- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Fachbeiträge » Grundlagen

Netzneutralität versus Sicherheit?


Die neue Rolle der Internet Service Provider
Wie Gesetze zur Netzneutralität die Cybersicherheit beeinflussen

- Anzeigen -





Von Dave Larson, COO von Corero Network Security

Die Netzneutralität ist eines der grundlegenden Prinzipien des Internets. Das Konzept, dass Service Provider den Datenstrom von einem Ort zum anderen weiterleiten ohne den Inhalt zu bewerten ist weitestgehend akzeptiert. Schon allein um die viel beschworene Meinungsfreiheit im Internet zu gewährleisten. Was aber passiert, wenn die fraglichen Inhalte gefährlich sind, wie beispielsweise unerwünschter und böswillig veränderter Traffic als Teil einer DDoS-Attacke? Gerade in jüngster Zeit ist nicht nur die Zahl der Angriffe erneut gestiegen, die Angriffe sind zudem wesentlich intelligenter geworden. Das beeinflusst nicht zuletzt die Rolle von Internet Service Providern. Sie werden von Firmen und Privatpersonen verstärkt in die Pflicht genommen, wenn es darum geht, nur einen bereits bereinigten Datenstrom weiterzuleiten beziehungsweise Kunden besser vor DDoS-Angriffen zu schützen. Wollen Provider nicht riskieren ihre Kundenbasis zu erodieren, müssen sie auf das veränderte Anforderungsprofil reagieren. Was aber sollten sie genau tun?

Gerade in der Technologiebranche wird das Gebot der Netzneutralität inzwischen zunehmend kontrovers angegangen. Umso mehr, wenn man die Netzneutralität im Licht der jüngsten EU-Datenschutzgesetzgebung betrachtet. Die betrifft nicht zuletzt die Telekommunikationsbranche. Ein Grund mehr, warum das Thema nun verstärkt öffentlich diskutiert wird.

Auf der einen Seite gibt es die Sichtweise wie die des HTML-Erfinders und World Wide Web-Begründers, Tim Berners-Lee. Die Befürworter argumentieren, dass nur das Prinzip der Netzneutralität ein freies und offenes Internet sowie die Wettbewerbsgleichheit für alle, die dort unterwegs sind, gewährleistet. Etliche Carrier und ISPs stehen dieser Sichtweise allerdings weit weniger zustimmend gegenüber. Sie hätten gerne mehr Kontrolle über ihre Netzwerke. Und sie suchen zudem nach neuen Wegen sichere Datenleitungen anzubieten und diesen Service zu monetarisieren. Inhalte sollen schneller und gleichzeitig sicherer beim Kunden ankommen. Unerwünschte und gefährliche Inhalte aus dem Datenstrom herauszufiltern, beispielsweise Malware oder Traffic aus Bot-Netzen, ist ein klarer Wettbewerbsvorteil, der nicht zu Lasten anderer geht. Der Kunde kann wählen: So wie er sich für eine schnellere Internetverbindung entscheidet, kann er diesen zusätzlichen Dienst seines Providers in Anspruch nehmen. Eine Option, die nicht im Widerspruch zum Konzept des offenen und freien Internets steht.

Die neue Rolle der Internet Service Provider
Eine jüngst von Corero durchgeführte Befragung hat ergeben, dass die Mehrzahl der IT-Sicherheitsprofis, nämlich 53 Prozent, finden, dass ISPs sich hinter dem Gebot der Netzneutralität verstecken. Die Befragten gehen davon aus, dass Provider das Gesetz nutzen, um ihrer Verantwortung auszuweichen, wenn es darum geht, Kunden vor Cyberangriffen zu schützen. Wie beispielsweise vor DDoS-Attacken. Service Provider sitzen an einer Schlüsselposition, wenn es um diesen Typus von Angriffen geht, ganz einfach wegen der großen Bandbreite, die über sie läuft, und der vielenangeschlossenen Endkunden. ISPs sind deswegen prädestiniert unerwünschten, schädlichen Traffic bereits an vorgeschalteten Peering-Points herauszufiltern. Also bevor der komplette Datenstrom auf das Netzwerk des Kunden trifft.

Dieselbe Umfrage hat ergeben, dass eine deutliche Mehrheit (59 Prozent) sich Gedanken darüber macht, ob ihr Provider sie ausreichend vor DDoS-Angriffen schützt und beinahe ein Viertel der Befragten würde sogar soweit gehen, seinen Provider für die aus einer DDoS-Attacke herrührenden Schäden haftbar zu machen. Das hat potenziell ernste Konsequenzen für Telekommunikationsanbieter, denn mehr als ein Fünftel (21 Prozent) der Befragten würde den Anbieter wechseln, sollte er nicht in der Lage sein Kunden vor DDoS-Angriffen zu schützen.

