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Das Phänomen Remote Ransomware


Perfider Angriff: Verschlüsselung durch Remote Ransomware
Es kann schlichtweg jede Ransomware sein, die so einen Schaden verursacht. Und genau da liegt das Problem ihrer Bekämpfung



Gekidnappte Daten – per se bereits ein Alptraum-Szenario, aber es ist besonders perfide, wenn Dateien verschlüsselt werden, obwohl der eigene PC gar nicht von Schadsoftware befallen ist. Sophos Experte Michael Veit hat die Mutation der Remote Ransomware unter die Lupe genommen. Jeder kann Opfer eines Ransomware-Angriffs werden. Hat sich der erste Schock gelegt – idealerweise nachdem man seine Daten aus dem gesicherten Backup zurückgewonnen hat statt Lösegeld zu zahlen – stellt sich die entscheidende Frage: Wie habe ich mir das eingefangen? Insbesondere dann, wenn selbst die gründlichste Recherche und Durchsicht potenzieller Einfallstore keinerlei Spur für Schadsoftware auf den eigenen Geräten erkennen lässt?

Leider ist das kein so seltenes Szenario. Und die Tatsache, dass man nicht selbst infiziert wurde, ist in der Tat als schlechtes Zeichen zu bewerten. Es häufen sich Fälle bei Anwendern, deren Daten aus der Ferne über das Internet verschlüsselt wurden. Durch Ransomware, die auf einem anderen Computer lief.

Eine Analogie zur Veranschaulichung: Man wird Opfer einer Malware-Attacke während ein USB-Laufwerk angeschlossen ist. Hat der PC Zugang zu den Daten auf dem Laufwerk via USB-Anschluss, kann es passieren, dass die Daten auf dem Computer und dem USB-Laufwerk verschlüsselt werden, selbst wenn das Schadprogramm nur auf dem Computer auftaucht. Das USB-Speichermedium wird betroffen, ist aber nicht befallen.

Der gleiche Effekt kann im lokalen Netzwerk bei Ransomware-Angriffen innerhalb eines Unternehmens passieren, bei denen ein einzelner infizierter Computer im Netzwerk am Ende Dateien auf allen Servern verschlüsselt, weil der Benutzer zufällig mit einem Konto mit weitreichendem Netzwerkzugriff angemeldet war. Am Ende sind viel Nutzer und Daten betroffen, auch wenn nur ein User und ein Computer infiziert sind.

Aber: besser verschlüsselt als entwendet
Es kann schlichtweg jede Ransomware sein, die so einen Schaden verursacht. Und genau da liegt das Problem ihrer Bekämpfung: wie funktioniert Dateien-verschlüsselnde Schadsoftware über das Internet und wie können Cyberkriminelle es zielgerichtet einsetzen?
Das geht so: Cyberkriminelle nutzen ihre eigenen Rechner oder einen gehackten PC, um den Computer des Opfers mit möglichst weitreichenden Rechten anzugreifen und sich selbst absichtlich mit irgendeiner netzwerkfähigen Ransomware zu infizieren. Die meisten modernen Ransomware-Typen beinhalten eine Funktion, jedes sichtbare Laufwerk zu finden und zu attackieren, wenn sie die Infektion ausrollen. Ziel ist natürlich maximaler Schaden, um zur Zahlung der Lösegeldsumme zu motivieren.

"Die größte Schwachstelle, Opfer von Cyberkriminalität – ob remote oder via tatsächlich infiziertem Computer – zu werden, ist nicht allein die kriminelle Energie der Betrüger. Oftmals hebeln Nutzer wirksame Sicherheitsmaßnahmen aktiv aus. Fast immer stecken Gründe der Bequemlichkeit dahinter, etwa das Ausschalten der aufwendigen Passworteingabe oder eine Deaktivierung von automatischen Updates. Dieses arglose Verhalten wird von Kriminellen unbarmherzig ausgenutzt, denn sie scannen rund um die Uhr das Internet nach verwundbaren Computern. Und sie werden diese finden", erklärt Michael Veit, Security-Spezialist bei Sophos.

