- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Fachbeiträge » Grundlagen

Nachweis der Identität eines Online-Benutzers


"Biometrischer Authentifizierung"- was genau versteht man darunter?
Was Sie bei biometrischer Authentifizierung bedenken sollten

- Anzeigen -





Von Petteri Ihalainen, GlobalSign

Will man einige der grundlegenden Konzepte und Ideen der Online-Authentifizierung erläutern, ist es keine schlechte Idee einen Blick auf biometrische Authentifizierung zu werfen. Warum? Nach einer jüngst von Visa durchgeführten Umfrage, wollen zwei Drittel der Europäer biometrische Authentifizierung für Online-Zahlungen / Transaktionen verwenden. Kein ganzunbeträchtlicher Prozentsatz, der zeigt, was die Mehrheit der Online-Nutzer will.

Der Begriff Multi-Faktor-Authentifizierung zeigt an, dass zum Nachweis der Identität eines Online-Benutzers mehr als ein Faktor verwendet werden muss. Ein üblicher zweiter Faktor ist ein SMS-Code, der an eine registrierte Handynummer des Benutzers gesendet wird (wird oft als Einmalpasswort bezeichnet). Diese weit verbreitete Methode hat sich, kritisch betrachtet, allerdings als anfällig erwiesen. Sie wird inzwischen von Institutionen wie dem NIST (National Institute of Standards and Technology) abgewertet. Grundsätzlich gibt es drei Kategorien von Faktoren:

• >> Etwas, das Sie kennen (z.B. ein Passwort)
• >> Etwas, das Sie besitzen (z.B. ein Token, ein Handy, eine Smartcard)
• >> Etwas, das Sie sind (z.B. Fingerabdruck)

Biometrische Daten fallen unter die Kategorie "Etwas, das Sie sind". Ein Fingerabdruck ist, dank der Verbreitung von Fingerabdruck-fähigen Smartphones auf dem Markt, der häufigste biometrische Faktor. Weitere Beispiele für biometrische Faktoren sind Gesicht, Netzhaut (Auge), Herzschlag, Stimme, Verhalten und so weiter. Vielleicht nutzen wir eines Tages sogar die DNA als Authentifizierungs-Faktor. Ich gehe hier nicht in die Details was die Biometrie als solche angeht, aber bei Find Biometrics gibt es einen guten Überblicksartikel (in englischer Sprache) ‘Was ist Biometrie?’

Onlinebanking-Zugang per Fingerabdruck?
Wir wissen jetzt, dass ein biometrischer Faktorden Authentifizierungsprozess vielleicht erleichtert. Aber wie funktioniert das praktisch?

Ihr iPhone gewährt Ihnen nicht automatisch Zugang zu Ihrem Bankkonto. Apple und die entsprechenden Banksysteme arbeiten völlig getrennt voneinander. Wie also die Lücke schließen und den Zugang zu Ihrem Konto per Fingerabdruck gestatten? Das Erste, was man tun muss, ist es, einen Identitätsanbieter (wie beispielsweise GlobalSign) zu nutzen. Der Identitätsanbieter ermöglicht es der Bank, auch andere Authentifizierungsmethoden als die eigenen Einmalpasswort-Generatoren zu akzeptieren.

Als Nächstes braucht man eine App wie MePin auf seinem Smartphone. Wenn Sie die App heruntergeladen haben, den Browser starten und auf Ihre Banking-Website zugreifen, führt der Identitätsanbieter eine sogenannte "User Driven Federation" durch. Das bedeutet, dass Sie sich in der Authentifizierungsphase zuerst mit Ihren Banking-Zugangsdaten authentifizieren und dann etwas wie Ihre Handynummer eingeben. Der Identitätsanbieter der Bank sendet dann eine Authentifizierungsanforderung an Ihre Smartphone-App, die Ihren Fingerabdruck anfordert. Sie berühren den Kreis auf Ihrem iPhone. Dann wird eine Antwort an den Identitätsanbieter gesendet. Und voilà, Sie können nun Ihren Fingerabdruck anstatt des Tokens zur Authentifizierung gegenüber der Bank verwenden.

Ist das wirklich alles Biometrie?
Betrachtet man oben beschriebenen Ablauf, gewinnt man den Eindruck, der Fingerabdruck ist der Schlüssel, der die Tür zur Website entriegelt. Das aber ist falsch. Im obigen Szenario ersetzt der Fingerabdruck einen PIN-Code. In der App gibt es einen privaten Schlüssel (PKI), der die Antwort an den Identitätsanbieter kryptografisch signiert. Diesen Schlüssel kann man mittels PIN-Code, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung schützen. Das ist der korrekte Weg, biometrische Authentifizierung für Online-Dienste zu implementieren. Dabei verlassen die biometrischen Daten das Gerät nicht.