Die Erwartungshaltung der Kunden hat sich in dieser Hinsicht deutlich verändert. Was beim Endnutzer ankommt, sollte demnach keine Mélange aus erwünschten und unerwünschten Daten mehr sein, sondern ein bereits aktiv vom Provider bereinigter Datenstrom. Trotzdem bieten längst nicht alle ISPs ihren Kunden diesen Service an. Das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist, dass sich eine nicht unbeträchtliche Zahl von Telekommunikationsunternehmen immer noch auf veraltete Technologien verlässt.

Dazu gehört typischerweise die Methode, potenziellen DDoS-Traffic über Scrubbing Center umzuleiten. Die Methode ist kostenintensiv und berüchtigt für ihre Langsamkeit. Im Schnitt dauert es über eine Stunde von der Entdeckung eines DDoS-Angriffs bis zum Ergreifen von Gegenmaßnahmen. Neben anderen Nachteilen, sorgt das Aussperren von IP-Adressen wie beim Blackholing dafür, dass während einer laufenden DDoS-Attacke die betreffende Website nicht erreichbar ist. Ein Stück weit macht man damit den Job der Hacker selbst. Will man über diesen Weg die Pipeline vollständig bereinigen, ist das in verteilten Netzwerkarchitekturen genauso teuer wie ineffizient.

Automatisierte DDoS-Abwehr
Eine mittlerweile verfügbare Alternative sind In-Line-Lösungen, die in Echtzeit vor DDoS-Angriffen schützen. Provider können die Technologie an geeigneten Peering oder Transit Points installieren und skalieren. Solche Systeme haben den großen Vorteil, dass sie automatisiert arbeiten und so auf einen DDoS-Angriff in dem Moment reagieren, in dem er stattfindet. Um den beim Kunden ankommenden Traffic optimal zu bereinigen, ist es möglich, für jeden Kunden individuelle Richtlinien und Grenzwerte zu definieren. Weitere Vorteile liegen darin, Prozesse straffen zu können, über mehr Kontrolle zu verfügen und verlässlich ablaufende Dienstleistungen anbieten zu können. Hält man sich die potenziellen Folgen eines erfolgreichen DDoS-Angriffs für das eigene Image und den Ruf des Kunden vor Augen, sollten ISPs bei der Wahl ihrer Methoden umdenken. Im Umkehrschluss wird ein Provider, der aktiv den Ruf seiner Kunden schützt, attraktiv für neue Interessenten.

Statt sich also wie bisher hinter dem Gebot der Netzneutralität zu verschanzen, haben Telkos jetzt die Chance ihre Dienste zu modernisieren, die bestehende Kundenbasis zu stabilisieren und innerhalb desselben Prozesses neue Umsatzmöglichkeiten zu generieren. (Corero Network Security: ra)

eingetragen: 23.10.16
Home & Newsletterlauf: 11.11.16


Corero Network Security: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -


Meldungen: Grundlagen

  • Volumetrische DDoS-Angriffe abwehren

    Experten sind sich einig. IoT-Geräte - gerade für Endverbraucher - bekommen mangelnde Sicherheit quasi automatisch mitgeliefert. Und wir in den letzten Wochen die Quittung. Für Sicherheitsspezialisten keine große Überraschung, sie warnen schon lange. Die jüngsten Angriffe aber haben gezeigt, in welche Dimensionen uns IoT-basierte Botnetze bei DDoS-Angriffen katapultieren und welche Schäden sie in der Lage sind anzurichten. Die Attacke auf den DNS-Provider Dyn im Oktober dieses Jahres war ein solcher Weckruf. Das prognostizierte Szenario ist keine bloß theoretische Annahme mehr, sondern real. Und es gibt Handlungsbedarf. Unternehmen und Verbraucher fragen sich angesichts einer steigenden Zahl von im Internet der Dinge verbundenen Geräten wie sie sich besser schützen können. Es ist kein großes Geheimnis, dass IoT-fähige Geräte aus sicherheitstechnischer Hinsicht wenig überzeugend sind. Die überwiegende Zahl von ihnen integriert kaum Sicherheitsmechanismen, und ist mit äußerst simplen Standard-Passwörtern ausgestattet. Das macht die Geräte für potenzielle Angreifer zu einer leichten Beute. Die Folge: Hacker machen sie beispielsweise zum Teil eines Botnetzes von dem DDoS-Angriffe mit enormer Bandbreite ausgehen können.

