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Probleme im Android-Berechtigungskonzept


Hacking-Team-App: Berechtigungen bleiben Googles Problem
Google prüft die Berechtigungen nur im Zusammenhang des im Playstore hochgeladenen Programmcodes, aber nicht mit der letztendlich auf den Geräten der Anwender installierten App

Von Sicherheitsexperte Udo Schneider, Pressesprecher bei Trend Micro

(10.09.15) - Täglich werden neue Gefahren bekannt, denen Anwender durch die Aktivitäten von Hacking Team ausgesetzt waren und es zum Teil immer noch sind. Auch eine gefälschte Nachrichten-App gehört dazu, die rund 50 Personen aus Google Play heruntergeladen haben. Zwar ist die App seit dem 7. Juli nicht mehr online, doch lenkt ihre Entdeckung die Aufmerksamkeit auf ein seit langem schwelendes Problem: das der Android-Berechtigungen.

Die gefälschte "BeNews"-App enthält einen Hintertürschädling, der die Android-Sicherheitslücke mit der Bezeichnung CVE-2014-3153 ausnutzte. Über diese Lücke lassen sich auf Android-Geräten Benutzerrechte erhöhen. Um die Sicherheitsprüfungen im Google Playstore zu umgehen, wird der Hintertürschädling erst nachträglich, also nach dem Herunterladen und Installieren, aus dem Internet geladen und ausgeführt. Der Nutzer hat im Grunde keine Chance, den Trick zu bemerken. Deshalb dürften die rund 50 Anwender, welche die App heruntergeladen haben, auch in die Falle getappt sein und den Schädling nachgeladen und installiert haben.

Bedienkomfort versus Sicherheit
Um es klipp und klar zu sagen: Das Problem ist das Android-Berechtigungskonzept. Denn Google prüft die Berechtigungen nur im Zusammenhang des im Playstore hochgeladenen Programmcodes, aber nicht mit der letztendlich auf den Geräten der Anwender installierten App.

Leider ist das nicht das einzige Problem im Android-Berechtigungskonzept. So können bösartige Apps anstelle legitimer Anwendungen Rechte zum Mitlesen des Datenverkehrs einfordern. Darüber hinaus werden neue Rechte bei Updates automatisch genehmigt, wenn sie derselben Gruppe von Berechtigungen angehören, denen die Anwender bereits zugestimmt haben. So gehören die Rechte für das Blitzlicht eines Smartphones derselben Gruppe an wie diejenigen für Audio- und Videomitschnitte. Leider bleibt Google bei seiner Politik, die Sicherheit dem Bedienkomfort unterzuordnen. Cyberspione haben so leichtes Spiel.

Datenschutz versus Privacy
Es ist wohl ein frommer Wunsch zu hoffen, dass sich in kurzer Zeit etwas an dieser Situation ändern wird. In den USA bedeutet Privacy eben etwas völlig anderes als das, was wir im deutschsprachigen Raum unter dem Schutz der Privatsphäre verstehen, wie er sich im deutschen Datenschutzrecht und bald auch in der EU-Datenschutzverordnung widerspiegelt.

Die Anwender müssen deshalb selbst für Sicherheit auf ihren Android-Geräten sorgen. Das bedeutet einmal, stets höchste Vorsicht der Auswahl von Apps walten zu lassen. Zum anderen aber heißt das, dass die Zeiten schon lange vorbei sind, in denen Smartphone-Besitzer auf Sicherheitslösungen auf ihren Geräten verzichten konnten. Zudem dürfen dies keine Minimallösungen sein, die sich auf einen Pattern-basierenden Schutz beschränken. Vielmehr sind Lösungen gefragt, wie sie auf dem PC längst zu Hause sind, Lösungen also, die auch das Kommunikationsverhalten von Anwendungen bewerten und notfalls unterbinden können. (Trend Micro: ra)

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Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Kommentare und Meinungen

