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Mangelndes Risikobewusstsein


IoT: 90 Prozent der Firmware-Dateien enthalten kritische Sicherheitslücken
20 Backdoors in Netzwerkkamera: Ein Glücksfall für Hacker



Von Rainer M. Richter, Director Channel, SEC Technologies

Das Internet der Dinge ist ein Türöffner – und zwar in zweifacher Hinsicht. Denn einerseits eröffnet das IoT Unternehmen neue lukrative Geschäftsfelder und ermöglicht eine vollkommen vernetzte Geschäftswelt. Andererseits sind IoT-Geräte auch ideale Einfallstore für Hacker und vergrößern die Cyberangriffsfläche von Unternehmen immens. Tatsache ist, dass die Sicherheit von IoT-Geräten nach wie vor stark vernachlässigt wird und ihre Firmware in der Regel nur so vor Schwachstellen wimmelt – ganz zur Freude der Cyberangreifer. Wie eine aktuelle Untersuchung der Firmware-Analyseplattform IoT Inspector gezeigt hat, weisen mehr als 90 Prozent der Firmwaredateien kritische Sicherheitslücken auf. Dazu zählen fest programmierte Passwörter im Firmware-Dateisystem, Schwachstellen in der Systemkonfiguration oder SSH Host-Keys. Die am häufigsten identifizierten Schwachstelle – und damit Sicherheitslücke Nr.1 – sind laut dem Report jedoch versteckte Standard-User-Credentials.

20 Backdoors in Netzwerkkamera: Ein Glücksfall für Hacker
Exemplarisch ist dabei die Untersuchung einer Netzwerkkamera eines amerikanischen Anbieters von Überwachungssystemen. Hier konnte die statische und dynamische Firmware-Analyse des IoT Inspector insgesamt 26 verschiedene User-Accounts identifizieren, und das, obwohl das dazugehörige Handbuch insgesamt nur drei entsprechende Accounts aufgeführt hat. Über 20 Backdoors machen so eine Netzwerkkamera, die eigentlich zu Sicherheitszwecken eingesetzt werden soll, so zum trojanischen Pferd.

Dass Schwachstellen wie diese von Cyberkriminellen auch gezielt ausgenutzt werden, zeigen die jüngsten Schlagzeilen rund um die vermutlich russische Hacker-Gruppe APT28. So griffen die Kriminellen, denen auch die Einbrüche im Bundestag, dem Auswärtigen Amt sowie Manipulationen der letzten US-Wahlen zugeschrieben werden, über ein VoIP-Phone, einen Office-Drucker und ein Video-Abspielgerät Firmennetzwerke an, um sich dort festzusetzen und weiter auszubreiten. Nicht abgeänderte Default-Passwörter des Herstellers und vernachlässigte kritische Sicherheits-Updates spielten ihnen dabei in die Hände.

Mangelndes Risikobewusstsein
Werden klassische Endgeräte wie PCs, Server oder Notebooks heutzutage meist hinreichend überwacht und dank innovativer KI-basierter Endpoint Protection auch immer effektiver abgesichert, wird die Gefahr, die von IoT-Devices ausgeht, immer noch stark unterschätzt und entsprechende Sicherheitsüberprüfungen falsch priorisiert – mit fatalen Folgen. Drucker, Webcams, Router, WLAN Access-Points oder Klima-Kontrollen sind jedoch mindestens genauso gefährdet wie der klassische Computer und bieten Angreifern dieselben Möglichkeiten, um Netzwerke zu infiltrieren oder sensible Daten abzugreifen. Man denke hier auch an die neuesten Schlagzeilen rund um Ransomware-Angriffe auf Spiegelreflexkameras von Canon.

