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"Carbanak Gang" schlägt wieder zu


Cyber-Bankräuber wildern mit zielgerichteten E-Mail-Attacken im Banken- und Finanzsektor
Analysen von Eset zeigen Haupt-Angriffsherd in den USA und steigende Fallzahlen in Europa

(15.10.15) - Eset registriert eine zunehmende Anzahl zielgerichteter Angriffe auf Unternehmen des Finanzsektors. Möglicher Urheber sind die so genannten "Carbanak" Cyber-Bankräuber. Sie hatten Ende letzten Jahres für Aufsehen gesorgt, als sie in den USA eine Milliarde US-Dollar erbeuteten. Zwar zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass der Fokus der Gangster derzeit noch auf den Vereinigten Staaten liegt. Jedoch nehmen die Aktivitäten in anderen Regionen deutlich zu – so auch in Europa. Ziel sind dabei vor allem Banken und andere Finanzinstitute.

Die Kriminellen setzen in ihren Operationen auf zielgerichtete "Spear Phishing"-Attacken. Mitarbeiter von Banken werden dazu verleitet, Malware durch unbewusstes Öffnen schadhafter Dateianhänge in die Unternehmensnetzwerke einzuschleusen. Diese Schadsoftware öffnet den Angreifern dann Tür und Tor und ermöglicht ihnen den Zugang zu sensiblen Daten wie etwa Kreditkarteninformationen.

Eset registriert Attacke auf US-Casino in Las Vegas
Es war Ende August, als die Scanner der Antivirus- und Malware-Labors von Eset heftig ausschlugen: Gemeldet wurde ein Angriff auf ein Casino in den USA. Der hierfür genutzte Infizierungsvektor war mit großer Wahrscheinlichkeit eine Spear-Phishing-E-Mail mit schädlichem Anhang, der einen RTF-Exploit oder eine .SCR-Datei beinhaltete. Damit versuchten die Angreifer, die Server zu kompromittieren, die für den Zahlungsvorgang innerhalb des Casinos eingesetzt werden.

Als Backdoor nutzten die Gangster bislang zumeist die Open Source Software "Tiny Metepreter" – in diesem Fall modifiziert durch einen Mechanismus zur Prozess-Injektion in die Datei "svchost.exe". Die "Tiny Meterpreter"-Backdoor schleuste wiederum zwei verschiedene Malware-Familien in die Systeme des Casinos ein:

>>Win32/Spy.Sekur – eine Malware, die oft von der Carbanak-Gang eingesetzt wird
>>Win32/Wemosis – eine RAM Scraper Backdoor für Kassensysteme (PoS-Systeme)
Ziel des Angriffs waren die Kassensysteme des Casinos, genauer: die Kreditkarteninformationen im Arbeitsspeicher der Systeme. Mit Win32/Wemosis ist darüber hinaus auch die Fernsteuerung der PoS-Systeme möglich. Beide ausführbaren Programme wurden mit dem gleichen Zertifikat digital signiert (siehe BILD1 im Anhang der Pressemeldung). Und beide finden sich auch in der dritten Malware-Familie wieder, die ebenfalls von der Gang genutzt wurde: Win32/Spy.Agent.ORM.

Win32/Spy.Agent.ORM (auch bekannt als Win32/Toshliph) ist ein Trojaner, den die Carbanak-Gruppe als First-Stage-Payload nutzt. Win32/Spy.Agent.ORM ist eine kleine, simple Backdoor, durch die sich die Angreifer Zugang zu den Systemen ihrer Opfer verschaffen. Nach der Ausführung verbindet sich der Trojaner mit einem Command & Control-Server und erhält von diesem Befehle, Screenshots zu machen, laufende Prozesse aufzuzählen und Informationen über das System sowie die Kampagnen-ID zu sammeln. Anhand dieser Informationen können die Drahtzieher erkennen, ob der infizierte Computer nützlich ist.

Deutschland im Visier
Neben Casinos attackierten die Gangster in den USA auch Hotels. Die Angriffe konzentrierten sich dabei auf die Bundesstaaten Nevada, Kalifornien und New York. Außerhalb der USA registrieren die Eset Labors insbesondere in Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten die typische Malware, die von der Carbanak-Gruppe genutzt wird. Alarmierend ist, dass die Tendenz bei diesen Attacken deutlich ansteigt.

Angriffe auch in Russland
Eset registrierte zudem zahlreiche Angriffsversuche gegen russische und ukrainische Unternehmen – mit deutlichen Parallelen zu der Casino-Attacke in den USA. Hierbei wurden Spear-Phishing-E-Mails eingesetzt, die schädliche Anhänge mit .SCR-Dateien oder RTF-Exploits enthielten.

Beispiel: Russische Spear-Phishing-Mail. Sinngemäß steht hier:
"Aufgrund der hohen Volatilität des Rubel-Wechselkurses sendet die Zentralbank der Russischen Föderation Regeln für den Handel auf dem Währungsmarkt. Passwort für das Dokument: cbr.”

Alle Anhänge wurden mit Icons des Adobe Acrobat Reader oder Microsoft Office getarnt und enthielten ein passwortgeschütztes Archiv mit einer .SCR-Datei. In anderen Fällen nutzten die Angreifer RTF-Dateien mit verschiedenen Exploits einschließlich eines Exploits, der eine erst im Juni 2015 gefixte Schwachstelle in Microsoft Office ausnutzt (Sicherheitslücke "CVE-2015-1770", wird mit Update MS15-059 gepatcht).