  • Manipulation von DNS-Einträgen

    FireEye beobachtet derzeit mehrere Aktivitäten, die für die Manipulation von DNS-Einträgen verantwortlich sind. Auf einige dieser Aktivitäten haben wir bereits in unserem Blog-Beitrag vom 9. Januar 2019 hingewiesen: Wir gehen davon aus, dass ein kleiner Teil dieser Aktivitäten vermutlich von einem iranischen Akteur durchgeführt wird. Dabei nutzt der Akteur Malware, die wir bei FireEye TWOTONE nennen - bei TALOS DNSpionage genannt. Wir vermuten jedoch, dass andere Akteure - und eventuell andere Staaten - hinter weiteren Bedrohungen durch DNS-Manipulation stehen, die nicht in diesem Zusammenhang stehen. Einige dieser Aktivitäten haben wir bereits im Januar 2019 auf unserem Blog vorgestellt. Wir glauben, dass diese Aktivität die Verwendung gestohlener EPP-Anmeldeinformationen beinhaltete und wahrscheinlich staatlich finanziert wurde. EPP ist ein zugrundeliegendes Protokoll, das zur Verwaltung von DNS-Systemen verwendet wird.

  • Komplexität eines Seitenkanalangriffs

    Mit Spectre wütet seit Jahren eine Sicherheitslücke, die Intel- und AMD-Prozessoren verwundbar gemacht hat. Nun möchte sich Suchmaschinenriese Google zusammen mit einem Expertenteam dem Problem annehmen. IT-Sicherheitsexperte Christian Heutger begrüßt diesen Schritt: "Googles Vorstöße im Kampf gegen die Sicherheitslücke Spectre sind sehr zu begrüßen. Die Komplexität eines Seitenkanalangriffs, wie Spectre, sorgt allerdings dafür, dass dieser Kampf lange dauern wird. Ich vermute, dass noch einige Zeit ins Land gehen, bis die Gefahr, die von der Sicherheitslücke Spectre ausgeht, vollständig gebannt sein wird. Aber Google und sein LLVM-Team gehen einen entsprechenden guten Weg", so der Geschäftsführer der PSW Group.

  • Cyberangriffe eine Selbstverständlichkeit

    Mit der Weiterentwicklung von Bedrohungen wächst auch der Bedarf von Unternehmen, sich gegen die geschäftsschädigenden Auswirkungen von Cyberangriffen zu schützen. Angesichts dieses Trends fordert die Cybersicherheitsanbieterin F-Secure, dass sowohl die ständige Bereitschaft für mögliche Sicherheitsverletzung als auch eine schnelle und effektive Eindämmung, die das richtige Gleichgewicht von Mensch, Prozess und Technologie abdeckt, stärker in den Vordergrund gestellt wird. "Cyberangriffe sind für viele Unternehmen inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Es geht nicht mehr darum, ob ein Unternehmen angegriffen wird, sondern um die Frage, wann es passiert. Das erfordert eine Veränderung in der Art und Weise, wie Unternehmen mit vielen Sicherheitsaspekten umgehen", sagt Tim Orchard, Managing Director von F-Secure Countercept.

  • IT-Produkte ohne Backdoors

    Am 29.03.2019 das Bundesinnenministerium einen Referentenentwurf zum geplanten "IT-Sicherheitsgesetz 2.0" in die Ressortabstimmung eingebracht. Dazu äußert sich René Hofmann, zuständig für strategische Accounts bei Securepoint, norddeutscher Hersteller von IT-Sicherheitslösungen.

  • Höchst riskante Sicherheitslücke

    Spätestens mit der Einführung der DSGVO hat in Europa eine gewisse Sensibilisierung gegenüber Datenschutz und Sicherheitsrisiken eingesetzt - ob privat oder im beruflichen Umfeld. Dennoch zeigen europäische Arbeitnehmer weltweit die geringste Disziplin, wenn es um die Cybersicherheit in ihren Unternehmen geht: Studien zeigen, dass ein Großteil der Angestellten sich nicht regelmäßig über IT-Sicherheit Gedanken macht. Ein signifikanter Anteil ist sogar der Auffassung, dass die Prävention von Sicherheitsbedrohungen nicht in seinen Aufgabenbereich falle - obwohl man sich über die rechtlichen Folgen eines Datendiebstahls im Klaren ist. Bei einem Verstoß gegen die DSGVO müssen Unternehmen beispielsweise mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes weltweit rechnen.