- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Fachbeiträge » Grundlagen

Detailliertes Profil der Angreifer entscheidend


Angriffspläne von Hackern kreuzen - Die CyberKill Chain
Noch immer investiert die Mehrheit der Unternehmen in Threat Intelligence-Lösungen, die lediglich aktuelle, sogenannte "in-the-wild" Aktivitäten und Malware-Bedrohungen beobachten

- Anzeigen -





Autor Alastair Paterson
Autor Alastair Paterson Der Vorteil des Kill-Chain-Prinzips liegt dabei in der ganzheitlichen Betrachtung von Bedrohungen und Sicherheitsrisiken, Bild: Digital Shadows

Autor: Alastair Paterson, CEO und Mitgründer Digital Shadows

"Kill Chain" – dieser Begriff stammt eigentlich aus dem Militärjargon und bezeichnet ein Modell, das alle Phasen eines Angriffs beschreibt. Im Umkehrschluss zeigt es Wege auf, mit denen sich diese Angriffe vermeiden oder zumindest abschwächen lassen – eine Taktik, die auch hinsichtlich digitaler Bedrohungen und Hackangriffe interessant ist. Die Kill Chain digitaler Bedrohungen lässt sich in sieben verschiedene Phasen unterteilen:

• >> Auskundschaften: das Sammeln von Informationen des Angriffsziels wie Email, Unternehmensstruktur
• >> Bewaffnen: Auswahl der passenden Angriffsrouten und Tools
• >> Zustellen: Verbreiten schädlicher Inhalte
• >> Zugreifen: Exploit von Schwachstellen
• >> Installieren: Aktivieren der Malware
• >> Rückkopplung: Austausch zwischen Malware und Command-and-Control-Server, um Zugang ins Zielsystem zu erhalten)
• >> Zielerreichen: Umsetzen des ursprünglichen Plans

Aus jeder dieser Phasen können Sicherheitsexperten wichtige Informationen ziehen und damit die Schutzmaßnahmen erhöhen. Der Vorteil des Kill-Chain-Prinzips liegt dabei in der ganzheitlichen Betrachtung von Bedrohungen und Sicherheitsrisiken. Konzentrierten sich Abwehrmaßnahmen früher nur auf Netzwerk und Perimeter, verlangen die raffinierten und immer häufiger durchgeführten Cyberattacken heute einen umfassenderen Ansatz.

Entscheidend ist ein detailliertes Profil der Angreifer. Noch immer investiert die Mehrheit der Unternehmen in Threat Intelligence-Lösungen, die lediglich aktuelle, sogenannte "in-the-wild" Aktivitäten und Malware-Bedrohungen beobachten. Sinnvoller ist jedoch, ein grundlegendes Verständnis für den digitalen Fußabdruck seines Unternehmens zu entwickeln und einen Überblick der Taktiken, Techniken und Prozeduren (TTPs) des Gegners zu verschaffen. So können Sicherheitslücken frühzeitig geschlossen, Angriffe abgewehrt und Schaden auf ein Minimum reduziert werden.

Auskundschaften
Dieser genaue Blick auf Angreifer beginnt mit der ersten Phase der Kill Chain – dem Auskundschaften. Der Gegner inspiziert sein Ziel und untersucht es auf Schwachstellen, potentielle Vektoren oder andere, angriffsrelevante Informationen. Zum Schutz vor solch einem Ausspähen, setzen Unternehmen gewöhnlich auf verschiedene Maßnahmen, zum Beispiel Firewall- und Proxy-Logs, Honeypots oder Netzwerk-basierte Intrusion Detection Systeme (NIDS).

Leider adressieren diese Maßnahmen nur Bedrohungen, welche direkt auf das Umkreisnetzwerk abzielen und lassen andere Risiken außen vor. Geleakte Daten können so auf unterschiedlichen Wegen an die Öffentlichkeit gelangen.

Dazu gehören:
• >> Gestohlene Zugangsdaten, die auf Seiten wie Pastebin angeboten werden
• >> Vertrauliche Dokumente, die über fehlerhaft konfigurierte Speichermedien oder öffentliche Ordner von Anbietern wie Dropbox innerhalb des Netzwerk zugänglich sind
• >> Proprietären Source Code und Admin-Passwörter, die ihren Weg auf unbekannterweise auf Code Sharing-Sites wie GitHub finden
• >> Social Media-Plattformen, die für Angreifer auf der Such nach Informationen für Spear Phishing-Kampagnen als wahre Goldgrube darstellen

Seine eigene Angreifbarkeit zu kennen ist ein erster Schritt. Darüber hinaus sollten Unternehmen auch die allgemeine Bedrohungslage im Auge behalten und einen Überblick der Akteure besitzen, die eventuelle Angriffspläne gegen ein Unternehmen schmieden. Hacktivisten tun das zumeist öffentlich. Kriminelle und staatlich gesteuerte Angreifer arbeiten deutlich anonymer.

