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Ransomware-Entwickler: Neue Taktik Crowdsourcing


Ransomware: Leider neigen Unternehmen dazu, die Komplexität der Bedrohung zu unterschätzen
Einer von neun deutschen Nutzern wurde in den letzten 60 Tagen von Ransomware über Spam-Mails angegriffen

(13.11.15) - Ihr Computer-Bildschirm ist eingefroren. Das FBI hat Sie bei einer illegalen Aktivität erwischt und das Gerät verriegelt. Ihre wichtigen Daten werden für immer unzugänglich bleiben, wenn Sie nicht eine Geldstrafe zahlen. Dies ist eine klassische Betrugsmasche von Ransomware. Dabei handelt es sich um eine Art Malware, die den Zugriff auf Dateien blockiert oder damit droht, Ihre Informationen für immer zu löschen, außer Sie zahlen Lösegeld. Dieses kann ein beliebiger Wert von mehreren hundert oder tausend Dollar sein.

Einer von neun deutschen Nutzern wurde in den letzten 60 Tagen von Ransomware über Spam-Mails angegriffen, zeigen Statistiken von Bitdefender. Aber das ist nicht der einzige Weg zur Verbreitung von Malware, die Dateien verschlüsselt. In der Tat fallen Nutzer auch auf einfache Tricks herein, die nicht einmal eine bösartige Datei erfordern. In einer aktuellen Malvertising-Kampagne wurden deutsche Nutzer und andere Anwender aus rund 50 Ländern von Ransomware-ähnlichen Nachrichten attackiert, die scheinbar von den örtlichen Polizeibehörden stammten. Web-Besucher von Erwachsenen-Webseiten, die schädliche Anzeigen angeklickt haben, wurden auf eine gefälschte Website umgeleitet, die Geld zur Freischaltung von Browser-Funktionalitäten verlangte. Es wurde aber kein echtes Virus auf dem Rechner des Opfers installiert.

Wer steckt hinter Ransomware? Die Mehrheit der Ransomware befindet sich unter gefälschten Nachrichten, die angeblich vom FBI, der örtlichen Polizei oder von anderen Behörden verschickt wurden. Aber diese Einrichtungen haben nichts mit der Mail zu tun. Bisherige Verhaftungen und Beschlagnahmungen sowie aktuelle FBI Most Wanted-Listen zeigen, dass man es mit qualifizierten, erfahrenen Banden zu tun hat, deren Mitglieder mehreren Cyber-Verbrechen für schuldig befunden wurden.

Es ist Zeit, unsere Klischees zu überdenken. Die traurige Wahrheit ist, dass Hacker nicht länger geniale Programmierer sein müssen, um Malware zu entwickeln. Wer sich für Cyber-Kriminalität interessiert, kann ganz einfach ein bösartiges Kit aus dem Dark Web kaufen und loslegen. Diese Art von Geschäft kann ungelernten Hackern ziemlich leicht Zugriff auf kriminelle Dienstleistungen und Produkte ermöglichen.

Neue Ausbreitungstechniken
Malware as a Service ist nichts Neues. Der erste Bericht der Do-it-yourself-Malware-Tools stammt aus den frühen 90er-Jahren mit Mister Spock‘s Virus Generator Tool.

Heutzutage verfolgen Ransomware-Entwickler eine neue Taktik: Crowdsourcing. Im Mai 2015 entstand Tox. Es war ein Ransomware Toolkit, das es jedermann erlaubte, kostenlos benutzerdefinierte Ransomware zu erstellen. Anwender konnten das Virus mit dem Betrag versehen, den die Opfer bezahlen sollten, und erhielten Möglichkeiten, um es auf eigene Faust zu verbreiten. Sie mussten für das Kit nichts bezahlen, aber das Lösegeld mit dem Hacker teilen. Tox wurde während einer laufenden FBI-Kontrolle geschlossen, aber ähnliche Websites entstanden. Ransomware aus Crowdsourcing ist immer noch im Anfangsstadium, aber zeigt, dass jeder ein Cyber-Verbrecher werden kann.

Opfer
Neben der wachsenden Aggressivität wird Ransomware immer zielgerichteter und visiert prominente Unternehmen und Finanzinstitute an. Phishing-Konzepte werden zudem in Speer-Phishing-Konzepte verwandelt, zielen auf bestimmte Personen innerhalb einer Organisation und fordern sie auf, Lebensläufe, Geschäftspapiere oder Software-Updates von beliebten Programmen herunterzuladen. Kleine und mittlere Unternehmen werden besonders häufig durch diese Art von Attacken angegriffen, da sie oft nicht so viele Ressourcen in den Schutz ihrer Netzwerke investieren können.

