- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Markt » Kommentare & Meinungen

Sicherheitsfragen auf dem Prüfstand


Kein Mittelweg: Sicherheitsfragen sind entweder zu leicht oder zu schwer
Studie zeigt, wie leicht Hacker die Antworten auf Sicherheitsfragen erraten können

Von Tony Anscombe, Senior Security Evangelist bei AVG Technologies

(31.07.15) - "In welcher Stadt wurden Sie geboren?" oder "Wie lautet der Mädchenname Ihrer Mutter" – Sicherheitsfragen wie diese sollen dabei helfen, dass Anwender im Falle eines vergessenen Passwortes dieses zurücksetzen und Zugang zu ihrem E-Mail- oder Banking-Account bekommen. Google hat nun in einer US-Studie geprüft, wie sicher diese "Sicherheitsfragen" wirklich sind, und herausgefunden, dass Hacker die Antworten auf diese Fragen oft leicht erraten können. Abhilfe kann eine doppelte Authentifizierung und eine kniffeligere Sicherheitsfrage oder eine Kombination einfacher Fragen schaffen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass durch Sicherheitsfragen alleine Nutzer ihre Online Account-Zugänge weder sicher noch zuverlässig schützen können. Eine fundamentale Schwachstelle der Fragen ist dabei laut Google, dass sie entweder so schwer sind, dass sich Nutzer die Antworten nicht merken konnten, oder aber so leicht, dass Hacker die Antworten leicht erraten können.

Bei der Frage "Was ist ihr Lieblingsessen" haben Hacker laut Google-Studie eine 19,7prozentige Chance die richtige Antwort gleich im ersten Versuch zu erraten. Das andere Extrem zeigt sich bei der Sicherheitsfrage nach der Nummer der Vielfliegerkarte. Diese Antwort ist für Hacker fast unmöglich zu knacken. Das gilt allerdings auch für die Account-Nutzer selber: Nur 22 Prozent der Befragten konnten sich an die richtige Nummer erinnern und mit neun Prozent noch deutlich weniger an die Nummer ihrer Bibliothekskarte.

Haben Hacker die Antwort herausgefunden, können sie selbst das Passwort ändern und somit den Account nutzen und den eigentlichen Besitzer "aussperren". Das ist vor allem bei Konten, die sensible oder persönliche Daten beinhalten – wie etwa E-Mail-Postfächer und Konten, von denen Einkäufe getätigt werden oder bei denen Bankdaten hinterlegt sind – kritisch und kann richtig teuer werden.

Zu einfach oder zu kompliziert: Bei Sicherheitsfragen ist der Mittelwert meist schwer zu finden

Lösung: Doppelte Authentifizierungsmechanismen bei Passwortverlust
Um ihr Konto zu schützen, können Anwender eine "zweigleisige Recovery-Strategie" einführen. Dabei hinterlegen sie für den Fall eines Passwortverlustes zusätzlich zu der Sicherheitsfrage noch eine alternative E-Mail-Adresse oder eine Handynummer, an die dann eine Sicherheitsabfrage geschickt wird. Dies erhöht die Sicherheit bei Passwortverlusten, da Hacker schwerlich sowohl an die Antwort auf die Sicherheitsfrage als auch an das Passwort und die Adresse des zweiten E-Mail-Accounts beziehungsweise die Handynummer gelangen.

Eine weitere Möglichkeit, sein Konto zu schützen, ist die Kombination zweier einfacher Sicherheitsfragen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass Hacker beide Antworten erraten, ist gering. In der Studie fand Google heraus, dass 6,9 Prozent beziehungsweise 14,6 Prozent der Hacker die Fragen nach dem Geburtsort beziehungsweise dem zweiten Vornamen des Vaters im ersten Versuch erraten konnten, wenn diese als einzige Sicherheitsfrage gestellt wurden. Wurden die Fragen hingegen kombiniert, erriet nur noch 1 Prozent innerhalb der ersten zehn Versuche die richtigen Antworten, während 59 Prozent der Anwender sich an beide Antworten erinnerten.

Online Account-Inhaber sollten daher nicht blind auf Sicherheitsfragen vertrauen, sondern mehrere Sicherheitsschichten aus Passwörtern und kombinierten Sicherheitsfragen erstellen. (AVG Technologies: ra)

AVG Technologies: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Kommentare und Meinungen

  • Abbild der momentanen IoT-Sicherheit

    Das Internet der Dinge ist Fluch und Segen zugleich: Während vernetzte Geräte unseren Alltag optimieren und Unternehmen neue lukrative Geschäftsmöglichkeiten eröffnen, sind die Auswirkungen der zunehmenden Vernetzung auf unsere physische und digitale Sicherheit weniger positiv. Tatsache ist: Im gleichen Maße, indem die Zahl von IoT-Geräten steigt, steigt auch das Risiko für Missbrauch, Datendiebstahl oder gefährlichen Manipulationen. Und dafür ist nicht einmal großes Hackergeschick vonnöten: Vielmehr reichen ein herkömmlicher Telekom-Router und eine einfache Fehlkonfiguration aus, um für einen schweren Datenschutzvorfall zu sorgen. So passiert jüngst in einer niedersächsischen Arztpraxis. Deren 30.000 sensible Patienten- und Mitarbeiterdaten waren über einen Windows-Server für jedermann im Internet frei zugänglich. Ein Supergau - nicht nur in Hinblick auf die EU-DSGVO.

