- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Fachbeiträge » Grundlagen

Ransomware-Attacken und Anzeigepflicht


Juristischer Spickzettel in Sachen Ransomware
Ist eine Datenschutzverletzung entdeckt worden, sind insbesondere die Firmenjuristen, die IT-Abteilung und die Unternehmenskommunikation gefragt

- Anzeigen -





Von Andy Green, Varonis

In vielerlei Hinsicht unterscheiden sich die Reaktionen auf eine Ransomware-Attacke nicht grundlegend von dem, was grundsätzlich im Falle eines Datenschutzvorfalls zu tun ist. Kurzgefasst: jedes Unternehmen sollte einen Plan haben wie die Malware zu analysieren und zu isolieren ist, um den Schaden zu begrenzen, laufende Geschäftsprozesse müssen gegebenenfalls wiederhergestellt und die entsprechenden Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden in Kenntnis gesetzt werden.

Dabei sollten die verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens Hand in Hand arbeiten. Ist eine Datenschutzverletzung entdeckt worden, sind insbesondere die Firmenjuristen, die IT-Abteilung und die Unternehmenskommunikation gefragt. Gerade den juristisch und technisch Verantwortlichen kommt eine Schlüsselrolle zu, wenn es gilt den Schaden zu begrenzen und die vorgeschriebenen Maßnahmen zu ergreifen. Soweit so gut.

Ein bisschen anders verhält es sich aber mit Ransomware doch. Anders als bei anderen Angriffsszenarien informieren die Angreifer das Opfer über die Attacke. Sie erhalten eine "Ransom Note" genannte Nachricht. Dass etwas passiert ist und was, wird also sehr viel schneller aufgedeckt als in den meisten anderen Fällen, in denen es oft Monate, wenn nicht sogar Jahre dauert bis ein Datenschutzvorfall aufgedeckt werden kann. In den allermeisten Fällen von Ransomware belassen Hacker die betreffenden Daten auf den Systemen der Opfer, wenn auch natürlich verschlüsselt. In aller Regel muss man sich also nicht sofort um einen möglichen Verlust von Kreditkartennummern oder Kontodetails sorgen.

So betrachtet hat Ransomware ihre kleinen Vorteile. Ungeachtet dessen ist mit ihr allerdings eine nicht ganz unwichtige juristische Frage verbunden.
Jemand hat offensichtlich auf die Daten zugegriffen, aber sie nicht veröffentlicht oder weiter verwendet. Heißt das nun, dass ein betroffenes Unternehmen seine Kunden und die entsprechenden Behörden nicht informieren muss (wie es sonst in einigen US-Gesetzen und Vorschriften bereits verbindlich vorgeschrieben ist, ebenso in der 2018 in Kraft tretenden EU-Datenschutzgrundverordnung)? Keine ganz triviale Frage.

Lesen Sie zum Thema "Datenschutz und Compliance" auch: Compliance-Magazin.de (www.compliancemagazin.de)

Um bei diesem Thema etwas mehr in die Tiefe gehen zu können haben wir zusätzlich ein White Paper verfasst, das sich unter anderem mit den Hintergründen der US- und EU-Datenschutzvorgaben befasst wie sie im Health Insurance PortabilityandAccessibilityAct (HIPAA), im Gramm-Leach-BlileyAct (GLBA), diversen Bundesgesetzenund den Gesetzen innerhalb der EU festgeschrieben sind. Das White Paper richtet sich dabei in erster Linie an all diejenigen, die im Falle einer Datenschutzverletzung auf den unterschiedlichen Ebenen darauf reagieren müssen.

Einige der wichtigsten Aspekte haben wir hier zusammengefasst.

Anzeigepflicht bei Ransomware?
Der entscheidende Punkt, den es zu verifizieren gilt ist, ob bei einem nicht autorisierten Zugriff eine Anzeigepflicht gegenüber den Kunden des Unternehmensbesteht. Und tatsächlich ist das ja was Ransomware genau tut: unautorisiert auf sensible PII-Daten zugreifen.