Bewaffnen
In der nächsten Phase der Kill Chain geht es darum, die unterschiedlichen "Angriffs-Waffen" festzulegen. Diese können je nach Art der Bedrohung, unterschiedlich ausfallen und reichen von einem leicht zugänglichen und einfachen Exploit bis zur Entwicklung und dem Einsatz einer Zero-Day-Sicherheitslücke. Honeypots, Sandboxes und NIDS dienen hier häufig zur Verteidigung. Sie befassen sich mit den Bedrohungen jedoch erst bei einem direkten Angriff auf das Unternehmen – oft ist das zu spät und hilft nur wenig. Ein unternehmensspezifisches Risikoprofil kann die TTPs potentieller Angreifer gezielter identifizieren. Dabei ist es egal, ob sie bereits zum Einsatz kommen, im Netz darüber debattiert wird oder sie bereits zum Verkauf angeboten sind. Wer hier einen guten Überblick behält, ist besser auf potentielle Angriffe vorbereitet und kann frühzeitig Maßnahmen einleiten, um Schaden zu begrenzen und kurzfristig zu reagieren.

Von der Zustellung bis zum Ziel
Nach dieser Vorbereitung erfolgt in der Kill Chain der eigentliche Angriff des Ziels, der in den Phasen Zustellen, Zugreifen, Installieren und Rückkopplung gegliedert ist. Doch auch wenn der Angriff bereits erfolgt und das Netzwerk infiltriert ist, lassen sich zahlreiche nützliche Sicherheitskontrolle und Maßnahmen durchführen. Um ihre Wirksamkeit sicherzustellen, sollten sie jedoch immer auf Basis zusätzlicher Informationen, die von außerhalb des Unternehmens stammen, eingesetzt werden.

Geht es zum Beispiel um eine Lösung für Data Loss Prevention (DLP) – egal ob über Firewall oder Proxy – ist diese objektive Bewertung von außen ein Muss. Nur so lässt sich feststellen, ob die Daten, die mit den entsprechenden Tools geschützt werden sollen, nicht bereits kompromittiert wurden. Mit diesem Verfahren lassen sich Anhaltspunkte finden, ob vertrauliche Daten inkriminellen Foren bereits zum Verkauf angeboten sind oder über Paste Sites zugänglich sind. Gleichzeitig schafft eine solche Untersuchung oft Klarheit in Bezug auf die Glaubwürdigkeit derjenigen, die Haftungsansprüche geltend machen wollen.

Das Ende der Kette
Aus der Sicht des Angreifers ist der Angriff mit der letzten Phase - dem Erreichen des Ziels und der Umsetzung des ursprünglichen Plans – beendet. Unternehmen stehen jedoch wieder am Anfang. Die Kill Chain sollte als eine Kreislauf verstanden werden, wobei die letzte Phase bereits den Beginneiner neuen Kill Chain markiert. Im Klartext heißt das: Unternehmen können aus bisherigen Angriffen (und ihren Fehlern) lernen und sich in Sachen Sicherheit neu aufstellen. Ziel sollte es dabei sein, die Angriffsfläche kontinuierlich auf ein Minimum zu beschränken und beispielsweise frei zugängliche Informationen Stück für Stück zu eliminieren. So gesehen ist jeder Angriff auch eine Chance, beim nächsten Mal effektiver, schneller und erfolgreicher gegen die Angreifer vorzugehen.

Der Autor
Alastair Paterson ist CEO und Mitgründer von Digital Shadows. Das Unternehmen unterstützt seit 2011 FTS-100-Kunden und Behörden sich besser vor Cyberangriffen zu schützen. Paterson blickt auf über ein Jahrzehnt Erfahrung in der Analyse von umfangreichen Datenmengen für ThreatIntelligence zurück. Zuvor war er als International Propositions Manager bei BAE Systems Detica tätig und arbeitete mit Kunden in Europa, Asien, Australien und den Golfstaaten. Seinen Master of Engineering (M.Eng.) in Computer Science schloss er an der University of Bristol ab.
(Digital Shadows: ra)

eingetragen: 11.07.17
Home & Newsletterlauf: 14.08.17


Digital Shadows: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -


Meldungen: Grundlagen

  • Sieben Punkte zur IoT-Security

    Das Internet der Dinge steckt immer noch in den Kinderschuhen, aber hat sich bereits einen Ruf als ausgewachsenes Sicherheitsrisiko gemacht. Ob Router, Drucker, Smart-TV, Spielzeug oder Waschmaschinen - vernetzte Geräte werden für Cyberkriminelle zum Werkzeug für illegales Krypto-Mining, DDoS-Angriffe bis hin zur Lösegelderpressung durch angedrohte Datenlöschung, wie im Fall des Spielzeugherstellers Spiral Toys. Dessen Datenleck machte 2017 Schlagzeilen, bei dem mehr als 800.000 Nutzer betroffen waren. Die IoT-Malware-Landschaft entwickelt sich stetig weiter, während die Sicherheitsvorkehrungen meist noch rudimentär sind. Das Anfang des Jahres entdeckte Botnet "Hide and Seek" bettet, im Gegensatz zur berüchtigten DDoS-Mirai-Malware, eine Vielzahl von Befehlen wie Datenexfiltration, Code-Ausführung und Interferenz mit dem Betrieb des Geräts ein. Die Sicherheitsrisiken im IoT-Bereich sind Großteils auf das rasante Tempo zurückzuführen, mit dem IoT-Devices weltweit implementiert werden - 20 Milliarden installierte Geräte sind nach Schätzungen von Gartner bis Ende 2020 zu erwarten. Im hart umkämpften Technologiesektor hat der Eifer, als erster mit erschwinglichen IoT-Geräten auf den Markt zu kommen, dazu geführt, dass viele Hersteller selbst einige der grundlegendsten Sicherheitsprinzipien zugunsten schneller Entwicklungszyklen außer Acht gelassen haben.