Tipps zum besseren Schutz vor Remote Ransomware:

>> Starke Passwörter verwenden,
keines zweimal einsetzen, Passwort-Manager benutzen.

>> Keine Sicherheitsmaßnahmen aushebeln: Verbindung ist schlecht? Bitte nicht auf die Idee kommen, die Firewall auszuschalten oder den Router zu umgehen, um zu prüfen, ob hier die Verbindungsprobleme herrühren.

>> Anti-Schadsoftware einsetzen: Auch auf Servern. Besonders auf Servern. Auch wenn die Server mithilfe einer Firewall geschützt sind, deckt das nicht komplett ab. Besser eine doppelte Sicherung einbauen.

>> Wirksame Ransomware-Blocker nutzen, um Angriffe unschädlich zu machen. Das schützt, selbst wenn die Malware wie bei Remote-Attacken auf Fremdgeräten sind, die man nicht selbst kontrolliert.

>> Regelmäßige Backups anlegen und eine Kopie davon offline verwahren. Damit existiert eine weitgehend aktuelle Kopie der Daten, die nicht verschlüsselt werden können.
(Sophos: ra)

eingetragen: 07.05.19
Newsletterlauf: 22.05.19

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Meldungen: Tipps & Hinweise

  • Sicherheitsmaßnahmen gegenüber Bedrohungen

    Steigende Compliance-Anforderungen und europäische Richtlinien wie die DSGVO oder die NIS-Richtlinie für kritische Infrastrukturen haben die Umsetzung von Cybersecurity-Maßnahmen in Unternehmen bereits wesentlich vorangetrieben. Jedoch erfüllen Unternehmen häufig lediglich die Mindestanforderungen - während Angreifer über umfassende und ausgefeilte Möglichkeiten verfügen, sich Zugang zu Unternehmensnetzwerken zu verschaffen. Mittelständische Unternehmen, beispielsweise in der produzierenden Industrie oder im Gesundheitswesen, stehen im Fokus von Hackern: Mittels Ransomware-Angriffen können Cyber-Akteure ganze Produktionsstraßen lahm legen oder Krankenhäuser vom Netz nehmen. Insbesondere in diesen Branchen ist der Schaden nach einer Attacke besonders groß, da sie enorme wirtschaftliche Auswirkungen zur Folge haben und eine Vielzahl von Menschen betreffen. Für Hacker sind zudem vor allem mittelständische Unternehmen interessant, die wirtschaftlich erfolgreich sind, aber gleichzeitig nicht über die gleichen umfassenden Sicherheitsmaßnahmen verfügen wie große, börsennotierte Konzerne.

  • Nahezu kein Expertenwissen mehr benötigt

    Cyberkriminelle greifen mit gefälschten Rechnungen vermehrt Unternehmen des produzierenden Gewerbes in Deutschland an. Das hat Proofpoint herausgefunden. Die Angreifer versenden dabei gefälschte Rechnungen, die als Köder verwendet werden oder aber die E-Mail beinhaltet einen Link zu einer Website, auf der das gefälschte Dokument zum Download zur Verfügung steht. Die Dokumente sind mit dem Remote Access Trojaner NanoCore infiziert. Laut Proofpoint enthalten Anhänge eine komprimierte ausführbare Datei (mit der Erweiterung ".Z"), während bösartige Links den Empfänger veranlassen, die auf onedrive.live.com gehostete Malware herunterzuladen.