>> Gesundheitswesen – HIPAA schreibt allen sogenannten CoveredEntities (Krankenhäusern, Einrichtungen des Gesundheitswesens, Versicherern und so weiter) verbindlich vor sowohl Kunden/Verbraucher als auch die zuständigen Behörden zu informieren (in den USA das Department ofHealthand Human Services (HHS)) wenn jemand auf geschützte Gesundheitsinformationen (PHI-Daten) unautorisiert zugreifen konnte. Wenn es um die Anzeigepflicht bei Ransomware geht ist HIPAA eine der strengsten verbindlichen Regelungen überhaupt. Es gibt allerdings auch hier Ausnahmen von der Regel, die wir in unserem White Paper erläutern.

>> Banken und Darlehensgeber – Gemäß GLBA, setzt die Federal Trade Commission (FTC) Datenschutzregelungen für das Bank- und Finanzwesen im Rahmen der sogenannten Safeguards Rule durch. Aus Sicht der FTC beispielsweise ist es für eine Bank oder ein anderes Institut innerhalb des Finanzwesens im Falle von Ransomware (im Übrigen auch jeder anderen Malware) nicht zwingend vorgeschrieben, den Vorfall anzuzeigen. Allerdings empfiehlt die FTC es, Kunden in so einem Fall zu benachrichtigen. Vorgeschrieben ist es aber nicht.

>> Broker, Händler, Anlageberater – Die Securities and Exchange Commission (SEC) ist die in den USA zuständige Behörde für diese Gruppe von Investmentunternehmen. Im Rahmen von GBLAhat die SEC eine eigene verbindliche Regelung entwickelt die sogenannte Regulation S-P. Sie beinhaltet ein komplettes Programm, was bei einem Datenschutzvorfall genau zu tun ist. Von einer expliziten Anzeigepflicht ist nicht die Rede. Mit anderen Worten: Es ist vielleicht durchaus empfehlenswert seine Kunden in Kenntnis zu setzen, verpflichtend ist es nicht.

>> Investmentbanken, staatliche und private Geldinstitute – Für diese verbleibende Gruppe gibt es nicht nur in den USA eine ganze Reihe von Vorschriften und Branchenregularien. In diesem Fall ist von der sogenannten "affirmativen Pflicht" eines Unternehmens die Rede. Sie besagt, dass Unternehmen verpflichtet sind die Daten gegen einen unautorisierten Zugriff oder Gebrauch dieser Daten zu schützen haben. Die Anzeigepflicht ist Bestandteil dieser affirmativen Pflicht. Liest man etwas genauer, besagen die Regelungen aber auch, dass es einen nachweislichen Missbrauch der Daten gegeben haben muss. Ob die Verschlüsselung von Daten durch Ransomware nun einen solchen Missbrauch darstellt oder nicht, ist nicht ganz unumstritten. Ungeachtet dessen sehen die bestehenden Regelungen vor, dass innerhalb der Anzeigepflicht der Vorfall genau beschrieben werden muss, einschließlich dessen, welche Dateien genau betroffen sind.

>> Regelungen in den US-Bundesstaaten – Im Moment haben 48 Staaten in den USA Gesetze und Vorschriften, die die Anzeigepflicht von Datenschutzverstößen betreffen. Am Rande sei erwähnt, dass lediglich zwei Staaten, nämlich New Jersey und Connecticut, eine explizite Anzeigepflicht für einen alleinigen Zugriff auf Daten installiert haben. Sie würde ebenfalls für Ransomware greifen. Aber auch hier gibt es einige Details deren Lesart es Firmen unter bestimmten Umständen erlaubt die in ihrem Bundesstaat geltende Anzeigepflicht zu umgehen.

