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Ransomware für Mac OS X


Erpresser-Software KeRanger: Um die Gatekeeper-Funktion zu umgehen, haben die Angreifer das Update-Paket für den BitTorrent-Client Transmission mit einem von Apple zugelassenen Entwickler-Zertifikat versehen
Noch vor sechs Monaten waren ausschließlich Windows- und Android-Nutzer durch Ransomware bedroht. Doch im Dezember 2015 hatte die erste Ransomware für Linux mehrere tausend Server befallen

(12.04.16) - Die Erpresser-Software KeRanger hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt: als erste voll funktionsfähige Ransomware für Mac OS X und gleichzeitig erster Mac OS X-Schadcode mit einem gültigen Zertifikat eines zugelassenen Entwicklers. Bitdefender hat den Code genau unter die Lupe genommen und eine weitere Sensation entdeckt: KeRanger ist die erste Plattform-übergreifende Ransomware der Geschichte. Hinter KeRanger verbirgt sich nämlich eine für Mac OS X adaptierte Version der Linux-Ransomware Linux.Encoder4, die seit Anfang 2016 tausende von Servern befallen hat. Bei einer Analyse durch die Bitdefender Labs hat sich gezeigt, dass beide Schadcodes nahezu identisch sind.

Verteidigung von Mac OS X durchbrochen
Seit dem Update Mountain Lion enthält Mac OS X die neue Funktion Gatekeeper, die vor Malware und zweifelhaften Apps aus dem Internet schützen soll. Wer die Standardeinstellungen von Gatekeeper nutzt, kann demnach nur Apps aus dem App Store von Apple und von zugelassenen Entwicklern signierte Anwendungen installieren.

Um die Gatekeeper-Funktion zu umgehen, haben die Angreifer das Update-Paket für den BitTorrent-Client Transmission mit einem von Apple zugelassenen Entwickler-Zertifikat versehen. Das Zertifikat stammt von einem Entwickler in der Türkei mit der ID Z7276PX673. Allerdings wurde für die vorangegangen Versionen des Transmission-Installers eine andere Entwickler-ID angegeben. Bereits zum wiederholten Male ist es Cyberkriminellen damit gelungen, Gatekeeper durch das Kapern echter Zertifikate auszuhebeln. Schon 2013 wurde die Spionagesoftware MAC.OSX.Backdoor.KitM.A auf Macs von angolanischen Bürgerrechtlern entdeckt, die ein digitales Zertifikat missbraucht hatte.

Sobald der infizierte Installer ausgeführt wird, verbindet sich der Trojaner über TOR mit einem Command-and-Control-Server und startet die Verschlüsselung der Daten auf dem befallenen Mac. Nach Abschluss wird die Textdatei README_FOR_DECRYPT.txt generiert, die Anweisungen für die Lösegeldzahlung enthält.

"Die Verschlüsselungsfunktionen von KeRanger sind die gleichen wie bei Linux.Encoder, sie tragen sogar die gleichen Namen wie encrypt_file, recursive_task, currentTimestamp und createDaemon", sagt Catalin Cosoi, Chief Security Strategist bei Bitdefender. "Die gesamte Verschlüsselungsroutine ist identisch."

Aussperren bietet nicht ausreichend Schutz
Noch vor sechs Monaten waren ausschließlich Windows- und Android-Nutzer durch Ransomware bedroht. Doch im Dezember 2015 hatte die erste Ransomware für Linux mehrere tausend Server befallen. Glücklicherweise ist es den Forschern von Bitdefender gelungen, den Verschlüsselungsalgorithmus auszuhebeln und Entschlüsselungswerkzeuge für alle vier Varianten der Schadsoftware bereitzustellen. Anscheinend haben die Entwickler von Linux.Encoder entweder selbst ihren Code für Mac OS X umgeschrieben und verbreitet oder ihn an eine auf MAC OS X spezialisierte Bande verkauft.

"Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass eine ausgereifte, native Mac OS X-Sicherheitslösung mit verhaltensbasierten Echtzeit-Erkennungstechnologien den betroffenen Anwendern den notwendigen Schutz vor Befall und Verschlüsselung durch KeRanger hätte ermöglichen können", so Cosoi weiter. "Um echte Sicherheit zu gewährleisten kann viel mehr getan werden, als nur nicht-signierte Software auszusperren." (Bitdefender: ra)

Bitdefender: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Hintergrund

  • Hybride aus Daten-Diebstahl und Ransomware

    SophosLabs und Sophos Managed Threat Response haben einen Bericht über eine neue Ransomware veröffentlicht, die eine bisher noch nicht bekannte Angriffsmethode verwendet: Die sogenannte Snatch-Ransomware geht mit variierenden Techniken vor und veranlasst unter anderem einen Neustart übernommener Computer im abgesicherten Modus, um verhaltensorientierte Schutzmaßnahmen, die speziell nach Ransomware-Aktivitäten wie das Verschlüsseln von Dateien Ausschau halten, zu umgehen. Sophos geht davon aus, dass Cyberkriminelle damit eine neue Angriffstechnik etabliert haben, um fortschrittliche Schutzmechanismen auszuhebeln. Neben der neuen Angriffstaktik belegt ein weiterer interessanter Fund, dass sich ein anderer Trend fortzusetzen scheint: Kriminelle filtern immer häufiger Daten heraus, bevor die eigentliche Ransomware-Attacke startet. Die entwendeten Daten könnten zu einem späteren Zeitpunkt für Erpressungen, auch in Zusammenhang mit der DSGVO, verwendet werden. Ähnliches Verhalten konnten die SophosLabs zum Beispiel bei Ransomware-Gruppen wie Bitpaymer feststellen.

