- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Markt » Kommentare & Meinungen

Cyber-Sicherheit in der Digitalisierung


Weiterhin hohes Gefährdungspotential durch Ransomware
"security by default" stellt sicher, dass auch unerfahrene Anwender mit einer Systemkonfiguration agieren, die ihnen und ihren Daten einen effektiven Schutz bei der Nutzung von IT-Systemen gewährleistet

- Anzeigen -





Kommentar von Dr. Florian Scheuer, CTO von Dracoon

BSI-Präsident Arne Schönbohm und Innenminister Horst Seehofer hat den aktuellen Bericht der Bundesbehörde vorgestellt. Die absoluten Zahlen der Bedrohungen und Angriffe haben sich in allen Bereichen über die Jahre weiter nach oben entwickelt. Dies ist nicht besonders verwunderlich, da einerseits die Digitalisierung von Behörden und Unternehmen voranschreitet und andererseits auch die Detektierung von IT-Sicherheitsvorfällen durch höhere Awareness in den Unternehmen und Meldepflichten zunehmen dürfte. Leider finden sich im Bericht keinerlei Forschungsergebnisse über die Dunkelziffer von erfolgreichen Angriffen. Zudem gibt es eine durchgehende Vermengung der Zahlen zwischen detektierten abgewehrten und erfolgreichen (festgestellten) Angriffen, die eine Interpretation der Daten schwierig macht.

Dennoch lässt sich dem Bericht entnehmen, dass Ransomware – obwohl weitestgehend aus der medialen Berichterstattung verschwunden – immer noch eine große Bedrohung darstellt und auch weiterhin erheblichen Schaden verursacht. Vor allem die zunehmende Aufsplitterung der Schadsoftware-Familien macht nach Einschätzung des BSI eine zuverlässige Erkennung der Ransomware immer schwieriger. Deshalb sind flankierende Maßnahmen, die eine Wiederherstellung von verschlüsselten Dateien ermöglichen, zwingend erforderlich.

Das BSI betont im Fazit des Lageberichts, dass die "Cyber-Sicherheit in der Digitalisierung" vor dem gegebenen Bedrohungshintergrund stärker berücksichtigt werden muss. Insbesondere fordert die Behörde den Einsatz von Systemen in der Verwaltung, in der Wirtschaft und bei Privatanwendern, die nach dem Grundsatz von "security by design" und "security by default" entwickelt wurden.

Bei Systemen, die unter Berücksichtigung von "security by design" entworfen wurden, wurden bereits in der Frühphase ihrer Entwicklung Sicherheitsfunktionen tief konzeptionell verankert. Häufig zeigt sich, dass beispielsweise das Nachrüsten einer wirksamen Client-seitigen Verschlüsselung zum effektiven Schutz von Informationen nicht einfach gelingt und mitunter eine Verschlechterung der Benutzbarkeit mit sich bringt – das prominenteste Beispiel dafür dürfte E-Mail-Verschlüsselung sein. Hinzukommt, dass "security by default" sicherstellt, dass auch unerfahrene Anwender mit einer Systemkonfiguration agieren, die ihnen und ihren Daten einen effektiven Schutz bei der Nutzung von IT-Systemen gewährleistet. Diese beiden Aspekte wirken damit entscheidend hohen wirtschaftlichen, aber auch ideellen Schäden entgegen.

Bedauerlich ist, dass das BSI keinerlei Bezug auf den Handel mit Sicherheitslücken nimmt, der weiterhin durch verschiedene deutsche Behörden durchgeführt wird und sich somit nicht klar gegen diese Praxis positioniert. Das Agieren auf dem bestehenden – und somit staatlich geförderten – Markt für Schwachstellen bedroht die Sicherheit deutscher Unternehmen und Behörden massiv, da die dort angebotenen und erworbenen Sicherheitslücken in der Regel in einer Vielzahl aktuell genutzter Systeme bestehen und nicht an die betroffenen Hersteller zur Beseitigung gemeldet werden. Eine Sicherheit, dass diese Sicherheitslücken nicht an weitere Akteure verkauft oder von diesen selbst entdeckt werden, gibt es dabei nicht.