>> EU-Datenschutzgesetzgebung – Die bisher gültige Data Protection Directive (DPD) sieht noch keine zwingende Anzeigepflicht vor. Einige europäische Staaten, darunter auch Deutschland, haben die Anzeigepflicht allerdings in ihren nationalen Datenschutzgesetzen verankert. Für Internet Service Provider und Telekommunikationsunternehmen gelten mit der EU"e-Privacy Directive" ohnehin eigene Regelungen zur Anzeigepflicht bei Datenschutzverstößen. Innerhalb der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung sieht das allerdings schon ein wenig anders aus. Das 2018 wirksam werdende Gesetz sieht eine Benachrichtigungspflicht innerhalb von 72 Stunden vor. Dabei muss der entsprechende Vorfall innerhalb dieser zeitlichen Vorgabe der jeweiligen lokalen "Data Protection Authority" (DPA) gemeldet werden. Verbraucher müssen dann benachrichtigt werden, wenn auf "persönliche Daten" zugegriffen wurde. Aber auch hier gibt es eine erwähnenswerte Einschränkung. Zunächst ist es wichtig zu unterscheiden, dass es im Hinblick auf den Geltungsbereich der Datenschutzgrundverordnung zwei unterschiedliche Grenzwerte zu beachten gilt: Eine Frist, innerhalb der potenziell betroffene Verbraucher benachrichtigt werden müssen und eine, die sich auf die Benachrichtigung der jeweiligen Data Protection Authority (DPA) bezieht.

Wenn bei einem Datenschutzvorfall persönliche, private Daten von Verbrauchern "wahrscheinlich betroffen" sind, müssen die Betroffenen davon in Kenntnis gesetzt werden. Dass persönliche Daten von Verbrauchern "wahrscheinlich betroffen" sind, es also ein potenzielles Risiko gibt, dass Rechte und Freiheiten eines Kunden potenziell betroffen sind, ist ein ziemlich weit gesteckter Rahmen. Spricht man mit Juristen, die sich insbesondere mit dem Thema Compliance befassen, gehören zu diesen persönlichen Daten all die Informationen anhand derer sich eine Person identifizieren lässt. Das sind beispielsweise E-Mail-Adressen, sämtliche IDs von Onlinekonten, aber auch IP-Adressen. Sie alle fallen unter die "wahrscheinlich betroffen"-Regelung. Wie es im speziellen Fall einer Ransomware-Attacke mit der Anzeigepflicht aussieht wird sehr eng mit den genauen Umständen des Einzelfalls zusammenhängen. Das ist einer der Punkte, an denen sicherlich noch Klärungsbedarf in Sachen EU-DSGVO besteht.

Im Lichte der verschiedenen US- und EU-Datenschutzvorgaben erscheint es allerdings mindestens als sehr empfehlenswert den Vorfall den entsprechenden Stellen und Strafverfolgungsbehörden anzuzeigen. (Varonis: ra)

eingetragen: 22.01.17
Home & Newsletterlauf: 01.02.17


Varonis: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -


Meldungen: Grundlagen

  • Rollende Sicherheitslücken

    Viele Fahrzeuge sind heutzutage längst zu rollenden Computern geworden, denn bereits jetzt stecken in der Software eines modernen Oberklasse-PKW etwa 100 Millionen Codezeilen. Zum Vergleich: Die Flugsoftware einer Boeing 787 Dreamliner kommt mit etwa 14 Millionen Zeilen aus. Die Erwartungen an das zukünftige autonom fahrende Auto sind vielzählig: Mehr Sicherheit auf den Straßen, mehr Komfort, beispielsweise durch selbstständiges Einparken, die Nutzung eines Autopiloten im Stau oder komplett fahrerlose Roboterautos, welche im Car-Sharing-Verfahren neue Infrastrukturmöglichkeiten bieten könnten. Dem gegenüber stehen die Ängste: Bei Technikfehlern nur noch ein hilfloser Passagier an Board zu sein oder Opfer eines Hacker-Angriffs zu werden.