Warum biometrische Authentifizierung gut ist
Stellen wir uns einen durchschnittlichen Nutzer vor, der sich nicht unbedingt im Detail mit Sicherheitsvorkehrungen auskennt. Er vertraut darauf, dass die Bank sich darum kümmert. Was ihn viel mehr interessiert ist, ob ein System bequem und benutzerfreundlich ist.

Wir sind uns alle darüber einig, dass komplexe Passwörter, die alle 90 Tage geändert werden müssen, ein Albtraum sind. Und wir können davon ausgehen, dass Einmalpasswort-Token, die Zahlenfolgen mit 6-8 Ziffern generieren, im Alltag nicht immer die tauglichste Alternative sind. Token haben (wie andere kleine Dinge) den fatalen Hang gerne auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.

Wenn man mithilfe der Biometrie etwas nutzen kann, das man ohnehin dutzende Male am Tag in der Hand hält (und nicht erst seit "Pokémon Go") wäre das für die Authentifizierung ungleich praktischer. Zudem ist diese Variante benutzerfreundlich und genießt einen hohen Akzeptanzwert.

Warum biometrische Authentifizierung schlecht ist
Der Kritikpunkt, der in Bezug auf biometrische Daten am häufigsten genannt wird ist, dass man diese Art von Daten nicht verändern kann. Das stimmt, wenn auch mit kleinen Ausnahmen. Ist aus irgendwelchen Gründen die biometrische Vorlage eines Daumenabdrucks durchgesickert, gibt es so etwas wie 'löschbare biometrische Daten' (Cancelable Biometrics), bei denen die biometrischen Merkmale verzerrt und auf eine neue Vorlage abgebildet werden. Ein weiterer wunder Punkt ist die Privatsphäre. Nicht jeder will sich bei einem biometrischen System registrieren lassen. Biometrische Daten gelten als sehr persönlich und bereits das Registrieren wird unter Umständen als Eingriff in die Privatsphäre empfunden.

In der Informationssicherheit ist nichts zu 100 Prozent sicher. Sicherheitsforscher haben bereits nachgewiesen, dass es ziemlich einfach ist, einen biometrischen Sensor zu täuschen. Natürlich haben die Anbieter von biometrischen Authentifizierungslösungen ihre Software verbessert. Ein Beispiel dafür: Es ist jetzt möglich statische Bilder eines Gesichts zur Gesichtserkennung zu verwenden.

Die biometrische Authentifizierung ist sicherlich bequem. Trotzdem raten wir dazu biometrische Daten zum Entsperren von etwas anderem (z.B. eines privaten Schlüssels innerhalb einer PKI) zu verwenden. Geht dann ein Gerät verloren, kann man es einfach entfernen und den PKI-Schlüssel sperren. Sich allein auf die biometrische Authentifizierung zu verlassen ist ein bisschen wie "Mission Impossible". Um im Bild zu bleiben: Tom Cruise kann sich einfach aus dem Lüftungsschacht herablassen und sich über ihre Vermögenswerte hermachen. (GlobalSign: ra)

eingetragen: 27.09.16
Home & Newsletterlauf: 02.11.16


GlobalSign: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -


Meldungen: Grundlagen

  • Ransomware: Es kommt schlimmer

    Seit ich im Jahr 2014 meine erste Keynote zu diesem Thema gehalten habe beschäftige ich mich mit Ransomware-Prognosen. Seinerzeit wagte ich etwa ein Dutzend Vorhersagen und tatsächlich sind alle eingetroffen. Vor kurzem wurde ich gebeten einen Beitrag für das ITSP Magazine beizusteuern. Und dieses Mal sollten die Prognosen nicht nur spezifischer sein, sondern die Sache auf die Spitze treiben. Sprich, welche Prognosen kommen dabei heraus, wenn man die aktuellen Szenarien bis zu Ende denkt. Soviel lässt sich sagen, alle sind einigermaßen beängstigend. Soeben hat eine Analyse von @David Formby eine der schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Kritische Infrastrukturen geraten zunehmend ins Visier von Ransomware-Attacken (Targeting Critical Infrastructure for Ransom). Im letzten Frühjahr litten vornehmlich Krankenhäuser unter der sogenannten SamSam-Ransomware, und im Rahmen unserer Incident Containment-Methode haben wir drei Dinge übereinstimmend festgestellt.

