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Angriffsszenarien auf Fertigungsanlagen


Horrorszenario der Industrie: Produktionsstillstand durch Cyber-Angriffe
Cyber-Angriffen auf Industriebetriebe und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen

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Von Jörg von der Heydt, Channel Director DACH bei Skybox Security

Beim Stichwort Cybersecurity denkt jeder zunächst einmal an die Absicherung gegen unberechtigte Zugriffe auf ein Netzwerk oder an Datendiebstahl. Dass Cyber-Risiken Produktionsbetriebe jedoch sogar komplett lahmlegen können, wird häufig nicht bedacht. Das Hauptrisiko von Fertigungsbetrieben besteht oft nicht in Form von Zugriffen auf vertrauliche Informationen, sondern darin, eine lückenlose Fertigung in der Produktion zu gewährleisten.

Unmittelbare Cyber-Risiken für Produktionsumgebungen durch Kontaktplanlogik
Die Funktionalität einer Maschine kann beispielsweise beeinträchtigt werden, wenn sie durch sogenannte Kontaktplanlogik infiltriert wird. Es handelt sich dabei um eine graphische Programmiersprache, die auf ein Steuergerät oder eine programmierbare Logiksteuerung gespielt wird. Dieser Low-Level-Code wird nicht aktualisiert und High-Priority-Geräte werden sowieso selten rebootet. So hat der injizierte Code eine längere Halbwertszeit und kann als Bug im Unternehmensnetzwerk aktiv ins Produktionsgeschehen eingreifen.

Unterschiedliche Angriffsszenarien auf Fertigungsanlagen
Es ist außerordentlich schwierig, einen Fehlercode dieser Art aufzuspüren, denn die Maschinen, auf denen sich der Bug eingenistet hat, sind in der Regel nicht physisch verbunden, sondern kommunizieren über proprietäre, systemspezifische Protokolle. Die Exploits können dabei verschiedene Angriffspunkte einer maschinellen Fertigungsanlage zum Ziel haben. Bekannte Beispiele für Attacken sind:

>> Ausschluss-Angriffe: Hier wird der Motor beispielsweise weiter betrieben, während die Ölpumpe ausgeschaltet ist. Dies kann aufgrund fehlender Schmierung zu einem Komplettausfall des Motors führen.
>> Verschleißangriffe: Das Getriebe wird zum Beispiel durchgehend bei 90 Prozent Leistung betrieben. Hierdurch sinkt die Lebensdauer der Maschine erheblich.
>> Trägheitsangriffe: Große Maschinen sind nicht dafür ausgelegt, schnell hoch- und runtergefahren zu werden. Wenn dies mehrfach geschieht, beeinträchtigt das die Lebensdauer der Maschine nachhaltig.
>> Surge-Angriffe: Systeme sind meistens auf die Produktion einer definierten Stückzahl ausgelegt. Wird diese überschritten, kann das zu einem Defekt an der Maschine führen.

Verheerende Auswirkungen auf Produktionsbetriebe
Cyber-Kriminelle können sich, sobald sie einmal in das Netzwerk eingedrungen sind, in weiteren Bereichen ausbreiten. Sie haben dann die Möglichkeit, einzelne Maschinen oder die gesamte Produktionsstrecke abzuschalten, zu unterbrechen oder vom System abzutrennen (DoS). Manche Schwachstellen wirken sich nur auf ganz spezielle Produktionsprotokolle aus und werden daher gezielt angegriffen. Andere wiederum ermöglichen Hackern, komplette Produktionsprogramme zu verändern.

Der Fall Norsk Hydro: Ransomware mit Dominoeffekt
Der kürzlich bekanntgewordene LockerGoga-Angriff auf Norsk Hydro ging von einem Standort in den USA aus und verbreitete sich epidemieartig über das Active Directory. Über dieses Microsoft-Tool verwalten Netzwerkadministratoren Domänen, Benutzer und Objekte. Erlangt ein Hacker Zugriff darauf, gewinnt er die Kontrolle über das gesamte Netzwerk des Unternehmens. Weil sich LockerGoga auf weitere Norsk Hydro-Anlagen übertragen hat, wirkte sich der Angriff auf die weltweite Produktion sowie die Verwaltung des gesamten Unternehmens aus.

