- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Markt » Hintergrund

Debatte zu Screen Scraping und PSD2


Screen Scraping und PSD2: Brief der Fido Alliance an die Europäische Kommission und das Europäische Parlament
Da das Screen Scraping den Austausch von Kundenpasswörtern und deren Nutzung durch Dritte voraussetzt, sieht die Fido Alliance drei maßgebliche Probleme

- Anzeigen -





Von Brett McDowell, Executive Director der Fido Alliance

Soll das Screen Scraping als Fallback-Option im Rahmen der EU-Richtlinie über Zahlungsdienste (Payment Services Directive 2; PSD2) erlaubt werden? Die Fido Alliance hat die Diskussionen zu diesem Thema zwischen der Europäischen Kommission (EC) und der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) aufmerksam verfolgt, insoweit sie die Regularien der technischen Standards (RTS) für eine starke Kundenauthentifizierung unter PSD2 betrifft. Ich habe Kernpunkte der Antwort der Fido Alliance auf diese Frage folgend zusammengefasst.

Unter "Screen Scraping" versteht man die Praxis, Zahlungsauslösediensten (Payment Initiation Service Provider; PISP) und Kontoinformationsdiensten (Account Information Service Providers; AISP) im Auftrag des Kunden Zugriff auf Bankkonten zu gestatten und dabei den Nutzernamen und die Passwort-Informationen des Kunden zu nutzen, was laut endgültigem RTS-Entwurf der EBA nicht erlaubt ist.

Allerdings haben sich einige Fintech-Unternehmen zu Wort gemeldet und berichtet, dass sich die Banken mit der Implementierung neuer, sichererer Methoden bei einer delegierten Zugangskontrolle schwertun. Infolgedessen drängt die EC nun die EBA, Unternehmen die Nutzung des Screen Scrapings als Ausweichoption zu gestatten, statt auf sicherere Methoden wie etwa durch den Einsatz von Schnittstellen zur Anwendungsprogrammierung (APIs) zurückzugreifen.

Da das Screen Scraping den Austausch von Kundenpasswörtern und deren Nutzung durch Dritte voraussetzt, sieht die Fido Alliance drei maßgebliche Probleme:

>> Es erfüllt die in der PSD2 festgelegten Sicherheitsanforderungen nicht.
>> Es stellt für Verbraucher ein erhöhtes Risiko dar.
>> Jeder Ansatz, der es einem Dritten erlaubt, sich bei einer Bank "einzuloggen, als wäre er der Kunde" bedeutet für alle Seiten zusätzliche Risiken.

Wir sehen keinen Weg, den von der EC angestrebten Screen-Scraping-Ansatz so in einer Implementierung umzusetzen, dass die in der PDS2 definierten Voraussetzungen für eine erweiterte Sicherheit erfüllt werden. Es existieren allerdings durchaus weitaus sicherere Möglichkeiten für die Verbraucher, den Zugriff auf ihre Bankkonten zu delegieren, etwa über APIs, die durch eine starke Authentifizierung der Kunden geschützt sind. Basierend auf bewährten globalen Standards wie OAuth 2.0 und OpenID Connect (OIDC) weisen diese API-basierten Lösungen zudem den Vorteil auf, nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch mehr Privatsphäre zu bieten.

Denn sie erlauben es dem Verbraucher, den Zugang zu einem Bankkonto spezifiziert zu gewähren, um etwa nur einige Details mitzuteilen. Gemeinsam mit den Fido-Standards für eine starke Authentifizierung bieten API-basierte Lösungen so alle Vorteile einer gerätebasierten Multi-Faktor-Authentifizierung, die für Konsumenten sicherer und einfacher zu nutzen ist, als die die Eingabe von Codes in ein Formular.

Die EC glaubt, dass eine "Fallback-Option" wie das Screen Scraping unterstützt werden muss, bis die Banken ihre Anstrengungen in puncto PSD2 forcieren. Wir dagegen gehen davon aus, dass es besser ist, lediglich eine Freistellung von den RTS-Vorgaben zu beschließen, als die RTS selbst zu verändern. Die RTS definieren einen wichtigen technischen Standard, der den Markt für die kommenden Jahre prägen wird.