  • Warum BYOD an den Geräten scheitert

    Bring Your Own Device (BYOD) genießt im Geschäftsumfeld seit einigen Jahren den Ruf als innovatives Konzept. Der zeitlich uneingeschränkte Zugang zu Unternehmensdaten kann Firmen verbesserte Effizienz in den Arbeitsabläufen bescheren und den Mitarbeitern wiederum mehr Komfort im täglichen Arbeiten. Sie können auf ihren gewohnten Geräten arbeiten, zu flexiblen Arbeitszeiten. Insbesondere bei neu gegründeten Unternehmen, in denen die Mitarbeiter viel unterwegs sind, wird es überaus geschätzt, wenn kein weiteres, unternehmenseigenes Gerät mitgeführt werden muss. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit der Arbeitsweise wiederum trägt auch zur Attraktivität des Unternehmens bei.

  • Offensichtlich lukrativste Angriffsmethode

    In regelmäßigen Abständen sehen wir uns einer neuen Bedrohung gegenüber, die bei Angreifern gerade Konjunktur hat. Gezielte Langzeitangriffe, sogenannte Advanced Persistent Threats (APTs) beherrschen die Schlagzeilen und Unternehmen beeilen sich, diese Attacken zu stoppen, deren Urheber sich gut versteckt durch das Netzwerk bewegen. Neben Phishing ist Ransomware die erfolgreichste und offensichtlich lukrativste Angriffsmethode für Cyber-Kriminelle. Schätzungen zufolge kosteten Ransomware-Scams die Opfer allein im letzten Jahr fast 1 Milliarde US-Dollar weltweit. Und es ist kein Wunder, dass sie so gut funktionieren: Sie beruhen auf dem althergebrachten Modell der Schutzgelderpressung, das bereits lange von Banden und der Mafia genutzt und jetzt in digitalem Format erfolgreich wieder aufgelegt wird. Die digitale Transformation ist nicht nur für Unternehmen Realität, sondern längst auch für Kriminelle eine lohnenswerte Einnahmequelle.

  • Detailliertes Profil der Angreifer entscheidend

    "Kill Chain" - dieser Begriff stammt eigentlich aus dem Militärjargon und bezeichnet ein Modell, das alle Phasen eines Angriffs beschreibt. Im Umkehrschluss zeigt es Wege auf, mit denen sich diese Angriffe vermeiden oder zumindest abschwächen lassen - eine Taktik, die auch hinsichtlich digitaler Bedrohungen und Hackangriffe interessant ist. Die Kill Chain digitaler Bedrohungen lässt sich in sieben verschiedene Phasen unterteilen.

  • Internet-Ausfall: Stationärer Handel in der Klemme

    In nur wenigen Bereichen hat sich in den letzten 30 Jahren so viel verändert wie im stationären Handel. Während manche Einzelhändler das Internet immer noch als Bedrohung empfinden, profitiert das Gros von vielen Vorteilen, die das World Wide Web mit sich bringt. Beispiel Kartenzahlungen: Sie wären ohne Internetanbindung gar nicht möglich. Somit ist für Einzelhändler eine kontinuierliche Internetverbindung essenziell, ja gerade überlebenswichtig. Umso schlimmer, wenn das Netz ausfällt. Doch für den unangenehmen Fall der Fälle gibt es gute Lösungen. Ohne Internet sind moderne Verkaufserlebnisse undenkbar: Zu den neueren Entwicklungen im Einzelhandel zählt das so genannte Omni-Channel-Retailing. Dabei nutzen Shops oder Filialen mehrere, vor allem onlinebasierte Kanäle, um dem Kunden ein optimales Verkaufserlebnis zu bieten. So beispielsweise der Reifenwechsel am Auto: Bei größeren Werkstätten und Werkstattketten ist es heute State-of-the-Art, dass der Kunde seine Wunschreifen und Felgen online bestellt, eventuell unterstützt durch eine telefonische Beratung. Nach dem Kauf vereinbart er dann über eine Webseitenschnittstelle gleich den Montagetermin. Die Werkstatt erhält die Terminanfrage in ihrem CRM und bestätigt per E-Mail. Zum Termin liegen die bestellten Reifen in der Werkstatt bereit und werden montiert.