Das IoT ist Einfallstor für Hacker-Angriffe
Ein häufig unterschätztes Problem sind im Unternehmen eingesetzte IoT-Geräte. Der Hauptgrund dafür sind simple und leicht zu überwindende Passwörter. Hersteller befinden sich bei der Neuentwicklung von innovativen IoT-Geräten im ständigen Wettstreit. Um Produkt-Release-Zyklen zu beschleunigen, wird systeminternen Schwachstellen weniger Aufmerksamkeit zugemessen als eigentlich notwendig. Anfangspasswörter sind einfach zu knacken und teilweise sogar online zu finden, um dem Endnutzer das Setup zu erleichtern. Hacker können die Geräte mit diesem Wissen mühelos und quasi simultan zum Release hacken. Hinzu kommt, dass einige Hersteller ihre Kunden nicht dazu ermutigen, neue Passwörter zu wählen und es sogar Fälle gibt, in denen Passwortänderungen am Gerät gar nicht möglich sind. So wird Hackern quasi Tür und Tor zu Unternehmensnetzwerken geöffnet.

Wie kann sich ein Unternehmen dennoch gegen Cyber-Angriffe schützen?
Um sich nachhaltig gegen Angriffe auf Unternehmensnetzwerke zu schützen, ist es elementar, sich ein Gesamtbild der Angriffsfläche zu verschaffen. Die Vernetzung zwischen der OT/IoT-Umgebung und der Gesamt-IT muss überprüft werden. Schwachstellen müssen identifiziert und durch aktives Schachstellen-Management minimiert werden. Hierbei ist es nicht ausreichend, lediglich eine einmalige Bestandsaufnahme vorzunehmen und Schwachstellen nur zu scannen. Eine Minimierung der Angriffsfläche kann nur gewährleistet werden, wenn neue Schwachstellen kontinuierlich und quasi in Echtzeit aufgedeckt werden. Da die Zahl an Cyber-Bedrohungen stetig wächst, kann dieser Prozess nur automatisiert und mit einem geeigneten Partner realisiert werden.

Mitarbeiter im Umgang mit Unternehmens-IT schulen
Viele Angriffe auf Unternehmensnetzwerke werden durch mangelndes Bewusstsein der Belegschaft zur Bedeutung von Cyber Security ermöglicht. Es ist deshalb außerdem äußerst wichtig, alle Mitarbeiter über Sicherheitsmaßnahmen aufzuklären und im gesamten Unternehmen eine Sensibilität für IT-Sicherheitsthemen zu etablieren.
(Skybox Security: ra)

eingetragen: 07.05.19
Newsletterlauf: 29.05.19

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Meldungen: Tipps & Hinweise

  • MySQL als unorthodoxes neues Einfallstor

    Cyberkriminelle finden immer wieder Wege, unbemerkt in Systeme einzusteigen, um von der Ferne aus Schadcode auszuführen. Beliebt als Einstiegsluken hierfür sind beispielsweise RDP oder SSH. Nun rückt auch SQL als Zugriffsmöglichkeit in den Fokus. Ein Sophos-Honeypot konnte kürzlich einen typischen Angriff über MySQL dokumentieren. Hacker haben verschiedene Möglichkeiten, in Systeme zu gelangen. Sie können etwa Schwachstellen und Exploits für ausgeklügelte Hackerangriffe verwenden, um vorhandene Sicherheitsüberprüfungen zu umgehen und Server dazu zu bringen, Schadsoftware auszuführen. Sie können aber auch versuchen herauszufinden, wie man ohne viel Aufwand über einen offiziellen Eingang und mit offiziellen Systembefehlen illegal und unbemerkt in fremde Systeme einsteigen kann.