Dennoch verdeutlicht der aktuelle BSI-Bericht vor allem eines: Die wachsende Bedrohungslage im Bereich der IT-Sicherheit in Deutschland sollte von Betrieben und IT-Herstellern zum Anlass genommen werden, ihre Lösungen im Hinblick auf Datensicherheit und Datenschutz zu prüfen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Eine entscheidende Rolle spielen dabei eine datenschutzfreundliche Technikgestaltung sowie eine datenschutzfreundliche Voreinstellung, die eine Software bereits bei ihrer Entwicklung berücksichtigen sollte. (Dracoon: ra)

eingetragen: 26.10.18
Newsletterlauf: 15.11.18

Dracoon: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Kommentare und Meinungen

  • Mit der Bedrohungslandschaft Schritt halten

    Hacker haben schon in den 1990er Jahren realisiert, dass es zwar grundsätzlich Spaß machen kann, Codes von Videospielen zu knacken und Daten von unbedarften Nutzern zu stehlen, aber leider gab es darüber hinaus tatsächlich echtes Geld zu verdienen. Hacker suchten daraufhin nach neuen, komplexeren Angriffen. Mittlerweile haben sich Cyberkriminelle einen deutlichen Vorteil verschafft und Wege gefunden, um aus Sicherheitslücken enormes Kapital zu schlagen. Unternehmen auf der ganzen Welt werden von immer destruktiveren Cyberangriffen wie NotPetya und WannaCry hart getroffen. NotPetya etwa lähmte vor nicht allzu langer Zeit große Unternehmen wie FedEx und Merck und verursachte damit insgesamt mehr als zehn Milliarden US-Dollar Schaden.

  • Opfer von Datendiebstahl

    Wie bekannt wurde, steht eine enorm große Datenbank mit E-Mail-Adressen sowie Passwörtern auf der Webseite Dream Market zum Verkauf. Hierbei handelt es sich um eine Schwarzmarkt-Seite, die sich nicht im öffentlich zugänglichen Internet befindet. Insgesamt wurden hier Daten von rund 620 Millionen Accounts kompromittiert. Ersten Informationen der britischen News-Seite The Register zufolge sind die Quellen der Anmeldeinformationen 16 verschiedene Websites und sie waren zwischen den Jahren 2016 und 2018 entwendet worden.

  • Neue Technologien haben Angriffsfläche vergrößert

    Wie in vielen anderen Bereichen der IT sind insbesondere Datenschutzexperten knapp. Dabei hat sich die Situation mit der im Mai letzten Jahres wirksam gewordenen EU-Datenschutz-Grundverordnung noch verschärft. Dazu soll in einigen Monaten die E-Privacy-Verordnung abgeschlossen werden, und außerdem verhandelt die EU momentan die sogenannte E-Evidence-Verordnung. Damit soll der Zugriff von Strafverfolgungsbehörden auf elektronische Beweismittel erleichtert werden. Auch hier sieht Bitkom Nachbesserungsbedarf.

  • EU-DSGVO: Weitere Bußgeldverfahren laufen

    Wie in einer der jüngsten Veröffentlichung in der Online-Ausgabe des Handelsblatts nachzulesen war, haben die Behörden damit begonnen erste Bußgelder wegen Verstößen gegen die EU-Datenschutz-Grundverordnung zu verhängen. Die Strafen fallen derzeit noch verhältnismäßig milde aus. Vor allem dann, wenn die betroffenen Unternehmen Kooperationsbereitschaft mit den Behörden an den Tag legen. Allerdings ließen die Behörden verlautbaren, dass sehr viele weitere Bußgeldverfahren laufen und man die Regeln in Zukunft strenger handhaben würde. Die meisten Verfahren wurden durch Beschwerden von Betroffenen ausgelöst. Nach Angaben der Behörden habe sich das Bewusstsein für die DSGVO deutlich verbessert. Viele Teilbereiche bereiten aber nach wie vor bei der Umsetzung Probleme, und auch der Aufwand stellt kleine und mittlere Unternehmen nicht selten vor große Herausforderungen.

  • CEO & Co. als Zielscheibe von Cyberkriminellen

    Die Wellen in Politik und Presse schlagen hoch, wenn persönliche Daten von Personen des öffentlichen Lebens böswillig exponiert werden. Das zeigt gerade eindrücklich der Datenleak Hunderter deutscher Politiker, Journalisten und Prominenten. Doch auch in Unternehmen herrscht beim Umgang mit sensiblen Daten oft eine gefährliche Mischung aus Unwissenheit und sträflicher Ignoranz. Anders lässt sich der enorme Umfang an sensiblen Daten im Netz nicht erklären.