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Kundenportale & Webseiten sind Schwachstellen


Experte Christian Book warnt: Web-Applikationen laden Hacker geradezu ein
Datendiebstahl durch russische Hacker keine Überraschung - Unternehmen oftmals zu sorglos

(21.08.14) - Am 6. August 2014 ist der mutmaßlich größte Datendiebstahl aller Zeiten bekannt geworden: Unbekannte Hacker sollen sich nach Angaben der US-amerikanischen IT-Firma Hold Security Zugang zu 1,2 Milliarden Passwörtern und Nutzernamen verschafft haben. Dies geschah über rund 420.000 Webseiten, darunter auch die Präsenzen großer Unternehmen. Für Christian Book, Senior Consultant beim IT-Beratungsunternehmen Ceyoniq Consulting, kommt der Vorfall wenig überraschend.

Frage: Hat Sie die Nachricht von dem mutmaßlichen Datendiebstahl überrascht?
Christian Book:
Der Diebstahl an sich nicht, der kolportierte Umfang hingegen schon. Generell gilt aber: Die Zahl der Hacker-Angriffe auf Web-Applikationen und das Ausmaß der damit verbundenen Schäden für Unternehmen und deren Kunden steigen.

Frage: Wo genau setzen die Hacker an?
Book:
Web-Applikationen wie Internetpräsenzen, Web-Shops oder Kundenportale sind für Hacker interessant. Diese Anwendungen enthalten häufig Programmierfehler, die ein Angreifer ausnutzen kann. Weit verbreitet sind beispielsweise sogenannte SQL-Injections, bei denen der Angreifer große Datenmengen beispielsweise mit Kundendaten oder Passwörtern aus Datenbanken stiehlt oder gezielt einzelne Datensätze manipuliert. Darüber hinaus bieten die Netzwerke der Unternehmen verschiedene Schwachstellen, von schlecht administrierten Firewall-Systemen bis hin zu Betriebssystemen, die nicht regelmäßig durch Updates aktualisiert werden.

Frage: Warum schützen sich die Unternehmen nicht ausreichend?
Book:
Einerseits ist vielen Unternehmen das Risikopotential nicht bewusst, da IT-Risikoanalysen insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen nur selten durchgeführt werden. Andere Unternehmen denken, sie seien für Angreifer gar nicht interessant oder argumentieren, dass bisher noch nie etwas passiert sei. Nicht zuletzt scheitert das Thema Informationssicherheit in einigen Fällen an den Ressourcen. Es mangelt an ausgebildeten Fachkräften und den notwendigen Budgets.

Frage: Wie entwickelt sich das Bewusstsein für solche Gefahren?
Book:
Generell rückt das Thema Informationssicherheit in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus. Schwerwiegende Hacker-Attacken auf große Konzerne wie Sony und die mediale Berichterstattung über Datenschutzverstöße schaffen ein Risikobewusstsein. Mit dem Bekanntwerden der NSA-Spionageprogramme wurde die Aufmerksamkeit noch einmal merklich erhöht. Wir registrieren seit einiger Zeit steigende Anfragen von kleinen und mittelgroßen Unternehmen.

Frage: Was können Unternehmen jetzt tun?
Book:
Die letztlich Betroffenen sind in erster Linie Privatpersonen. Für sie ist es jetzt abermals ratsam, wichtige Passwörter zu ändern. Tatsächlich aber sind es die Betreiber von Web-Anwendungen, die ihre Hausaufgaben machen müssen. Viele Beratungsunternehmen bieten entsprechende Sicherheitsprüfungen an, zum Beispiel sogenannte Penetrationstests, bei denen Hacker-Angriffe simuliert werden. So lässt sich oft relativ schnell feststellen, ob und wo Handlungsbedarf besteht.

Über Christian Book:
Christian Book ist Senior Consultant beim IT-Beratungsunternehmen Ceyoniq Consulting GmbH. Der studierte Wirtschaftsinformatiker arbeitet als "ethischer" Hacker und ist als sogenannter Penetrationtester vom International Council of Electronic Commerce Consultants (EC Council) lizenziert.
(Ceyoniq Consulting: ra)

