- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Markt » Kommentare & Meinungen

Sicherheitsschwächen in Mikroprozessoren


Meltdown und Spectre: Bug oder Hintertür? IT-Sicherheitsexperte ist skeptisch
Auch Geheimdienste können die Sicherheitslücken als offene Hintertür nutzen und damit Zugang zu jedem erwünschten System auf der Welt zu erlangen


- Anzeigen -





Die Prozessor-Sicherheitslücken Meltdown und Spectre halten seit Jahresbeginn die gesamte IT-Branche in Atem, denn aus ihr ergeben sich nicht nur über ein Dutzend Angriffsmöglichkeiten. Mögliche Attacken hinterlassen nicht einmal Spuren in traditionellen Log-Dateien. Betroffen sind die Chip-Hersteller Intel, AMD und ARM – und mit ihnen praktisch jeder in Computern verbaute Prozessor seit den 90er Jahren.

Nun meldet sich Christian Heutger, IT-Sicherheitsexperte, zu Wort: "Das Ausmaß ist kaum zu fassen. Die Rede ist nicht nur von Prozessoren, die in unseren privaten wie geschäftlichen IT-Geräten und Smartphones verbaut sind. Sie sind auch in Krankenhäusern, Kraftwerken, in Netzwerkservern – also in Systemen, die Teil Kritischer Infrastruktur sind – verbaut".

Der Geschäftsführer der PSW Group ist skeptisch: "Die Sicherheitslücke Meltdown existiert für Intel seit 1995 und ist massiv. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass dieser Bug den Chip-Herstellern nicht ansatzweise selbst in den Sinn gekommen ist. Denn auch Großkonzerne wie Intel oder AMD haben Fachleute, die Sicherheitsschwächen in Mikroprozessoren erforschen. Warum braucht es Experten von Google Project Zero und Forscher von Universitäten und aus der Industrie, um das Problem zu entdecken und die Chiphersteller quasi vor vollendete Tatsachen zu stellen?"

Dabei scheint gerade Meltdown für Angreifer einfach zu nutzen sein. Die Sicherheitslücken Meltdown und Spectre erlauben das Auslesen des Speichers, auf die der User-Prozess erst gar nicht zugreifen können dürfte und spendieren Angreifern wie Malware oder Hackern dadurch Zugang zu sensiblen Nutzerdaten, beispielsweise auf Passwörter. "Warum sollten nicht hochprofessionalisierte Hacker die Lücken bereits entdeckt und sie ausgenutzt haben? Nur weil bislang keine Schadsoftware (Malware) bekannt ist, die Meltdown oder Spectre ausnutzt?

Und genau das ist auch das nächste Problem: Antivirenlösungen erkennen nur Schadprogramme, die bereits bekannt sind. Automatisch erkennt keine Antivirenlösung der Welt ein ihr unbekanntes Schadprogramm. Denn erst anhand seiner individuell typischen Signatur können Antivirenlösungen ein solches Programm erkennen und blockieren", macht Christian Heutger auf Auswirkungen aufmerksam.

Damit nicht genug: Auch Geheimdienste können die Sicherheitslücken als offene Hintertür nutzen und damit Zugang zu jedem erwünschten System auf der Welt zu erlangen. Wenngleich der US-Geheimdienst NSA versichert, Meltdown und Spectre seien nicht zum Ausspähen von Daten genutzt worden, bleibt Heutger vorsichtig: "Für einen Geheimdienst wären Angriffe über die beiden Sicherheitslücken ungemein wertvoll, da sie keine Spuren hinterlassen. Spätestens seit den Veröffentlichungen von Edward Snowden wissen wir um die ausufernden, weltweiten Ausspäh-Aktivitäten der NSA."

Technisch gesehen handelt es sich bei den Sicherheitslücken um einen Bruch der Memory Isolation. Moderne Out-of-Order-Prozessoren tun, was ihr Name bereits vorgibt: sie agieren "out of order" ("außer Betrieb"). Um Performance-Vorteile zu sichern, führen die Prozessoren spekulativ einige Befehle aus, die beispielsweise Translation Lookaside Buffer aktualisieren, die für die Adressberechnung notwendig sind oder die eventuell benötigte Daten in Caches laden. So werden Befehle ausgeführt, die im realen Programmfluss möglicherweise eben doch nicht ausgeführt werden müssen.

"Genau da liegt das Problem. Damit werden Tür und Tor für etliche Angriffsszenarien geöffnet. Die Forscher, die die Sicherheitslücken Meltdown und Spectre entdeckt haben, sorgen in ihren Angriffsszenarien dafür, dass das Spekulieren bei bestimmten Befehlen grundsätzlich schiefgeht. So erhöht sich die Zeit, die der Prozessor benötigt, um die fehlerhafte Spekulation zu erkennen. In dieser Zeit können Folgebefehle "transient" ausgeführt werden. Diese werden ausschließlich spekulativ mit internen Registern, nie aber mit Architekturregistern ausgeführt", erklärt Christian Heutger.

