Genauere Überwachung bösartiger Apps


CeBIT 2016: Datenspione auf Android-Geräten wie Bankräuber entlarven
Mehr als 88 Prozent der für den Einsatz in Unternehmen geschriebenen Android-Apps spionieren in irgendeiner Form Daten aus

(14.04.16) - Wird eine Bank ausgeraubt, so befindet sich unter der Beute oft ein präpariertes Geldbündel. Dieses explodiert während der Flucht und setzt Farbe frei, um das Geld als gestohlen zu markieren. Ein ähnliches Prinzip verwenden Forscher auch, um spionierende Apps auf mobilen Endgeräten zu enttarnen. Informatiker des Centers for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA) an der Universität des Saarlandes haben nun eine App entwickelt, die dies auch für die aktuelle Version des Betriebssystems Android ermöglicht. Dadurch wird eine genauere Überwachung bösartiger Apps möglich. Die App zeigten sie erstmals auf der CeBIT in Hannover.

Android ist das weltweit am meisten genutzte Betriebssystem für Smartphones - trotz der Tatsache, dass die Anwender während der Installation einer neuen App regelrecht erpresst werden. Entweder akzeptieren sie, dass die App Zugriff auf bestimmte Daten wie die eigenen Kontakte oder den Zugang zum Internet erhält oder sie können die App nicht verwenden. Inzwischen kann man zwar mit der neuesten Version von Android einige Zugriffswünsche ablehnen, jedoch bietet dies eine trügerische Sicherheit.

"Wenn eine App sagt, welche Daten sie gerne haben würde, dann weiß ich immer noch nicht, was sie damit tut", sagt Oliver Schranz, der an der Saarbrücker Graduiertenschule für Informatik an der Universität des Saarlandes promoviert. Seine Einschätzung bestätigt eine aktuelle Untersuchung der US-amerikanischen Sicherheitsfirma "Appthority". Demnach spionieren mehr als 88 Prozent der für den Einsatz in Unternehmen geschriebenen Android-Apps in irgendeiner Form Daten aus. Am Center for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA) hat Schranz daher zusammen mit Philipp von Styp-Rekowsky und Sebastian Weisgerber eine App entwickelt, mit deren Hilfe Anwender und Unternehmen verfolgen können, was in verdächtigen Apps passiert.

Die auf den Namen "TaintArtist" getaufte App basiert auf der Methode des "Taint Tracking", das einer Farbpulver-Explosion zwischen Geldscheinbündeln nach einem Bankraub ähnelt. Greift eine App auf für die Privatsphäre wichtige Informationen zu, werden diese markiert. Selbst wenn die Informationen dabei verändert werden, wie es bei Berechnungen der Fall ist, bleibt die Markierung an den neuen Ergebnissen haften. "So können wir auf eine präzise Weise nachverfolgen, wie die Informationsflüsse in einer verdächtigen App verlaufen", erklärt Schranz. Sobald die Daten an Funktionen übergeben werden, die diese vom Smartphone verschicken oder nach einem vorab definierten Regelwerk als verdächtig gelten, werden die Markierungen überprüft. Im Falle eines Missbrauchs schlägt die CISPA-App Alarm. Der Anwender muss dazu lediglich die App installieren und danach auswählen, welche Apps überwacht werden sollen beziehungsweise was genau bei diesen verboten sein soll oder nicht.

Bisher war für solch eine Informationsflussanalyse eine Systemmodifikation notwendig, die jeden Laien überfordert hätte. Um dies nun jedem Anwender nach wenigen Schritten zu ermöglichen, nutzen die Saarbrücker Informatiker ein Novum der beiden jüngsten Versionen des Android-Betriebssystems aus. Ab diesen führt Android nicht mehr die Zwischendarstellung des jeweiligen App-Codes direkt aus, sondern übersetzt diesen auf dem Smartphone in ausführbaren Maschinencode. Das ermöglicht Schranz und seinen Kollegen, den für die Markierung notwendigen Code während der Übersetzung hinzuzufügen. Der Code der jeweiligen App müsse nicht geändert werden, allerdings arbeite die überwachte App auch etwas langsamer, so die Forscher.

"In Anbetracht der Tatsache, dass die Smartphones inzwischen alles innerhalb von Millisekunden abwickeln, wird der Anwender diese zusätzliche Rechenzeit kaum merken", erklärt Schranz. Deswegen ist er überzeugt, dass sich die App auch sehr gut für Unternehmen eigne. "Wenn Angestellte dort ihre eigenen Geräte verwenden, kann das Unternehmen mit unserer App sicherstellen, dass bestimmte Daten das Gerät nicht verlassen", so Schranz. Ob die App in Zukunft in ein kommerzielles Produkt überführt wird oder kostenlos erhältlich ist, lässt er offen.