  • S/MIME und wie es funktioniert

    S/MIME, oder Secure/Multipurpose Internet Mail Extensions, ist eine relativ bekannte Technologie um E-Mails zu verschlüsseln. S/MIME basiert auf asymmetrischer Verschlüsselung, um E-Mails vor unerwünschtem Zugriff zu schützen. Zusätzlich dient S/MIME dazu E-Mails digital zu signieren, um den legitimen Absender einer Nachricht als solchen zu verifizieren. Das macht S/MIME zu einer effektiven Waffe gegen verschiedene Arten von Phishing-Angriffen. Das ist, kurz gefasst, worum bei S/MIME geht. Wenn es allerdings darum geht, S/MIME praktisch einzusetzen, taucht meist noch eine Reihe von Fragen beim Anwender auf.

  • Zugriffskontrolle & Berechtigungsmanagement

    Gesetze, Vorschriften und Konzepte sind immer nur so tragfähig sind wie die Menschen, die sie umsetzen sollen, tatsächlich dahinter stehen - und mehr noch: wie sehr die Beteiligten in die Entscheidungen mit einbezogen werden. Dr. Cavoukian, nach ihrer politischen Karriere inzwischen Executive Director of Ryerson University's Privacy and Big Data Institute hat maßgeblich das Privacy by Design-Konzept mit entwickelt. Darüber hinaus, und das ist es, was uns an dieser Stelle interessieren soll, haben ihre Sprachregelungen Eingang in die 2018 in Kraft tretenden EU-Datenschutz-Grundverordnung gefunden. Ihr Credo hat sich nach eigenen Aussagen in der Praxis bestens bewährt: "Sie würden vermutlich überrascht sein, wie sehr Kunden sich unter diesen Bedingungen im gesamten Prozess engagieren. Warum? Weil Sie zunächst eine Vertrauensbasis geschaffen haben. Und: Ihre Kunden fühlen sich mit ihrem Bedürfnis nach Privatsphäre und Datenschutz ernst genommen."

  • Schutz der Privatsphäre als Standard

    Dr. Ann Cavoukian, eine kanadische Datenschützerin, hat maßgeblich das Privacy by Design-Konzept mit entwickelt. Darüber hinaus, und das ist es, was uns an dieser Stelle interessieren soll, haben ihre Sprachregelungen Eingang in die 2018 in Kraft tretenden EU-Datenschutz-Grundverordnung gefunden. Privacy by Design ist übrigens ganz und gar keine neue Idee und wurde bereits 1990 entwickelt. Es erlangt allerdings vor allem in Bezug auf das Internet der Dinge wieder verstärkt Bedeutung. Gerade in der Wirtschaft war und ist allerdings vielfach zu hören, dass sich Privacy by Design-Grundsätze nur eingeschränkt mit technologischem Fortschritt und wirtschaftlicher Prosperität verbinden lassen. Das sieht Cavoukian, die auch Regierungsbehörden und Unternehmen berät, anders. Ihrer Meinung nach lässt sich ein Big Data-Anspruch sehr wohl mit dem Schutz der Privatsphäre verbinden. Die Botschaft von Cavoukian mutet simpel an, die ehemalige Politikerin und Wissenschaftlerin ist aber überzeugt, dass es möglich ist Daten zu erheben und gleichzeitig die Privatsphäre zu schützen.

  • DDoS-Angriffe, die unterschätzte Gefahr

    Distributed-Denial-of-Service (DDoS)-Attacken haben es in den letzten Monaten und Wochen zu einiger Popularität gebracht. Eine ganze Reihe von spektakuläre Angriffen hat die Headlines beherrscht (und das nicht nur wie sonst in den Fachmedien). Dazu gehörten beispielsweise die Angriffe auf fünf große russische Banken sowie das UK "FBI" wie The Register vermeldete. Und am Montag dieser Woche staatliche Server in Luxemburg. Im Licht dieser Attacken betrachtet wird schnell deutlich wieso es für Firmen und Institutionen so wichtig ist, sich vor den potenziellen und zum Teil nicht sofort ersichtlichen Folgen eines solchen Angriffs zu schützen. DDoS-Angriffe sind längst nicht mehr allein dazu da einen bestimmten Dienst, eine bestimmte Website, ein Unternehmen durch eine Flut von Serveranfragen lahm zu legen. Sie haben sich inzwischen deutlich weiter entwickelt und dienen immer häufiger dazu groß angelegte Cyberangriffe zu verschleiern. Dazu gehören alle Arten von Datenschutzverletzungen, die nicht zuletzt finanzielle Schäden anrichten.