- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Virenwarnung » Hintergrund

Gefahr für Geldautomaten


Manipulation von Bankomaten: Kaspersky Lab entdeckt neue und verbesserte Version der Skimmer-Malware
Ist ein Geldautomat mit der Malware infiziert, sind die Kriminellen in der Lage, sowohl die im Automat befindlichen Geldmittel abzuheben als auch die Kartendaten abzufangen, die am Geldautomaten genutzt werden

- Anzeigen -





Kaspersky Lab hat eine neue und verbesserte Version der für Angriffe auf Bankautomaten spezialisierten Malware Skimmer entdeckt. Dahinter steht mutmaßlich eine russischsprachige Gruppe, die mithilfe der Manipulation von Bankomaten Geld der Nutzer stiehlt. Skimmer tauchte erstmalig im Jahr 2009 auf. Sieben Jahre später haben sich sowohl die Gauner als auch das Schadprogramm (Malware) weiterentwickelt und stellen eine weltweite Bedrohung für Banken und ihre Kunden dar.

Obwohl die Skimmer-Gruppe und ihre Aktionen sehr schwer zu entdecken sind, konnten die Experten von Kaspersky Lab dieses kriminelle Komplott aufdecken, als sie während einer Untersuchung auf einem Bankautomaten Spuren einer verbesserten Version der Skimmer-Malware fanden. Das Besondere: Die dort eingeschleuste Malware blieb inaktiv, bis sie einen Befehl zur Aktivierung erhielt. Ein cleverer Weg, um Spuren zu verwischen.

Die Skimmer-Gruppe startet ihre Operationen, indem sie sich Zugang zu einem Geldautomatensystem verschafft. Die Infizierung erfolgt entweder
physisch oder über das interne Netzwerk der Bank. Ist das Programm "Backdoor.Win32.Skimer" auf einem System installiert, infiziert es das Herzstück des Bankautomaten: das für die Interaktionen der Maschine – mit der Bankinfrastruktur, der Bargeldabwicklung und den Kreditkarten – zuständige ausführende Programm.

Anschließend haben die Kriminellen die komplette Kontrolle über den infizierten Geldautomaten. Aber sie gehen vorsichtig und gekonnt vor. Anstatt einfach ein so genanntes Skimming-Gerät zu installieren – also ein betrügerisches Imitat über das eigentliche Lesegeräts zu setzen –, um Kartendaten abzuschöpfen, verwandeln sie den kompletten Automaten in ein Skimming-Gerät. Denn ist ein Geldautomat mit der Malware infiziert, sind die Kriminellen in der Lage, sowohl die im Automat befindlichen Geldmittel abzuheben als auch die Kartendaten abzufangen, die am Geldautomaten genutzt werden – inklusive der Kontonummer und des PIN-Codes der Bankkunden.

Ein so infizierter Automat ist kaum zu erkennen. Im Gegensatz zu bisher bekannten Skimming-Geräten, bei denen der aufmerksame Nutzer das Kartenlesegerätimitat oftmals erkennen kann, gibt es hier keine physischen Anzeichen einer Gefährdung.

Schlafende Zombies
Werden die Geldkassetten eines Automaten direkt geleert, fällt das bei der ersten Auszahlung sofort auf, hingegen kann eine im Geldautomat befindliche Malware sicher und für lange Zeit Kartendaten abschöpfen. Daher wird die Skimmer-Gruppe auch nicht sofort aktiv. Sie geht sehr vorsichtig vor, um nicht entdeckt zu werden. So kann die Malware monatelang auf einem infizierten Automat operieren, ohne dass eine Aktivität durchgeführt wird.

Um einen Geldautomaten-Zombie zu aktivieren, nutzen die Kriminellen eine spezielle Karte mit bestimmten Aufzeichnungen auf dem Magnetstreifen. Beim Lesen dieser Aufzeichnungen kann Skimmer entweder einen fest programmierten Befehl ausführen oder einen Befehl über ein spezielles Menü, das über die Karte aktiviert wird, anfordern. Die grafische Benutzeroberfläche von Skimmer erscheint nur auf dem Automatenbildschirm, nachdem die Karte ausgeworfen wurde und der Kriminelle den richtigen Sitzungsschlüssel auf der PIN-Tastatur in einer speziellen Form und in weniger als 60 Sekunden eingibt.