Ceyoniq Consulting: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

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Meldungen: Interviews

  • DDoS-Trends und Analysis

    Guido Erroi von Corero Network Security beantwortet einige zusätzliche Fragen zum "Corero DDoS Trends Report": "Der aktuelle Corero-Report hat DDoS-Angriffsversuche auf die Netzwerke von Kunden genauer untersucht und hebt insbesondere kurze, häufig stattfindende Angriffe mit geringer Bandbreite hervor. Im Gegensatz zu den schlagzeilenträchtigen Volumenangriffen des letzten Jahres dominiert nämlich ein anderer Attacken-Typus unsere Ergebnisse. Die überwiegende Mehrzahl der Angriffe gegen Corero-Kunden im ersten Quartal 2017 weltweit - nämlich 98 Prozent - hatten lediglich ein Volumen von weniger als 10 Gbps. Dazu kommt, dass nahezu drei Viertel (71 Prozent) der von Corero verhinderten Angriffe 10 Minuten oder weniger dauerten. Insgesamt verzeichneten Corero-Kunden eine durchschnittliche Zahl von 124 DDoS-Angriffen pro Monat was 4,1 Angriffen pro Tag während des ersten Quartals 2017 entspricht. Das ist ein Anstieg von 9 Prozent verglichen mit dem vierten Quartal 2016."

  • Compliance-Anforderungen steigen

    Die Banken- und Finanzenbranche verfügt neben den allgemein geltenden Gesetzen über eigene Branchenregularien, wenn es um die Themen Datenschutz und IT-Sicherheit geht. Jetzt ändert sich die Situation erneut mit der in weniger als einem Jahr in Kraft tretenden EU-Datenschutzgrundverordnung. Dazu hier zwei der wichtigsten Fragen und Antworten von Malcolm Harkins, Chief Security and Trust Officer bei Cylance.

  • Malware-Infektionen verhüten

    Laut aktueller Securelist ist die Zahl der Angriffe, die auf dem Ausnutzen einer Schwachstelle beruhen 2016 um 24,54 Prozent mit insgesamt 702.026.084 Versuchen angestiegen. Betroffen waren davon 2016 4.347.966 Benutzer, was 20,85 Prozent weniger Betroffene sind als im Jahr zuvor. Die Zahl der Nutzer in Unternehmen, die wenigstens ein Mal von einem solchen Angriff betroffen waren, ist um 28,35 Prozent auf 690.557 angestiegen, was 15,76 Prozent der Gesamtzahl der in Unternehmen betroffenen Nutzer entspricht.

  • DDoS-Attacken und Lösegeldforderungen

    Eine der jüngsten Erhebungen von Kaspersky Lab hat ergeben, dass Cyberkriminelle bei DDoS-Attacken von satten Margen profitieren. Bis zu 95 Prozent seien zu holen, so will Kaspersky herausgefunden haben. DDoS-Angriffe können dabei so ziemlich jeden Preis haben. Die Range reicht von 5 Dollar für eine 300-Sekunden Attacke bis zu 400 Dollar für eine 24 Stunden dauernde. Der durchschnittliche Preis für einen Angriff liegt bei rund 25 Dollar pro Stunde. Und die Experten der Kaspersky Labs haben noch etwas herausgefunden. Würde man bei einer Botnetz-basierten Attacke ein Netz von 1.000 Desktops zugrunde legen würde das den Anbieter etwa 7 Dollar pro Stunde kosten. Das heißt umgerechnet, dass Cyberkriminelle bei einer derartigen Attacke etwa 18 Dollar Profit pro Stunde machen. Dazu kommen dann gegebenenfalls noch Lösegeldforderungen, verbunden mit dem Angebot an das potenzielle Opfer die angedrohte Attacke noch verhindern zu können.

  • Cyberbedrohungen 2017

    Mit welchen Bedrohungen werden sich Unternehmen 2017 vermehrt konfrontiert sehen, welche von ihnen ist der "Spitzenreiter", was tut die Industrie und wie können sich Unternehmen am besten wappnen, wenn es insbesondere um DDoS-Angriffe geht? Dazu beantwortet Guido Erroi, Regional Director DACH beim Spezialisten für DDoS-Abwehr Corero Network Security acht Fragen. Die gesamte Bedrohungslandschaft wird 2017 weiterhin stark in Bewegung sein. Damit müssen sich Unternehmen und Institutionen verstärkt auseinandersetzen. Angreifer sind äußerst erfindungsreich. Und sie sind versiert darin bestehende Schwachstellen auszunutzen und neue Angriffsmethoden zu entwickeln. Das gilt nicht zuletzt für DDoS-Attacken. Die zugrunde liegenden Technologien werden intelligenter und zielgerichteter.