  • Von IT-Sicherheitsexperten lernen

    Die Varonis Blog-Autoren haben inzwischen mit etlichen Sicherheitsexperten aus den unterschiedlichsten Bereichen gesprochen: mit Penetrationstestern, Anwälten, CDOs, Datenschützern, IT-Experten und sogar einem IT-Security-Guru. Wir haben die wichtigsten Analysen und Tipps hier für Sie zusammengetragen. Die Weltformel: Das Internet der Dinge (IoT) ist ein guter Ausgangspunkt, um seine Lehren in Sachen IT-Sicherheit zu ziehen. Mit dem IoT, also dem Internet der Dinge mit seiner überwältigen Zahl an Geräten, werden Unternehmen und Endverbraucher mit praktisch allen Datenschutz- und Datensicherheitsproblemen konfrontiert, die man sich denken kann.

  • Lösegeld-Erpressung über Ransomware

    Die Erpressung von Lösegeld war im abgelaufenen Jahr weltweit das häufigste Motiv für Angriffe auf Netzwerke, Server und Anwendungen von Unternehmen und Organisationen. Das geht aus dem jetzt veröffentlichten Global Application and Network Security Report 2016-2017 von Radware hervor, in dem über 40 Prozent der knapp 600 befragten Unternehmen angaben, dass die Lösegelderpressung 2016 der häufigste Grund für Angriffe auf ihre Netzwerke gewesen sei. Speziell in Europa liegt dieser Wert mit 49 Prozent noch deutlich höher als im weltweiten Durchschnitt. Die Erpressung von Lösegeld erfolgt in der Regel über Ransomware oder über Ransom Denial of Service (RDoS). Ransomware nennt man einen Trojaner, einen Wurm oder eine andere Schadsoftware, die ein System unter ihre Kontrolle bringt und den legitimen Zugriff darauf unmöglich macht, bis ein Lösegeld gezahlt wird (und manchmal auch darüber hinaus). In der Regel werden dabei die Daten verschlüsselt, und das Opfer muss für die Entschlüsselung zahlen.

  • Volumetrische DDoS-Angriffe abwehren

    Experten sind sich einig. IoT-Geräte - gerade für Endverbraucher - bekommen mangelnde Sicherheit quasi automatisch mitgeliefert. Und wir in den letzten Wochen die Quittung. Für Sicherheitsspezialisten keine große Überraschung, sie warnen schon lange. Die jüngsten Angriffe aber haben gezeigt, in welche Dimensionen uns IoT-basierte Botnetze bei DDoS-Angriffen katapultieren und welche Schäden sie in der Lage sind anzurichten. Die Attacke auf den DNS-Provider Dyn im Oktober dieses Jahres war ein solcher Weckruf. Das prognostizierte Szenario ist keine bloß theoretische Annahme mehr, sondern real. Und es gibt Handlungsbedarf. Unternehmen und Verbraucher fragen sich angesichts einer steigenden Zahl von im Internet der Dinge verbundenen Geräten wie sie sich besser schützen können. Es ist kein großes Geheimnis, dass IoT-fähige Geräte aus sicherheitstechnischer Hinsicht wenig überzeugend sind. Die überwiegende Zahl von ihnen integriert kaum Sicherheitsmechanismen, und ist mit äußerst simplen Standard-Passwörtern ausgestattet. Das macht die Geräte für potenzielle Angreifer zu einer leichten Beute. Die Folge: Hacker machen sie beispielsweise zum Teil eines Botnetzes von dem DDoS-Angriffe mit enormer Bandbreite ausgehen können.

  • S/MIME und wie es funktioniert

    S/MIME, oder Secure/Multipurpose Internet Mail Extensions, ist eine relativ bekannte Technologie um E-Mails zu verschlüsseln. S/MIME basiert auf asymmetrischer Verschlüsselung, um E-Mails vor unerwünschtem Zugriff zu schützen. Zusätzlich dient S/MIME dazu E-Mails digital zu signieren, um den legitimen Absender einer Nachricht als solchen zu verifizieren. Das macht S/MIME zu einer effektiven Waffe gegen verschiedene Arten von Phishing-Angriffen. Das ist, kurz gefasst, worum bei S/MIME geht. Wenn es allerdings darum geht, S/MIME praktisch einzusetzen, taucht meist noch eine Reihe von Fragen beim Anwender auf.