  • Kontrolle von und über Zugriffsberechtigungen

    Gesetzliche Vorgaben einhalten, IT-Sicherheit gewährleisten und den Datenschutz nicht vernachlässigen - nur ein kleiner Einblick in die Aufgaben und Herausforderungen, die Unternehmen bewältigen müssen. Doch wie lassen sich diese Anforderungen professionell erfüllen? Die Verwaltung von Benutzern und deren Zugriffsberechtigungen nimmt dabei in jeder ganzheitlich ausgerichteten IT-Security-Strategie eine wesentliche Rolle ein. Access-Management ist im Zeitalter von Industrie 4.0 und Internet of Things unverzichtbar. Heutzutage vernetzt sich jedes Unternehmen vielfach mit Lieferanten, Kunden, Partnern sowie Mitarbeitern und tauscht sämtliche Daten mit diesen aus. Diese weltweite Vernetzung bietet viele Chancen aber auch Risiken: Denn die Zahl virtueller Angriffe mit dem Ziel an geschützte, häufig hoch brisante Daten zu gelangen, steigt stetig. "Ohne die Kontrolle von und über Zugriffsberechtigungen funktioniert deshalb nichts mehr. Der Mehrwert von konsequentem, transparentem Access-Management stellt die flexible Nutzung von Vernetzungen bei deutlicher Risikominimierung dar", erläutert Dr. Consuela Utsch, Geschäftsführerin der Acuroc Solutions und der AQRO GmbH. "Ein effektives Access-Management führt dazu, dass sich Funktionen, Rollen und damit Verantwortlichkeiten an Veränderungen bei Bedarf automatisch anpassen."

  • Ein Jahr DSGVO: keinerlei Anlass zur Freude

    Im ersten Jahr nach Inkrafttreten der DSGVO hat sich das Datenrisiko in Deutschland nicht reduziert, sondern ist tendenziell noch gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt der Datenrisiko-Report der Security-Spezialistin Varonis Systems dem Risk Assessments bei rund 50 deutschen Unternehmen unterschiedlicher Größe - vom mittelständischen Hersteller bis hin zum international agierenden Healthcare/Biotech-Konzern - zugrunde liegen. Weltweit wurden insgesamt 700 Unternehmen aus rund 30 Branchen und mehr als 30 Ländern mit einem Datenvolumen von insgesamt 54,6 Petabytes analysiert.

  • Ausweitung der Videoüberwachung

    Spätestens seit den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden ist klar: Jeder kann in einem schier unglaublichen Umfang überwacht und ausspioniert werden, und das nicht nur von der NSA. Auch Unternehmen wie Facebook, Google und Amazon überwachen, wo es nur geht. Die Überwachung fängt zwar im Internet an, ist aber nicht auf dieses beschränkt. "Der Datenskandal der Deutschen Post zeigt, dass die Überwacher längst in den eigenen Reihen sitzen. Da wäre die Meldebehörde, die unsere Daten für Parteiwerbung weitergibt, wenn wir nicht widersprechen. Oder Reise-Anbieter, die aufgrund bisher gebuchter Reisen neue passende Angebote machen. Oder auch Auskunfteien wie die Schufa, die überlegt hatte, Facebook-Daten für die Schufa-Auskunft mit auszuwerten", macht Christian Heutger, IT-Sicherheitsexperte bei der PSW Group Consulting aufmerksam.

  • Best Practices-Checkliste für die Cyber-Hygiene

    Nicht nur für die menschliche Gesundheit, sondern auch in der IT-Sicherheit gilt: Vorbeugen ist besser als Heilen. Angesichts steigender Bedrohungen durch fortschrittliche Malware und Datendiebstahl in großem Stil, ist eine solide Cyber-Hygiene für die gesamte Hard- und Software eines Unternehmens essentiell. Regelmäßig durchgeführte Hygienepraktiken sorgen dafür, Systeme effizient zu halten und vor Angriffen zu schützen. In Unternehmen gibt es viele Elemente, die ohne adäquaten Cyber-Hygiene-Plan zu Schwachstellen führen und damit die Geschäftskontinuität gefährden können. Deshalb sollten alle Geräte, Softwareprogramme und Web-Anwendungen in einen kontinuierlichen Wartungsplan aufgenommen werden. Hierdurch erfolgt eine grundlegende Prävention gegen Cyberattacken. Zudem ermöglicht die regelmäßige Wartung bestmögliche Effizienz der eingesetzten Soft- und Hardware. Schwachstellen werden frühzeitig erkannt und schwerwiegende Probleme vermieden. Obwohl mit jedem digitalen Puzzleteil zahlreiche Bedrohungen einhergehen, ist die Einführung einer effektiven Cyber-Hygiene-Routine nicht so schwierig, wie es auf den ersten Blick scheint. Einige wenige Best Practices, die regelmäßig umgesetzt werden, können die Sicherheit eines jeden Systems enorm verbessern.