Was sollte jeder wissen?
Leider neigen Unternehmen dazu, die Komplexität der Bedrohung zu unterschätzen. Dies stellt aber eine Nachlässigkeit dar, die sich keine Firma leisten sollte. Was man bisher aus der Analyse von Ransomware gelernt hat, könnte man mithilfe dieser fünf wichtigen Fakten über Ransomware zusammenfassen:

>> Lösegelder zu zahlen ist unklug. Die Zahlung garantiert nicht, dass die Daten entschlüsselt werden.
>> Kalte Backups sind immer noch der beste Weg, um proaktiv Daten zu schützen.
>> Jeder kann Opfer von Ransomware werden, von großen Organisationen bis zu Endanwendern.
>> Eine vollwertige Anti-Malware-Lösung ist bei der Aufdeckung von Bedrohungen von entscheidender Bedeutung.
>> Die Einhaltung von guten Internet-Praktiken empfiehlt sich für den Online-Schutz immer. Das Vermeiden von fragwürdigen Webseiten, Links oder Anhängen in E-Mails aus unsicheren Quellen ist immer noch eine der besten Möglichkeiten, um Angriffe zu vermeiden.
(Bitdefender: ra)

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Meldungen: Hintergrund

  • Cyberangriffe mit politischem Hintergrund

    Die Gaza-Cybergang, die nach heutiger Erkenntnis aus mehreren Gruppierungen mit unterschiedlichem Niveau besteht, hat im vergangenen Jahr eine Cyberspionageoperation durchgeführt, die sich gegen Einzelpersonen und Organisationen mit einem politischen Interesse an der Nahostregion richtete. Dieses Ergebnis geht aus einer detaillierten Analyse von Kaspersky Lab hervor. Für die Kampagne ,SneakyPastes' nutzten die Angreifer Einweg-E-Mail-Adressen, um die Infektion durch Spear-Phishing zu verbreiten, bevor Malware mehrstufig über kostenlose Webseiten nachgeladen wurde. Dieser kostengünstige, aber effektive Ansatz ermöglichte es der Gang, rund 240 hochkarätige Opfer in 39 Ländern weltweit zu treffen - darunter unter anderem Ziele aus dem politischen und diplomatischen Bereich sowie Medien und Aktivisten. Kaspersky Lab hat die Forschungsergebnisse umgehend an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben, die so einen bedeutenden Teil der Angriffsinfrastruktur zerstören konnten.

  • Ein ausgereiftes APT-Framework

    Die Experten von Kaspersky Lab haben ein technisch ausgereiftes Cyberspionage-Framework entdeckt, das seit mindestens 2013 aktiv ist und mit keinem bekannten Bedrohungsakteur in Verbindung zu stehen scheint. Die Spionageplattform ,TajMahal' umfasst rund 80 schädliche Module und enthält Funktionen, die bisher noch nie bei einer Advanced Persistend Threat (APT) gesehen wurden. So können unter anderem Informationen aus der Drucker-Warteschlange gestohlen und zuvor gesehene Dateien auf einem USB-Gerät bei der nächsten Verwendung desselben abgerufen werden. Kaspersky Lab hat bisher nur ein Opfer gesehen, eine zentralasiatische Botschaft mit Sitz im Ausland. Die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Opfer existieren, ist allerdings hoch.

  • Scranos wird zum Global Player

    Ausgeklügelte Bedrohungen gehören nach wie vor zu den großen Herausforderungen für Unternehmen. Mit zunehmender Komplexität der Umgebungen finden Malware-Akteure kreative Wege, um gut versteckte und ungepatchte Einstiegspunkte ins Netzwerk zu finden, sich hinter den Kulissen zu verstecken und Schaden anzurichten. Die Bitdefender Cyberthreat Intelligence Labs deckten mit Scranos jüngst eine neue Spyware auf. Scranos ist eine Rootkit-fähige Spyware, die mit einem möglicherweise gestohlenen Zertifikat signiert wurde. Diese Rootkit-Malware ist eng mit dem Betriebssystem verbunden, sehr diskret und schwer zu erkennen. Scranos wird sich voraussichtlich mindestens so weit verbreiten wie die Anzeigenbetrugssoftware von Zacinlo. Zacinlo ist ein extrem ausgeklügeltes Spyware-Programm, das seit Anfang 2012 heimlich läuft, Einnahmen für seine Betreiber generiert und die Privatsphäre seiner Opfer unterwandert. Scranos infiziert aktuell Anwender weltweit, weil es plattformübergreifend bestehen kann und es eine immer größere Zahl an Unternehmensendpunkten hinzugewinnt, insbesondere durch Android-Geräte.

  • Cisco entdeckt neuartige Angriffsmethode

    "Cisco Talos" hat eine neuartige Angriffsmethode entdeckt. Darüber spionierten Cyberkriminelle u.a. Registrierungsstellen für Domain-Namen aus. Mit den gestohlenen Anmeldeinformationen waren sie in der Lage, weitere Attacken gegen staatliche Organisationen und andere hochrangige Ziele erfolgreich auszuführen, deren Website-Besucher wurden auf gespiegelte Seiten umgelenkt, um an sensible Daten zu gelangen. Die Opfer konnten den Betrug nur schwer erkennen. "Dieser ausgeklügelte Angriff missbrauchte das Domain Name System (DNS), um Datenverkehr umzuleiten und Zugangsdaten und sensible Informationen zu sammeln", erklärt Holger Unterbrink, Security Researcher - Technical Leader, Cisco Talos/Deutschland.

  • APT40 zielt auf Nachrichtendienstziele

    FireEye gibt neue Informationen zur Hacker-Gruppe APT40 bekannt, die bereits seit mindestens 2013 tätig ist. Ziel der Gruppe ist vermutlich, die Aktivitäten der chinesischen Marine zu unterstützen. APT40 konzentriert sich speziell auf die Bereiche Maschinenbau, Transport und Verteidigungsindustrie, insbesondere dort, wo sich diese Sektoren mit den maritimen Technologien überschneiden. Die Gruppe ist auch bekannt als TEMP.Periscope beziehungsweise TEMP.Jumper.