Protokoll- und Systemleistungsdaten zu erhalten, machte dies SolarWinds zu einem attraktiven Ziel für Angreifer.

Ein weiterer schwerwiegender Fall war der Lieferketten-Angriff auf den IT-Dienstleister Kaseya im Juli 2021, bei dem schließlich Ransomware über ein manipuliertes Software-Update ausgespielt wurde und weltweit etwa 1.500 Firmen betraf. Zu den bekanntesten Opfern in Europa zählte etwa die Supermarktkette Coop-Schweden, welche 800 ihrer Läden vorübergehend schließen musste, weil ein Zahlungsdienstleister für deren Kassensysteme ausfiel.

Wie verletzlich die Lieferkette heutiger Industrieunternehmen ist, demonstrierte zudem jüngst der Cyberangriff auf die Supply Chain von Toyota im März 2022, bei dem ein Drittel der weltweiten Produktion des Unternehmens lahmgelegt wurde. So musste der japanische Automobilhersteller den Betrieb aller 28 Produktionslinien in seinen 14 inländischen Werken unterbrechen, nachdem ein wichtiger Zulieferer von einem IT-Systemausfall durch einen Cyberangriff betroffen war.

Zero Trust: Über den Tellerrand hinausblicken

Die Angriffe auf die Software-Lieferkette werden zwar immer raffinierter, sie können jedoch eingedämmt werden. Der Verzicht auf Updates kommt nicht in Frage, aber Unternehmen müssen sich bewusst machen, dass selbst die vertrauenswürdigsten Lieferanten nicht vor Einbrüchen und Verstößen gefeit sind. Deshalb müssen Sicherheitsverantwortliche über traditionelle Risikobewertungen von Anbietern hinausgehen.

Selbst gegenüber Standardsoftware großer Hersteller gilt das Prinzip "Null Vertrauen" (Zero Trust). Jede Applikation auf jedem Endgerät muss kontinuierlich überwacht werden, und zwar sowohl auf Endpoint-Ebene als auch auf Netzwerk-Ebene. Nur dann fällt auf, wenn eine Anwendung das gewohnte Verhalten ändert und zum Beispiel Zugriff auf andere Applikationen sucht, Daten über die Netzwerksgrenze verschickt oder Dateien von bislang unbekannten Quellen nachlädt.

Um ein Zero-Trust-Modell durchzusetzen, sollten Unternehmen auf die adäquate Vergabe und Verwaltung von Zugriffsrechten achten. In vielen Unternehmen verfügen Mitarbeiter, Partner und Softwareanwendungen über unnötig hohe Berechtigungen, welche die Durchführung von Angriffen auf die Lieferkette erleichtern. Deshalb sollte hier nach dem Least-Privilege-Prinzip vorgegangen werden, bei dem Mitarbeitern und Softwareprogrammen nur die Berechtigungen zugewiesen werden, die sie wirklich benötigen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Es gibt keinen Freibrief mehr: Jeder Zugriff auf weitere Ressourcen wird geprüft.

Bewährte Maßnahmen zur Zugriffskontrolle sind beispielsweise Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) sowie die Netzwerksegmentierung. Dadurch wird verhindert, dass Software von Drittanbietern ungehinderten Zugang zu jedem Winkel des Netzwerks haben, baut Schutzwälle gegen Angriffe auf und dämmt so den Erfolg von Angriffen ein. Falls ein Angriff auf die Lieferkette einen Teil des Netzwerks beeinträchtigt, bleibt der Rest dennoch geschützt.

Um Compliance und Prozesse ihrer genutzten Software-Anbieter zu bewerten, sollten Unternehmen zudem regelmäßig Sicherheitsfragebögen versenden. Es geht darum sicher zu stellen, dass sie Best Practices einhalten, um jegliche Manipulation des Codes zu verhindern.

Unternehmen haben nur beschränkte Mittel, sich gegen ein manipuliertes Update von legitimer Software zu wehren. Mit einem Zero-Trust-Ansatz und enger Kontrolle durch Security-Analysten in Form von Cyber Defense Center-Dienstleistungen (CDC-as-a-Service) oder CDC-Technologielösungen wie Radar Solutions fällt eine Attacke schnell auf und die Folgen des Angriffs werden lokal begrenzt. Wohl gemerkt: Cybercrime ist nur so lukrativ und erfolgreich, soweit man es zulässt. (Radar Cyber Security: ra)

eingetragen: 23.03.23
Newsletterlauf: 16.06.23

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

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Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

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DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

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Fluch und Segen des Darkwebs

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