  • Windows-Zero-Day-Exploit zur Rechteausweitung

    Kaspersky-Technologien haben eine Zero-Day-Schwachstelle im Windows-Betriebssystem gefunden. Der darauf basierende Exploit ermöglichte es Angreifern, höhere Privilegien auf dem attackierten Gerät zu erlangen und Schutzmechanismen im Google Chrome Browser zu umgehen - wie es in der WizardOpium-Kampagne geschah. Ein Patch wurde bereits veröffentlicht. Die neue Windows-Schwachstelle wurde von Kaspersky-Forschern aufgrund eines anderen Zero-Day-Exploits gefunden. Bereits im vergangenen November hatten die Exploit-Prevention-Technologien, die in den meisten Produkten des Unternehmens integriert sind, einen Zero-Day-Exploit in Google Chrome gefunden. Dieser Exploit ermöglichte es den Angreifern, beliebigen Code auf dem Computer des Opfers ausführen. Im Rahmen weiterer Untersuchungen dieser Kampagne, die die Experten WizardOpium tauften, wurde nun der Exploit im Windows-Betriebssystem gefunden.

  • Phishing ist ein langfristiges Problem

    Akamai Technologies hat den "State of the Internet"-Sicherheitsbericht 2019 "Phishing - Baiting the hook" veröffentlicht. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Cyberkriminelle unternehmensbasierte Entwicklungs- und Bereitstellungsstrategien wie Phishing-as-a-Service nutzen, um die größten Technologiekonzerne der Welt anzugreifen. Knapp 43 Prozent der beobachteten Domains zielten auf Microsoft, PayPal, DHL und Dropbox ab. Der Bericht legt offen, dass Phishing nicht mehr nur eine E-Mail-basierte Bedrohung ist, sondern auch Social Media und mobile Geräte umfasst. Es handelt sich um ein weitreichendes Problem, das alle Branchen betrifft. Da sich die Angriffsmethoden weiterentwickeln, entstehen neue Techniken, etwa für Attacken auf geschäftliche E?Mails (Business E?Mail Compromise, BEC). Laut dem FBI führten BEC-Angriffe zwischen Oktober 2013 und Mai 2018 zu weltweiten Verlusten von mehr als 12 Milliarden US-Dollar.

  • Ziel des Angriffs kann sogar geblacklisted werden

    Im Laufe des Jahres 2019 haben das Threat Research Center (TRC) und das Emergency Response Team (ERT) von Radware eine zunehmende Anzahl von TCP-Reflection-Angriffen überwacht und verteidigt. Bei solchen Angriffen werden nicht nur die eigentlichen Ziele in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch nichts ahnende Netzwerkbetreiber, deren Ressourcen benutzt werden, um die Attacke zu verstärken. Im Extremfall wird das Ziel des Angriffs als vermeintlicher Urheber der Attacke sogar von den einschlägigen Service-Anbietern auf deren Blacklists gesetzt. TCP-Reflection-Angriffe wie die SYN-ACK Reflection waren bis vor kurzem bei Angreifern weniger beliebt. Der Mangel an Popularität war hauptsächlich auf die falsche Annahme zurückzuführen, dass TCP-Reflection-Angriffe im Vergleich zu UDP-basierten Reflexionen nicht genügend Verstärkung erzeugen können. Im Allgemeinen haben TCP-Angriffe eine geringe Bandbreite und die Wahrscheinlichkeit ist geringer, dass eine Internetverbindung gesättigt wird. Stattdessen werden TCP-Angriffe genutzt, um durch hohe Paketraten (Packets Per Second - PPS) viele Ressourcen von Netzwerkgeräten zu binden und so Ausfälle zu provozieren.

  • Sicherheitsprognosen für 2020

    Die Sicherheitsforscher von Malwarebytes geben ihre Sicherheitsprognosen für das Jahr 2020 bekannt. Dabei prognostizieren die Experten zunehmende Gefahren für Unternehmen durch Ransomware-Angriffe, erwarten vermehrt Exploit-Kit-Aktivitäten und VPN-Skandale. Im Folgenden werden sechs Sicherheitsprognosen vorgestellt und in die Entwicklungen der jüngsten Zeit eingeordnet. Ransomware-Angriffe auf Unternehmen und Regierungen werden dank neu gefundener Schwachstellen zunehmen. Bereits in den vergangenen beiden Jahren konnte im Business-Umfeld ein Anstieg von Schwachstellen festgestellt werden und gerade in diesem Jahr wurde immer mehr Malware entwickelt, die sich auf Unternehmen konzentriert anstatt auf Verbraucher.