Geringe Fallzahl – bei erfolgreicher Attacke aber großer Schaden
Die Angreifer gehen extrem zielgerichtet vor, was die absolute Zahl an Opfern vergleichweise niedrig hält. An ihrer Gefährlichkeit ändert das nichts. Eset rät daher einmal mehr dazu, beim Öffnen von Dateianhängen stets vorsichtig zu sein. Um ein höchstes Maß an Sicherheit zu gewährleisten, empfiehlt sich der Einsatz einer aktuellen Security-Software – sowohl privat als auch an verschiedensten Punkten von Unternehmensnetzwerken. (Eset: ra)

Eset: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Hintergrund

  • Blaupause eines Cyberangriffs

    Experten der Bitdefender-Labs ist es gelungen, den zeitlichen Verlauf eines Angriffs der Carbanak-Gruppe vollständig zu rekonstruieren. Opfer war eine osteuropäische Bank. Die Rekonstruktion aller Aktivitäten der Attacke liefert wertvolle Erkenntnisse für die Sicherung kritischer Infrastrukturen und zeigt die Bedeutung von Endpoint-Security-Maßnahmen auf. Während die Infiltrierung des Netzwerks bereits nach 90 Minuten abgeschlossen war, bewegten sich die Angreifer mit Hilfe der Cobalt Strike Malware weitere 63 Tage durch die gesamte Infrastruktur, um das System auszuspähen und weitere Informationen für den finalen Raubüberfall zu sammeln. Wäre die Attacke erfolgreich gewesen, hätten die Kriminellen unbemerkt über das Geldautomatennetzwerk verfügen können.

  • Mit noch komplexeren Methoden

    Nach der Verhaftung mehrerer mutmaßlicher Anführer der berüchtigten Fin7- beziehungsweise Carbanak-Cybergang im Jahr 2018 galt die Gruppe als aufgelöst. Die Experten von Kaspersky Lab haben jedoch eine Reihe neuer Angriffe derselben Akteure entdeckt, die GRIFFON-Malware einsetzt. Demnach könnte Fin7 die Anzahl der Gruppen, die unter demselben Schirm operieren, ausgeweitet haben - mit noch komplexeren Methoden. So gründete FIN7 eigens ein Fake-Unternehmen, das offiziell wie ein legitimer Sicherheitsanbieter auf der Suche nach Fachkräften auftrat, die dann beim Diebstahl finanzieller Vermögenswerte helfen sollten.

  • Bedrohung in Deutschland durch Trojaner Emotet

    Malwarebytes bestätigt in einer aktuellen Studie die gestiegene Gefahr durch den Trojaner Emotet. Vor einigen Tagen hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) diesbezüglich bereits eine aktuelle Sicherheitswarnung herausgegebenen und auf die gestiegenen Fallzahlen von Emotet aufmerksam gemacht. Emotet ist ein Trojaner, der vor allem durch Spam-E-Mails (MalSpam) verbreitet wird. Die infizierte Mail enthält entweder ein bösartiges Skript, ein Dokument mit aktivierten Makros oder einen schadhaften Link. Emotet-E-Mails sind oft gut gefälscht und täuschend echt als reguläre E-Mails getarnt. Aufgrund seiner modularen, polymorphischen Form sowie seiner Fähigkeit, mehrere, sich verändernde Payloads einzuschleusen, ist Emotet besonders hartnäckig und für Unternehmen oder Endverbraucher besonders gefährlich.

  • Cyberangriffe mit politischem Hintergrund

    Die Gaza-Cybergang, die nach heutiger Erkenntnis aus mehreren Gruppierungen mit unterschiedlichem Niveau besteht, hat im vergangenen Jahr eine Cyberspionageoperation durchgeführt, die sich gegen Einzelpersonen und Organisationen mit einem politischen Interesse an der Nahostregion richtete. Dieses Ergebnis geht aus einer detaillierten Analyse von Kaspersky Lab hervor. Für die Kampagne ,SneakyPastes' nutzten die Angreifer Einweg-E-Mail-Adressen, um die Infektion durch Spear-Phishing zu verbreiten, bevor Malware mehrstufig über kostenlose Webseiten nachgeladen wurde. Dieser kostengünstige, aber effektive Ansatz ermöglichte es der Gang, rund 240 hochkarätige Opfer in 39 Ländern weltweit zu treffen - darunter unter anderem Ziele aus dem politischen und diplomatischen Bereich sowie Medien und Aktivisten. Kaspersky Lab hat die Forschungsergebnisse umgehend an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben, die so einen bedeutenden Teil der Angriffsinfrastruktur zerstören konnten.

  • Ein ausgereiftes APT-Framework

    Die Experten von Kaspersky Lab haben ein technisch ausgereiftes Cyberspionage-Framework entdeckt, das seit mindestens 2013 aktiv ist und mit keinem bekannten Bedrohungsakteur in Verbindung zu stehen scheint. Die Spionageplattform ,TajMahal' umfasst rund 80 schädliche Module und enthält Funktionen, die bisher noch nie bei einer Advanced Persistend Threat (APT) gesehen wurden. So können unter anderem Informationen aus der Drucker-Warteschlange gestohlen und zuvor gesehene Dateien auf einem USB-Gerät bei der nächsten Verwendung desselben abgerufen werden. Kaspersky Lab hat bisher nur ein Opfer gesehen, eine zentralasiatische Botschaft mit Sitz im Ausland. Die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Opfer existieren, ist allerdings hoch.