  • Datenschutz im Gesundheitswesen

    Mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist das Thema Datenschutz auch bei Privatpersonen in den Fokus gerückt: Niemand möchte persönliche Daten in den falschen Händen sehen. Jedoch zeigt die Vergangenheit, dass gerade in einem äußerst sensiblen und wichtigen Sektor großer Nachholbedarf besteht: Beim Datenschutz im Gesundheitswesen. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group aufmerksam und verweisen auf eine kürzlich erschienene Studie zur IT-Sicherheit bei Ärzten und Apotheken des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Demnach sind vor allem mangelndes Wissen der Mitarbeiter sowie Hürden in der Umsetzung der IT-Sicherheit Ursachen für Datenskandale: Patientendaten werden häufig unverschlüsselt und damit für jeden einsehbar per E-Mail versendet. "Aufgrund der Unwissenheit öffnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Praxen und Apotheken E-Mail-Anhänge von zwar unbekannten, jedoch vermeintlich unauffälligen Absendern, ohne diese vorher genau zu prüfen. Fallen diese Mitarbeiter auf solche Phishing-E-Mails herein, sind Patientendaten in Gefahr. Auch durch die fehlende Verschlüsselung ist die Gefahr sehr hoch, dass digitale Patientenakten in die Hände unbefugter Dritter gelangen", warnt Patrycja Tulinska, Geschäftsführerin der PSW Group.

  • Wenn der Datenschutz dem Gesetz ein Bein stellt

    Mit dem DVG sollte die Digitalisierung im Gesundheitswesen endlich richtig Fahrt aufnehmen. Aber wieder einmal bewahrheitet sich leider nicht das Sprichwort ‚Was lange währt, wird endlich gut'. Denn das Bundesgesundheitsministerium hat in einem neuen Entwurf zum DVG die bisher geplanten Regelungen zur elektronischen Patientenakte gestrichen. In der Ressortabstimmung merkte das Justizministerium datenschutzrechtliche Bedenken an. Sensible Informationen zum Gesundheitszustand würden stärkere Schutzmechanismen benötigen. Weiter ging es auch um Unklarheiten bei der Frage, welche Anwendungen zuerst in der Akte verfügbar sein müssen und die scheinbare Problematik, dass Patienten im ersten Schritt keine Zuordnung vornehmen können, welche der behandelnden Ärzte welche Daten einsehen können. In der aktuellen Gesetzesvorlage heißt es, dass in einem zeitnah folgenden zusätzlichen Gesetz die elektronische Patientenakte Berücksichtigung finden soll, damit die Versicherten wie bereits festgelegt ab 2021 von der ePA profitieren können.

  • Schutz der eigenen Mitarbeiter

    Der Digitalverband Bitkom hat mehr als 1.000 Geschäftsführer und Sicherheitsverantwortliche in Deutschland befragt. 75 Prozent der befragten Unternehmen waren danach in den vergangen zwei Jahren Ziel von Cyber-Attacken. Auffällig dabei: Die größte Tätergruppe - wenn es um Datendiebstahl geht - sind die eigenen Mitarbeiter, die zum Beispiel einen USB-Stick mit Kundendaten mitnehmen, wenn sie das Unternehmen verlassen. Christian Patrascu, Senior Director, Sales Central Eastern Europe von Forcepoint, nimmt dazu Stellung.

  • Sicherheitslücken in vielen Android-Smartphones

    Das Oberlandesgericht in Köln hat eine Klage von Verbraucherschützern zurückgewiesen. Inhalt: Elektronikmärkte verkaufen bewusst veraltete und unsichere Android-Smartphones, ohne Kunden auf die Risiken hinzuweisen. Das dürfen sie auch weiter tun. Die Klage vom Juli 2017 weckte Hoffnungen bei vielen Sicherheitsexperten, die schon lange vor Sicherheitslücken in vielen Android-Smartphones warnen. Diese werden nämlich nicht mehr behoben und stellen deshalb ein Risiko für die persönlichen Daten von Nutzern dar. Verbraucherschützer wollten in einem Gerichtsurteil erwirken, dass Geräte mit einer veralteten Android-Version nur noch mit einem entsprechenden Hinweis verkauft werden dürfen, da sie gut dokumentierte und nicht behebbare Mängel bei der Sicherheit aufwiesen.