- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Markt » Hintergrund

Offensichtliche Verletzung der Meldepflicht


Würde die DSGVO bereits gelten, müsste Yahoo einen großen Scheck ausstellen
Neben vielen anderen Unstimmigkeiten bei diesem Vorfall ist es durchaus verwunderlich, dass Yahoo schon im Sommer von diesem Sicherheitsvorfall wusste

- Anzeigen -





Die Datenschutz-Apokalypse bei Yahoo wird nun von zwei EU-Datenschutzbehörden unter die Lupe genommen. Die britische Datenschutzaufsichtsbehörde ICO, die das Ausmaß der Attacke als "erschütternd" bezeichnete, kündigte an, den Fall genauer zu untersuchen. Anmerkung am Rand: das ICO äußert sich übrigens eher selten in dieser Art und Weise zu aktuellen Sicherheitsereignissen.

Auch der Leiter der Datenschutzbehörde in Irland, wo sich die europäische Unternehmenszentrale von Yahoo befindet, stellt kritische Fragen. Sogar das amerikanische FBI schaltete sich ein, weil möglicherweise ein Staat (wahrscheinlich Russland) hinter dem Angriff auf Yahoo steckt.

Das aktuelle Gesetz
Neben vielen anderen Unstimmigkeiten bei diesem Vorfall ist es durchaus verwunderlich, dass Yahoo schon im Sommer von diesem Sicherheitsvorfall wusste. Nachdem nämlich die Nutzerdaten bereits im Darknet zum Verkauf angeboten wurden. Die gestohlenen Daten scheinen auf einen Angriff zurückzugehen, der sich bereits 2014 ereignete.

Es handelt sich also um eine offensichtliche Verletzung der Meldepflicht.

Oder doch nicht!?
Das einzige US-amerikanische Gesetz auf Bundesebene, das eine strikte Meldepflicht vorschreibt, gilt nur für personenbezogene medizinische Daten, die von "unter das Gesetz fallenden Einrichtungen" wie Versicherungsgesellschaften, Krankenhäusern und Gesundheitsdienstleistern gespeichert werden. Dieses Gesetz ist der Health Insurance Portability and Accountability Act, kurz HIPAA.

Die US-Regierung hat also keine Möglichkeit, Yahoo aufgrund der extrem verspäteten Meldung des Sicherheitsvorfalls zu sanktionieren.

In 47 US-Bundesstaaten gibt es Gesetze, die eine Meldepflicht vorschreiben. Diese würden hier zwar greifen, doch die Strafe hängt in der Regel vom jeweiligen Schaden für die Verbraucher ab, der sich konkret nur schwer nachweisen lässt.

Die einzige Ausnahme bildet wie immer Kalifornien, wo sich der Unternehmenssitz von Yahoo befindet. Dort müssen unbefugte Datenzugriffe sofort nach Bekanntwerden gemeldet werden. Yahoo steht also ein Besuch des Attorney General von Kalifornien ins Haus.

Man würde meinen, dass die Europäische Union Datenschutzverletzungen strenger ahndet als die USA.

Doch die aktuell gültige EU-Datenschutzrichtlinie schreibt keine Meldepflicht für Sicherheitsvorfälle vor. Dies war auch einer der Gründe für die Ausarbeitung der Datenschutz-Grundverordnung, die ab Mai 2018 gilt.

Rechtliche Konsequenzen
Möglicherweise wird Yahoo dennoch auch in der EU nicht ganz ungeschoren davonkommen: Die Datenschutzrichtlinie verlangt nämlich angemessene Sicherheitsmaßnahmen (Artikel 16). Yahoo könnte also theoretisch aufgrund unzureichender Datenschutzvorkehrungen belangt werden.

Allerdings handelt es sich bei Yahoo um ein US-Unternehmen, dessen Datenerfassungsserver sich hauptsächlich außerhalb der EU befinden. Es kann also durchaus sein, dass der lange Arm der Datenschutzrichtlinie doch nicht lang genug ist.

Die Lage ist also alles andere als eindeutig. Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, inwieweit die aktuelle Datenschutzrichtlinie auch für Nicht-EU-Unternehmen gilt, dann finden Sie in diesen Blog-Eintrag eine gute Analyse der Rechtslage.

Aufgrund der offensichtlichen Unzulänglichkeiten tauscht die EU die aktuelle Richtlinie gegen die DSGVO aus. Diese schreibt eine Meldepflicht sowie schwindelerregende Strafen bei Verstößen vor. Außerdem vertritt sie das Prinzip der "Extraterritorialität" und gilt somit auch für Unternehmen außerhalb der EU.

Einen Überblick über die Datenschutzvorschriften in der EU, finden Sie auch in unserem Whitepaper.

Wäre die DSGVO bereits anwendbar – was erst ab dem 25. Mai 2018 der Fall sein wird – und Yahoo hätte den Diebstahl persönlicher Daten von 500 Millionen Nutzern nicht innerhalb von 72 Stunden an eine Datenschutzbehörde gemeldet, würden dem Unternehmen massive Strafen drohen.

Wie massiv?

Nachgerechnet: Strafen nach DSGVO
Ein Verstoß gegen die in Artikel 33 der DS-GVO verankerte Meldepflicht kann Strafen in Höhe von zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes nach sich ziehen. Der Umsatz von Yahoo lag in den letzten Jahren jenseits der 4,5 Milliarden US-Dollar-Grenze.

Unter der Geltungspflicht der DSGVO müsste Yahoo also mindestens 90 Millionen US-Dollar an die EU überweisen.

