Finanzstarke Nationen stärker im Fokus von Cyberkriminelle

Im ersten Halbjahr 2023: auf 16 Prozent der ICS-Rechner in Deutschland wurde Malware erkannt

Auf 2,6 Prozent der Computer wurden Spyware, Backdoors und Keylogger blockiert



In der ersten Jahreshälfte 2023 wurden auf rund 16 Prozent der ICS-Computer (Rechner für industrielle Kontrollsysteme) in Deutschland schädliche Objekte entdeckt und blockiert, wie aktuelle Analysen des Kaspersky ICS CERT zeigen. Weltweit war jeder dritte ICS-Rechner (34 Prozent) betroffen. Im zweiten Quartal dieses Jahres registrierten die Kaspersky-Experten mit 27 Prozent betroffener ICS-Computer zudem das höchste vierteljährliche Bedrohungsniveau seit dem Jahr 2019. Insbesondere finanzstarke Regionen waren mit einem Anstieg von Cyberbedrohungen gegen industriell genutzte Computersysteme konfrontiert.

Im ersten Halbjahr 2023 war auf einem Sechstel (circa 16 Prozent) der industriellen Kontrollsysteme in Deutschland von Malware betroffen. Zu den häufigsten Bedrohungen gehörten schädliche Skripte und Phishing-Webseiten (7,0 Prozent), gesperrte Internet-Ressourcen (6,4 Prozent) sowie Spyware, Backdoors und Keylogger (2,6 Prozent). Weltweit blockierten die Sicherheitslösungen von Kaspersky zwischen Januar und Juni dieses Jahres 11.727 verschiedene Malware-Familien auf industriellen Systemen. Hier kam es erneut bei gesperrten Internet-Ressourcen zu einer Zunahme (11 Prozent) der verhinderten Angriffsversuche.

Dabei nahm die Anzahl der Angriffe auf ICS-Systeme in Australien, Neuseeland, USA, Kanada, Westeuropa und Nordeuropa zu Dieser Anstieg ist in erster Linie auf die Blockierung der gesperrten Internet-Ressourcen und schädlicher Skripte zurückzuführen, die meist online und über E-Mails verbreitet werden. Zudem stieg die Spyware-Erkennung in diesen Ländern und Regionen deutlich an.

Im weltweiten Vergleich variieren die Bedrohungszahlen im ersten Halbjahr 2023 erheblich. So hatte Afrika mit 40 Prozent die höchste Inzidenz zu verzeichnen, während Nordeuropa mit 15 Prozent den niedrigsten Wert aufwies.

Gebäudeautomation weiterhin die gefährdetste Branche

Die Gebäudeautomation blieb weltweit mit rund 39 Prozent der im Untersuchungszeitraum angegriffenen Industriecomputer die am häufigsten attackierte Branche. Bei Energie- sowie Öl- und Gasindustrien wiederum zeichnen sich seit dem Jahr 2021 gegensätzliche Trends ab: Während in der Energieindustrie mit 36 Prozent mehr Bedrohungen konfrontiert war, verzeichnete der Öl- und Gassektor einen Rückgang von 31 Prozent. Darüber hinaus zeigt der aktuelle Kaspersky ICS CERT Report für das erste Halbjahr 2023 insgesamt einen Anstieg schädlicher Objekte in den Bereichen Maschinenbau, ICS-Integration, Fertigung und dem Energiesektor.

Cyberkriminelle hatten dabei vor allem den Energiesektor in Nordeuropa im Visier (zu 25 Prozent), in Südeuropa vermehrt die Fertigungsbranche (zu 23 Prozent) und in westeuropäischen Ländern größtenteils ICS-Computer der Öl- und Gasindustrie (zu 24 Prozent).

"Für Industrieunternehmen geht es bei der Cybersicherheit jetzt darum, Investitionen zu schützen und die Widerstandsfähigkeit wichtiger Anlagen zu gewährleisten", betont Evgeny Goncharov, Leiter des Kaspersky ICS CERT. "Unsere Analyse der Angriffe auf die Industrie gibt wichtige Einblicke in die Entwicklung der Bedrohungslandschaft in verschiedenen Branchen. Wenn Unternehmen die Risiken kennen, können sie fundierte Entscheidungen treffen, ihre Ressourcen sinnvoll einsetzen und ihre Abwehrmaßnahmen effizient verstärken. Auf diese Weise schützen sie nicht nur ihr Geschäftsergebnis, sondern tragen auch zu einem sichereren digitalen Ökosystem für alle bei." (Kaspersky Lab: ra)

eingetragen: 26.09.23
Newsletterlauf: 17.10.23

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Meldungen: Statistiken

Desktop- und mobile Gamer im Visier

Ob am Desktop oder auf mobilen Geräten – Gamer werden laut einer aktuellen Analyse von Kaspersky von Cyberkriminellen ins Visier genommen. Hierfür nutzen die Angreifer als Games, Mods oder Cheats getarnte Dateien, die entweder selbst schädlich sind oder nach der Installation auf dem Rechner oder Smartphone der Opfer unerwünschte Programme oder Malware nachladen können. Insgesamt wurden so von Juli 2022 bis Juli 2023 weltweit fast 200.000 Gamer angegriffen.

Krypto-Vermögenswerte sind wie Bargeld

Trend Micro hat einen neuen Bericht veröffentlicht, der den florierenden Schwarzmarkt für gestohlene Daten näher untersucht. Bei Kriminellen besonders beliebt sind Kryptowährungen sowie Daten aus Webbrowsern wie Kreditkartennummern und Zugangsdaten.

Double-Extortion Attacks: Verschlüsselung plus Datenklau

Der Internet Security Report für das zweite Quartal des Jahres 2023 von WatchGuard Technologies zeigt die wichtigsten Malware-Trends und Bedrohungen für die Netzwerk- und Endpunktsicherheit. Die Analyse der Forscher des WatchGuard Threat Labs ergab unter anderem, dass 95 Prozent der Malware über verschlüsselte Verbindungen übertragen werden. Weitere Erkenntnis: Es gibt zwar in Summe weniger Endpunkt-Malware, gleichzeitig sind entsprechende Kampagnen jedoch breiter angelegt. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich im Hinblick auf Ransomware.

Höhe von Lösegeldforderungen sprunghaft angestiegen

Cyber-Kriminelle setzen hauptsächlich auf Ransomware bzw. Ransomware-as-a-Service (RaaS) als bevorzugtes Angriffsmittel. Zum sechsten Mal in Folge haben die Threat-Intelligence-Experten von OpenText Cybersecurity die vorherrschende Bedrohungslandschaft genauer unter die Lupe genommen und die aktuellen Malware-Trends identifiziert.

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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