Dabei müssen sich die RTS darauf fokussieren, hohe Anforderungen an eine starke Kundenauthentifizierung (Strong Customer Authentication; SCA) sowie die gemeinsame und sichere Kommunikation unter PSD2 festzulegen. Es darf nicht sein, dass die RTS dafür herhalten müssen, dass die Beteiligten sich vor ihrer Verantwortung bei diesem historischen Schritt hin zu mehr Verbraucherschutz drücken können. Letztlich würde eine Aufnahme der "Fallback-Option" Screen Scraping die RTS verwässern und die Zielsetzung von PSD2 zur Einführung einer SCA infrage stellen, was im Ergebnis für Verbraucher ein erhöhtes Risiko bedeutet.
(Fido Alliance: ra)

eingetragen: 11.09.17
Home & Newsletterlauf: 29.09.17


Fido Alliance: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -


Meldungen: Hintergrund

  • Erkennung von Bedrohungen

    Es hat sich erwiesen, dass Unternehmen, die im Rahmen ihrer Omnichannel-Initiativen die Einbeziehung digitaler Identitäten fokussieren, für ein nachhaltiges Wachstum besser positioniert sind als solche, die allein auf die Intelligenz der Endgeräte setzen. Aktuellen Studien zufolge können erstgenannte Unternehmen durch eine verbesserte Neukundengewinnung und eine höhere Kundenbindung ein Umsatzplus von bis zu acht Prozentpunkten gegenüber dem Branchendurchschnitt realisieren. Allerdings herrscht häufig der Irrglaube vor, dass sich "Digitale Identität" und "Geräteintelligenz" als Synonyme gebrauchen lassen. Armen Najarian, Chief Marketing Officer bei ThreatMetrix, hat sich bereits in einem Blog-Beitrag zum Unterschied zwischen Geräteintelligenz und digitaler Identität geäußert.

  • Hybride Bedrohungen

    Die AfD-Fraktion will mehr wissen über so genannte hybride Bedrohungen. Dabei handele es sich nach Angaben der Deutschen Bundesregierung um "unterschiedliche Formen und Methoden des Konfliktaustrags", darunter Desinformation, Cyberattacken und Cybersabotage. Die Abgeordneten erkundigen sich in einer Kleinen Anfrage (19/1002) nun danach, welche Fälle von hybriden Bedrohungen gegen Deutschland seit 2010 bekannt geworden sind.

  • Verschlüsselte Telekommunikation

    Die FDP-Fraktion interessiert sich für die Möglichkeiten der Überwachung von Telekommunikationsmitteln zur Strafverfolgung und die Nutzung einschlägiger Software. Offenbar habe das Bundeskriminalamt (BKA) damit begonnen, auch verschlüsselte Botschaften im Internet zu lesen. Neben der selbst konzeptionierten Software RCIS stehe dem BKA dazu ein Programm namens FinSpy zur Verfügung, heißt es in einer Kleinen Anfrage (19/1020) der Fraktion. Die Abgeordneten wollen von der Bundesregierung nun wissen, wie oft, in welchen Fällen und auf welche Weise Software zur Überwachung informationstechnischer Systeme eingesetzt worden ist oder noch eingesetzt wird.

  • Schutz industrieller Informationssysteme

    Das Thema Cybersicherheit war 2017 für viele Industrieunternehmen auf der Tagesordnung. Hackerangriffe auf Informationssysteme machten Schlagzeilen. Sie zeigten vielen, dass man selbst eventuell auch angreifbar ist. Um die Sicherheit der Industriesysteme zu gewährleisten, sind geeignete Maßnahmen erforderlich, sowohl in Bezug auf die IT-Infrastruktur als auch auf die OT-Integrität. Die Zuverlässigkeit ist dabei von zentraler Bedeutung und hat oftmals größeren Einfluss als die IT, weil sie sich auf die Integrität des Eigentums und natürlicher Personen auswirken kann. Informationssysteme von produzierenden Unternehmen unterscheiden sich von denen anderer Wirtschaftszweige. Dadurch werden Sicherheits- und Schutzmaßnahmen erforderlich, die eine geschäftsspezifische Logik integrieren. So bieten herkömmliche, funktionsübergreifende Sicherheitslösungen kein entsprechendes Sicherheitsniveau für diesen Bereich.

  • Next Generation Cryptography

    Ob Online-Banking oder Blockchain - die meisten IT-Sicherheitsmechanismen für Daten und digitale Kommunikation beruhen auf Kryptografie. Quantencomputer und neue Angriffsmöglichkeiten bedrohen zahlreiche dieser IT-Sicherheitsmechanismen. Wie Wirtschaft und Gesellschaft die Cyberwelt in der Zukunft vor solch großen Bedrohungen schützen können, diskutierten Experten aus Wirtschaft, Forschung und Politik beim Eberbacher Gespräch "Next Generation Cryptography". Das Fazit der Experten: Kryptografie muss dringend flexibler werden, um schnell auf technische Veränderungen reagieren zu können. Falls dies nicht umgehend geschieht, droht der Cyberwelt ein Supergau. Die Experten empfehlen deshalb Aufklärung, die Entwicklung von Praxishilfen sowie EU-Mindeststandards und einen EU-Expertenrat für Kryptografie. Der vollständige Bericht ist im Internet unter www.sit.fraunhofer.de/eberbach-crypto kostenlos verfügbar.