Hintergrund: IT-Sicherheit an der Universität des Saarlandes IT-Sicherheit ist ein Schwerpunkt der Informatik-Institute auf dem Campus der Universität des Saarlandes. Dies belegen die jüngst gewonnenen "Consolidator Grants" des Europäischen Forschungsrates (ERC) durch die Forscher Derek Dreyer (Max-Planck-Institut für Softwaresysteme) und Professor Bernd Finkbeiner (Fachrichtung Informatik) ebenso wie der durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft für vier Jahre bewilligte und 8,4 Millionen schwere Sonderforschungsbereich "Methods and Tools for Understanding and Controlling Privacy".

Bereits 2011 richtete das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 17 Millionen Euro drei Kompetenzzentren für IT-Sicherheit ein. Eines davon ist das Center for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA) an der Universität des Saarlandes. Inzwischen ist es zu einem Forschungsstandort mit internationaler Sichtbarkeit geworden. 33 Gruppen mit 210 Forschern arbeiten dort. Größter Erfolg bis dato: Zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Informatik und dem Max-Planck-Institut für Softwaresysteme gewann CISPA den "ERC Synergy Grant". Sie erhielten damit rund zehn Millionen Euro, um zu erforschen, wie man im Internet Anwender gegen Ausspähung und Betrug schützen und Täter entlarven kann, ohne dabei den Handel, die freie Meinungsäußerung sowie den Zugang zu Informationen im Internet einzuschränken.
(Universität des Saarlandes: ra)

Uni Saarland: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Unternehmen

Cybersicherheit für Kraftfahrzeuge

Die Bedeutung der Cybersicherheit in vernetzten Fahrzeugen nimmt zu, da jede Verletzung oder Manipulation von Fahrzeugsystemen die Fahrzeugfunktionalität ernsthaft beeinträchtigen kann. Gemäß UN-R155, einer vom World Forum for Harmonization of Vehicle Regulations (WP.29) aufgestellten internationalen Vorschrift zur Cybersicherheit für Kraftfahrzeuge, sind die Automobilhersteller verpflichtet, eine Sicherheitsüberwachung für vernetzte Fahrzeuge durchzuführen, um Cyberangriffe zu erkennen und darauf zu reagieren. Die Frage ist jedoch, in welcher Form sie dies tun bzw. tun können. VicOne bietet als Wegbereiterin für Cybersicherheit im Automobil in Zusammenarbeit mit ihrer Konzernmutter TrendMicro sowie den Lösungspartnernin Hitachi Astemo und Panasonic wirksame Virtualisierungs-Sicherheitslösungen zur Abwehr von Cyberangriffen auf Cockpitsysteme der nächsten Generation.

Statistiken aus Kaspersky-Schulungen

Malware Reverse Engineering war im Jahr 2022 die am meisten nachgefragte Fähigkeit unter Sicherheitsspezialisten. Etwa die Hälfte (45 Prozent) der Experten, die an Kaspersky-Trainings teilnahmen, wollten ihre Kenntnisse in diesem Bereich verbessern und erweitern.

Schutz vom Netzwerk bis zum Endpunkt

Trend Micro kündigte mit CTOne eine neue Tochtergesellschaft an, die sich auf die Weiterentwicklung der 5G-Netzwerksicherheit konzentriert. Das Expertenwissen und die Führungsqualitäten von CTOne entspringen der Innovationskultur von Trend Micro und stellen das jüngste Leuchtturm-Projekt, das als eigenständiges Unternehmen startet, dar.

Mechanismus für Internet-Sicherheit gebrochen

Das Team der ATHENE-Wissenschaftlerin Prof. Dr. Haya Shulman hat einen Weg gefunden, wie einer der grundlegenden Mechanismen zur Absicherung des Internet-Verkehrs ausgehebelt werden kann. Der Mechanismus, genannt RPKI, soll eigentlich verhindern, dass Cyberkriminelle oder staatliche Angreifer den Verkehr im Internet umlenken. Solche Umlenkungen kommen im Internet erstaunlich häufig vor, z.B. zur Spionage oder durch Fehlkonfigurationen.

Meilenstein in der Entwicklung von Arctic Wolf

Arctic Wolf, Unternehmen im Bereich Security Operations, gibt den Abschluss ihrer Wandelanleihe im Gesamtwert von 401 Millionen Dollar bekannt. Geleitet wurden die Verhandlungen von Owl Rock, einer Abteilung von Blue Owl Capital, mit Beteiligung neuer und bestehender Investoren einschließlich Viking Global Investors, dem Ontario Teachers' Pension Plan und Neuberger Berman, LLC.

Besuchen Sie SaaS-Magazin.de

SaaS, On demand, ASP, Cloud Computing, Outsourcing >>>


Kostenloser Newsletter

Werktäglich informiert mit IT SecCity.de, Compliance-Magazin.de und SaaS-Magazin.de. Mit einem Newsletter Zugriff auf drei Online-Magazine. Bestellen Sie hier

Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

Diese Webseite verwendet Cookies - Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Mit dem Klick auf „Erlauben“erklären Sie sich damit einverstanden. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.