Und dann ist noch Verizon mit einem Jahresumsatz von mehr als 130 Milliarden US-Dollar gerade dabei, Yahoo zu kaufen. Wäre die Übernahme bereits vollzogen, dann müsste Verizon mit einer Strafe von zwei Prozent der 134 Milliarden, also etwa 268 Millionen US-Dollar, rechnen.

Was lernen wir daraus? Große multinationale und US-Unternehmen mit einer weltweiten Internetpräsenz sollten jetzt für den Fall eines Yahoo-ähnlichen Sicherheitsvorfalls nach dem 25. Mai 2018 vorsorgen. (Varonis: ra)

eingetragen: 20.12.16
Home & Newsletterlauf: 20.01.17


Varonis: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -



Meldungen: Hintergrund

  • Hacktivismus im Katalonien-Konflikt

    Nach einem Bericht von Digital Shadows hat die Threat Intelligence-Anbieterin seit 24. Oktober eine wachsende Anzahl an Angriffen und Social Media-Aktivitäten im Zusammenhang mit der OpCatalunya (OpCatalonia) Hacktivismus-Kampagne verzeichnet. OpCatalunya wurde Ende September 2017 von Mitgliedern des Anonymous-Kollektivs als Reaktion auf die anhaltenden politischen und sozialen Spannungen zwischen der autonomen Regionalregierung in Katalonien und der spanischen Regierung in Madrid gegründet.

  • "Bad Rabbit" zeigt Verwundbarkeit der Netze

    Erneut sieht sich vor allem Osteuropa einer neuen Ransomware-Attacke gegenüber. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit vergleichbaren Angriffen (WannaCry, NotPetya) mahnt die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY Unternehmen und Institutionen auf der ganzen Welt zur Vorsicht und empfiehlt, umgehend Datenverbindungen ins Ausland intensiv zu beobachten. Insbesondere bei NotPetya hatte sich gezeigt, dass der zunächst lokale Angriff andernfalls schnell zu einem internationalen Problem werden kann. Auch in Deutschland waren international operierende Unternehmen aufgrund der Verflechtung Ihrer Datennetze von mehrtägigen Produktionsausfällen betroffen. Dies gilt es nun von Anfang an zu verhindern.

  • Die zwei Gesichter des IoT

    Im IT-Bereich gibt es ein hohes Bedrohungspotential durch Hacker und Cyberkriminelle. Die Sicherheitsspezialisten von F5 Networks haben die aktuellen Gefahren für Unternehmen und mögliche Gegenmaßnahmen zusammengefasst. Im Cloud-Zeitalter reicht die Absicherung des Netzwerk-Perimeters nicht mehr aus. Eine wirksame Cloud-Architektur sorgt nicht nur für die notwendige Flexibilität, sondern auch über Web Application Firewalls (WAF) für stärkere Transparenz in Bezug auf den Netzwerk-Traffic. Dabei müssen Risiken über dynamische, zentrale, anpassungsfähige Zugangssteuerung sowie umfassende Multi-Cloud-Ansätze für alle Anwendungen unabhängig von ihrem Standort minimiert werden. Zudem schützen nur moderne DDoS-Lösungen vor gezielten Angriffen.

  • Das Ende der VPN-Netze wird eingeläutet

    Die europäischen Unternehmen modernisieren im Zuge der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse ihre Arbeitsplätze. Diese fünf Themen stehen dabei in der zweiten Jahreshälfte 2017 im Vordergrund: Security, Servicifizierung, Device-Vielfalt, die Abschaffung der VPN-Netze und die Einführung eines kontinuierlichen Software Asset Managements. Die Modernisierung der Arbeitsplätze in den europäischen Unternehmen ist in vollem Gange. Die Prioritäten bei der Umsetzung werden in vielen Unternehmen aber im zweiten Halbjahr 2017 etwas anders gesetzt als bislang.

  • Dramatischer Anstieg der Cyberkriminalität

    Seit 2013 haben sich die Technik und die Sicherheitslage in der Europäischen Union rasend schnell verändert. Digitale Technologien sind inzwischen fester Bestandteil unseres täglichen Lebens und das Rückgrat unserer Wirtschaft. Die durch das Internet der Dinge ausgelöste Revolution ist heute Alltagsrealität, und bis 2020 werden wohl Zigmilliarden Geräte online sein. Gleichzeitig gibt es immer mehr Cyberbedrohungen unterschiedlichster Art. Angesichts der jüngsten Ransomware-Attacken, des dramatischen Anstiegs der Cyberkriminalität, der immer stärkeren Nutzung von Cyberinstrumenten durch Staaten, die damit ihre geopolitischen Ziele erreichen wollen, und der immer vielfältigeren Cybersicherheitsvorfälle muss die EU in der Lage sein, besser auf Cyberattacken zu reagieren und eine wirksame - auch strafrechtliche - Abschreckungsstrategie verfolgen, um Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen in der EU besser zu schützen. Deshalb schlagen die Kommission und die Hohe Vertreterin - wie von Kommissionspräsident Juncker in seiner Rede zur Lage der Union am 13. September bereits angekündigt - heute vor, die Abwehrfähigkeit und Reaktion der EU bei Cyberattacken zu verbessern, indem die Agentur der Europäischen Union für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) gestärkt, ein EU-weiter Rahmen für die Cybersicherheitszertifizierung eingeführt, ein Konzeptentwurf für die Reaktion auf große Cybersicherheitsvorfälle und -krisen vorgestellt und ein Europäisches Forschungs- und Kompetenzzentrum für Cybersicherheit gegründet werden soll.