Für den normalen User ist die Situation aktuell sehr undurchsichtig. Die Lücke wird als sehr gravierend eingeschätzt und sämtliche Hersteller bemühen sich um schnelle Lösungen. Googles Analysen zeigen, dass man lokal Code ausführen können muss, um einen Angriff zu starten. Welche Auswirkungen die Lücke tatsächlich hat und wie sich die Gegenmaßnahmen auswirken, muss sich erst noch zeigen. (PSW Group: ra)

eingetragen: 12.02.18
Newsletterlauf: 06.04.18

PSW Group: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -


Meldungen: Kommentare und Meinungen

  • Faktor Mensch: Bedrohungen rechtzeitig erkennen

    Cyberattacken treten immer häufiger auf und nehmen an Komplexität zu. Dabei haben die Angreifer sämtliche Wirtschaftszweige im Visier. Dieser anhaltende Trend führt dazu, dass immer mehr Unternehmen ihre Position überdenken und neue Maßnahmen einführen, um Mitarbeiter für das Thema IT-Sicherheit zu sensibilisieren. Ziel ist es, natürliche Reflexe hervorzubringen, die es ermöglichen, jeden Beteiligten im Unternehmen darauf vorzubereiten, eine aktive Rolle beim Schutz vor Bedrohungen einzunehmen. Denn Cyberangriffe können für ein Unternehmen schwerwiegende Folgen, wie beispielsweise Daten- und Informationsverlust oder Imageschäden, haben. Das kann dann wiederum zur Beeinträchtigung des Vertrauensverhältnisses gegenüber Kunden und Partnern führen.

  • Angriffe auf Energieversorger

    Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt: Deutsche Energieversorger könnten das Ziel groß angelegter Cyber-Angriffskampagnen sein. Zwar liegen derzeit noch keine Hinweise auf erfolgreiche Hacker-Zugriffe vor, dennoch arbeitet das Amt intensiv an einer Vielzahl von Verdachtsfällen und rät zu nötigen Schutzmaßnahmen. Ross Brewer, Vice President und Managing Director EMEA bei LogRhythm, kommentiert die Warnung folgendermaßen.

  • Personenbezogene Daten ein attraktives Ziel

    Vor ziemlich genau fünf Jahren wurde ein damals 30-jähriger externer Mitarbeiter schlagartig weltberühmt, obwohl sein Beruf eigentlich genau das Gegenteil erfordert hatte: Edward Snowden leakte geheime Unterlagen der US-amerikanischen National Security Agency (NSA). Je nach Sichtweise, politischer Einstellung, möglicherweise auch Nationalität, wird man sein Handeln anders bewerten: Für die einen ist er ein Verräter, für die anderen ein Held, der Prototyp eines Whistleblowers. Fest steht auf alle Fälle, dass sich die Wahrnehmung der staatlichen Überwachung (insbesondere in Deutschland), vor allem aber die IT-Sicherheit auf Jahre verändert hat. Wahrscheinlich haben wir mit "blended attacks" wie WannaCry, die ohne NSA-Tools kaum denkbar wären, erst einen Vorgeschmack auf den wahren Schaden dieser Angriffe bekommen. Und sicherlich arbeiten Cyberkriminelle (und auch Hacker im staatlichen Auftrag) an neuen Varianten.

  • Damit aus Double Kill kein Overkill wird

    Bei der kürzlich aufgedeckten Double-Kill-Schwachstelle wurde eine einzigartige Angriffsmethode verwendet, die zukunftsweisend sein wird. Marina Kidron vom Skybox Research Lab klärt auf, welche Tools vor einem erneuten Angriff schützen. Vor wenigen Wochen machte die Double-Kill-Attacke Schlagzeilen. Hacker haben eine Sicherheitslücke im Internet Explorer ausgenutzt, um Windows-PCs mit Schadprogrammen zu infizieren. Mittels eines speziell präparierten Office-Dokuments wurde eine Malware heruntergeladen und unbemerkt auf dem Computer installiert. Es wird gemutmaßt, dass hinter dem Angriff gezielte Spionageabsichten stecken. Mittlerweile wurde die Sicherheitslücke behoben, aber die Gefahr ist noch lange nicht gebannt.

  • Augen auf im World Wide Web

    "Die Darstellung von SSL-Zertifikaten hat sich in einigen Browsern in letzter Zeit nicht zum Besten entwickelt. Langjährige Sensibilisierungsmaßnahmen müssen endlich neu überdacht werden", macht Christian Heutger, IT-Sicherheitsexperte und Geschäftsführer der PSW Group aufmerksam. Der Grund: Einige Browser wiegen ihre Nutzer in vermeintlicher Sicherheit, die nicht gegeben ist, wenn sie "https" sowie ein "Sicher" anzeigen. Ein Blick auf die Support-Seiten dieser Browser zeigt nämlich, dass eine wichtige Komponente von SSL-Zertifikaten massiv ins Hintertreffen gerät: die zuverlässige und ausreichende Validierung. Christian Heutger erklärt: "Früher gab es selbst für die einfachste Validierung weitere Sicherheitsmaßnahmen. In letzter Zeit jedoch hat die Anzahl zertifizierter Phishing-Sites massiv zugenommen - sowohl durch den einfachen Zugang zu SSL-Zertifikaten, aber auch dadurch, dass die Browser nun vor Websites ohne Verschlüsselung auffallend warnen."