Sicherheitstests zeigen, wo Handlungsbedarf besteht
So lange es auch Markführern wie Cisco oder Microsoft nicht gelingt, Firmware frei von Schwachstellen zu liefern, sind Unternehmen und Serviceprovider aufgefordert, selbst aktiv nach Verwundbarkeiten in den eingesetzten Geräten zu suchen. Um später keine bösen Überraschungen zu erleben, muss die Firmware von neuen IoT-Devices idealerweise schon vor deren Einsatz auf Sicherheitslücken wie hartkodierte Hashes überprüft werden. Nur so können Schutz- und Abwehrmaßnahmen wie z.B. Firewall-Konfigurationen rechtzeitig daran angepasst werden. (SEC Technologies: ra)

eingetragen: 24.09.19
Newsletterlauf: 18.11.19

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Meldungen: Hintergrund

  • Zunahme von Angriffen mit JavaScript-Skimmern

    Im Jahr 2020 könnten es - laut Vorhersagen von Kaspersky - finanziell motivierte Cyberkriminelle vermehrt auf Apps zur Geldanlage, Systeme zur Verarbeitung von Finanzdaten online und aufstrebende Krypto-Währungen abgesehen haben. Zudem werden sich voraussichtlich der Handel mit Zugängen zur Infrastruktur von Banken und die Entwicklung neuer Varianten mobiler Malware basierend auf Sourcecode-Leaks etablieren. Neben den Bedrohungen im Finanzbereich hat Kaspersky im Rahmen ihres "Security Bulletins 2019/2020" auch mögliche Gefahren für andere Branchen prognostiziert.

  • Prognosen zur Anwendungssicherheit für 2020

    Veracode veröffentlichte vor kurzem die zehnte Ausgabe ihres jährlich erscheinenden "State of the Software Security" (SoSS)-Reports. In diesem beschreibt die Anwendungssicherheitsspezialistin, wie sich die Sicherheit von Software und Applikationen im Laufe der letzten Jahre entwickelt hat und stellt eine Bilanz zum aktuellen Ist-Stand auf. Doch welche Trends zeichnen sich für die kommenden Jahre ab und auf welche Weise sollten Unternehmen auf die Veränderungen reagieren? Codes, auf denen Software und Applikationen aufbauen, werden stetig umgeschrieben oder erweitert, da Unternehmen ihre Angebote an die Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen müssen. Jede neue Veränderung bedeutet aber auch, dass die Applikationen dadurch angreifbar werden. Somit steigt das Risiko, dass sich Fehler und Bugs einschleichen und damit die Sicherheit der jeweiligen Anwendung - oder sogar des Unternehmens - gefährden.

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    Die Bedrohungslage für OT-Systeme, kritische Infrastrukturen und industrielle Steuerungsanlagen wird sich auch 2020 im Vergleich zu 2019 kontinuierlich weiterentwickeln. Da diese Systeme dem öffentlichen Internet immer stärker ausgesetzt sind, wird es für Hacker immer einfacher, sie anzugreifen. Dies gilt nicht nur für staatlich unterstützte bzw. beauftragte Angreifer, sondern auch für Cyberkriminelle, die in erster Linie finanziell motiviert handeln. Es ist zu befürchten, dass gerade staatlich gesteuerte Angreifer ihre Ziele genauer auswählen und ihre Spuren besser verwischen werden. Die Fälle, von denen in den Medien berichtet wird, dürften nur die Spitze des Eisberges darstellen. Aufgrund der kleinen Stichprobe (2019 gab es lediglich 12 hochkarätige Angriffe weltweit) ist es unmöglich, ein genaues Bild über die tatsächliche Bedrohungslage zu erhalten.

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    Am Ende jedes Jahres setzen wir bei Forescout uns zusammen und erörtern, welche Trends sich unserer Meinung nach in den nächsten zwölf Monaten beschleunigen und welche neu entstehen werden. Als wir dieses Jahr mehr als 50 Prognosen auf letztendlich sechs eingrenzten, fiel uns einmal mehr auf, wie schnell sich der Cybersicherheitssektor doch verändert. Die Bedrohungen und Angreifer werden immer raffinierter und richten weiter verheerende Schäden in Unternehmen aller Größen und Branchen an, und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie strategischer denn je vorgehen müssen, wenn sie ihren Sicherheitsstatus verbessern wollen. Es bedeutet auch, dass sie sich mit vielversprechenden neuen Technologien auseinandersetzen müssen - einige davon erwähnen wir im Folgenden -, noch bevor diese sich allgemein etabliert haben. Dies umfasst sowohl die Einführung neuer Technologien als auch den Schutz neuer Geräte. Und schließlich bedeutet es, einige der Auswirkungen zu bedenken, die ein Cyberangriff auf wichtige Pfeiler unserer Gesellschaft haben könnte.

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