  • Fünf Sofortmaßnahmen zur Systemhärtung

    Guardicore gibt Sicherheitsempfehlungen für das Support-Ende von Windows Server R2, Windows Server 2008 und Windows 7. Ab 14. Januar 2020 werden Nutzer dieser Microsoft-Betriebssysteme keine kostenlosen Sicherheitsupdates und Online-Aktualisierungen mehr erhalten. Ohne sicherheitsrelevante Updates sind die betroffenen IT-Systeme gegen neu entdeckte Schwachstellen nicht mehr geschützt. Zwar sind die genannten Betriebssysteme teilweise bereits über ein Jahrzehnt alt, aber Schätzungen zufolge ist allein Windows Server 2008/2008 R2 immer noch auf fast jedem dritten Server weltweit im Betrieb. Viele Organisationen können nicht auf aktuelle Betriebssystemversionen wechseln, weil sie komplizierten Gesetzes- und Zertifizierungsanforderungen unterliegen, oder einfach nicht das erforderliche Budget zur Verfügung haben. Gefragt sind deshalb Überbrückungslösungen - auch um zeitaufwendige Migrationsprozesse begleiten zu können.

  • Abfangen und Manipulieren von E-Mails

    Die E-Mail ist das Kommunikationsmittel Nummer eins. Unternehmen sind in der Pflicht, sich mit der E-Mail-Sicherheit zu beschäftigen, kommunizieren sie doch sowohl intern als auch extern. Nahezu täglich ist von Datenpannen und Datendiebstählen zu hören: Fremde verschaffen sich - zum Teil leider kinderleicht - Zugang zum internen Unternehmenssystem und greifen Daten ab oder manipulieren diese. Einfache, unverschlüsselte E-Mails stellen deshalb grundsätzlich eine Gefahr dar: Sie ähneln einer Postkarte, deren Inhalt jeder lesen kann. "Denn gehen E-Mails weder digital signiert noch verschlüsselt auf die Reise, können die Inhalte nicht nur ausspioniert, sondern auch manipuliert werden. Da Angriffe dieser Art in aller Regel nicht sicht- und nachweisbar sind, wird die E-Mail-Sicherheit leider nach wie vor oft stiefmütterlich behandelt. Wie oft und von wem E-Mails gelesen werden, kann ihnen niemand ansehen", warnt Patrycja Tulinska, Geschäftsführerin der PSW Group.

  • Neuer Standort und neue BC/DR-Strategie?

    Die Entfernung zwischen georedundanten Rechenzentren soll mindestens 200km betragen. So empfiehlt es das BSI seit diesem Jahr. Dies stellt viele Unternehmen vor Probleme, betrug die bisher empfohlene Distanz in der Vergangenheit doch gerade einmal fünf Kilometer. Diese geringe Distanz erlaubte es den Betreibern bisher, ihre Rechenzentren über HA-Systeme synchron zu spiegeln. Dies ist bei einem Abstand von 200km jedoch nicht mehr möglich: Die Latenz zwischen den Standorten ist einfach zu hoch, um Organisationen mit traditionellen Hochverfügbarkeits- und Backup-Lösungen gegen Systemausfälle zu schützen. Was können Unternehmen nun tun, um ihre IT etwa gegen logische Fehler oder Ransomware-Attacken abzusichern, um minimalen Datenverlust und kurze Ausfallzeiten zu garantieren? Der neue Mindestabstand, den das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) seit Dezember 2018 zwischen sich Georedundanz gebenden Rechenzentren empfiehlt, stellt in vieler Hinsicht eine Zäsur dar. Er stellt die Nutzung synchroner Spiegelung grundsätzlich infrage und hat damit einen direkten Einfluss darauf, wie Rechenzentren hierzulande betrieben werden. Wer eine "kritische Infrastruktur" betreibt, wird vom Gesetzgeber sogar dazu gezwungen der Empfehlung zu folgen. Und wer das Pech hat Teil eines Branchenverbandes zu sein, der den Empfehlungen des BSI folgt, wie etwa Mitglieder der Bankenbranche Bafin, haben ebenfalls keine Wahl. All diese Organisationen müssen auf die Entscheidung reagieren und den Abstand ihrer Rechenzentren auf mindestens 200km bringen.