  • Implementierung einer Public Key Infrastructure

    Die digitale Transformation hat inzwischen eine Vielzahl von Branchen erreicht. Nicht zuletzt angetrieben durch die rasante Weiterentwicklung des Internet of Things (IoT) und die darin liegenden unternehmerischen Möglichkeiten. Wie etwa den, sich Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Richtig aufgesetzt haben IoT-Projekte das Potenzial, betriebliche Abläufe zu rationalisieren, neue Umsatzquellen zu erschließen und Dienstleistungen besser auf die Bedürfnisse der Kunden zuzuschneiden. So erheben und sammeln IoT-Geräte Unmengen von Daten, die Firmen analysieren und für sich nutzbar machen können. Dazu muss allerdings eines gewährleistet sein: Sowohl die Geräte als auch die Daten müssen vertrauenswürdig sein. Sonst hätte es wenig Sinn, sie aufwendig zu analysieren und zueinander in Beziehung zu setzen. Will man die ambitionierten Ziele der digitalen Transformation erreichen, braucht es zwingend eine Vertrauensbasis für IoT-Anwendungen. Eine Technologie, die sich in dieser Hinsicht bereits bewährt hat, wird hier zu einem der zentralen Bausteine: eine auf Best Practices basierende Public Key Infrastructure (PKI).

  • KI: Kein Ersatz für IT-Sicherheitsteams

    Ob Spear-Phishing, Ransomware oder Zero-Day-Exploits, Netzwerke sind ständig in Gefahr gehackt zu werden. Die wachsende Bedrohung geht einher mit immer komplexeren IT-Landschaften, mehr Daten und weniger IT-Personal. Um ihre Netzwerke unter diesen schwierigen Umständen effektiver zu schützen, setzen viele Unternehmen inzwischen auf Technologien wie KI-basierte Verhaltensüberwachung. Sie nutzt die Möglichkeiten von Datenanalyse und maschinellem Lernen um einen der größten Risikofaktoren im Netzwerk zu minimieren: den Benutzer. Nutzer sind die Einfallstore, die sensible Unternehmensdaten gefährden, sei es ein kompromittiertes Nutzerkonto im Netzwerk, ein Insider-Angriff oder unbedachtes Verhalten eines Mitarbeiters.

  • Cyber-Erpressung auf Bestellung

    CryptoLocker, GoldenEye, Locky, WannaCry - Ransomware hat mit der Geiselnahme von Dateien durch Verschlüsselung in den letzten Jahren eine beachtliche und unrühmliche Karriere hingelegt. Und da sich Kriminelle auch bei Digitalisierungstrends wie as-a-Service-Angeboten nicht lumpen lassen, hat die Untergrundökonomie mit Ransomware-as-a-Service (RaaS) rasch ein lukratives Geschäftsmodell für sich entdeckt, das in kürzester Zeit enormes Wachstum erlebt hat. Das Prinzip ist denkbar einfach - wie in der legalen Wirtschaft sind die Dienstleistungen ganz auf die Bedürfnisse einer möglichst breiten Kundschaft zugeschnitten: Auf Ransomware-as-a-Service-Plattformen können nun auch technisch wenig versierte Kriminelle ins Cyber-Erpressergeschäft einsteigen und sich von Schadware-Entwicklern die entsprechende Service-Leistung gegen Abgabe einer festen Gebühr oder einer Provision basierend auf den Lösegeldeinnahmen besorgen.

  • Investitionen in IT-Sicherheit legitimieren

    Wenn man so oft direkt mit unterschiedlichen Unternehmen und Menschen zu tun hat wie der Vertrieb, erkennt man schnell bestimmte Reaktionsschemata. Ebenso wie zuverlässig wiederkehrende Schwierigkeiten beim Implementieren von IT-Sicherheitsmaßnahmen. Den größten Teil unserer Zeit verbringen wir damit zu erläutern warum Cybersicherheit derart wichtig ist und wie ein Unternehmen von bestimmten Maßnahmen am besten profitiert. Trotzdem erhält man regelmäßig dieselben Antworten: "Ich verstehe absolut wovon Sie sprechen, und ich gebe Ihnen sogar Recht. Nur, wie soll ich die zusätzlichen Ausgaben gegenüber der Geschäftsleitung rechtfertigen?" Es gibt allerdings einige grundlegende Argumente die Kunden helfen, Sicherheitsansätze und Lösungen gegenüber der Geschäftsführung oder anderen Zeichnungsbefugten plausibel zu machen.