Mithilfe dieses Menüs sind die Cyberkriminellen in der Lage, 21 verschiedene Befehle zu aktivieren, beispielsweise die Auszahlung von Geld (40 Banknoten von einer ausgewählten Kassette), das Sammeln von Daten eingeführter Karten, die Selbstlöschung oder das Empfangen von Updates des aktualisiertes Malware-Codes, der auf dem Kartenchip enthalten ist. Auch kann Skimmer die Datei mit den gesammelten Kontendaten und PIN-Nummern auf dem Chip derselben Karten speichern oder die gesammelten Kartendetails über die Kontoauszugsfunktion des Automaten ausdrucken.

In den meisten Fällen warten aber die Kriminellen ab und sammeln die Daten der Bankkarten, um später Kopien dieser Karten zu erstellen. Mit diesen Kopien gehen sie zu einem anderen, nicht infizierten Automaten und heben das Geld vom entsprechenden Kundenkonto einfach ab. So kann der tatsächlich infizierte Automat nicht allzu schnell identifiziert werden.

Mögliche Verbreitung von Skimmer
Skimmer wurde zwischen 2010 und 2013 extensiv verbreitet. Danach stieg die Anzahl der Attacken gegen Geldautomaten stark an – mit bis zu neun Kaspersky Lab bekannten Malware-Familien. Dazu gehört auch die Tyupkin-Familie, die im März 2014 entdeckt wurde, sehr bekannt und weit verbreitet war. Jedenfalls scheint Backdoor-Win32.Skimer wieder aktiv zu sein. Kaspersky Lab kennt bis dato 49 Modifikationen der Malware, wovon es 37 auf Geldautomaten eines großen Herstellers abgesehen haben. Die jüngste Version der Malware wurde Anfang Mai 2016 entdeckt.

Mit der Hilfe von bei VirusTotal eingereichten Malware-Samples zeigt sich die geographische Verbreitung potentiell infizierter Geldautomaten. Die jüngsten 20 Samples der Skimmer-Familie wurden von mehr als zehn Orten weltweit hochgeladen, dazu gehören Deutschland, die Vereinigten Arabischen Emirate, Frankreich, die USA, Russland, Macau, die Philippinen, Spanien, Georgien, Polen, Brasilien und die Tschechische Republik.

Das bedeutet nicht, dass auch in allen der genannten Länder infizierte Geldautomaten stehen. Die bei VirusTotal hochgeladenen Samples könnten auch von Sicherheitsforschern oder Systemadministratoren stammen. Es ist nicht nachzuvollziehen, woher die Samples stammen, von einem infizierten Geldautomaten oder beispielsweise einem Forum. Gleichzeitig legt eine derart weite Verbreitung nahe, dass die Malware an Cyberkriminelle in verschiedenen Ländern verkauft wurde.

Um sich vor dieser Gefahr zu schützen, empfiehlt Kaspersky Lab bei Bankautomaten folgende Maßnahmen durchzuführen:
• >> regulärer Antivirus-Scan,
• >> Einsatz von Whitelisting-Technologien,
• >> entsprechende Device-Management-Richtlinien,
• >> Full-Disk-Verschlüsselung,
• >> Passwortschutz des Geldautomatenbetriebssystems,
• >> Konfiguration des BIOS zum ausschließlichen Bootvorgangs von der internen Festplatte
• >> sowie die Isolierung des Geldautomatennetzwerks von allen anderen internen Netzwerken der Bank.

"Es gibt eine wichtige zusätzliche Gegenmaßnahme, die in diesem speziellen Fall anzuwenden ist: Backdoor.Win32.Skimer wird durch bestimmte Informationen, neun spezielle Nummern, die auf dem Magnetstreifen einer Karte gespeichert sind, aktiviert. Wir haben die Aktivierungscodes, die von der Malware genutzt werden, entdeckt und stellen sie Banken frei zur Verfügung. Ist eine Bank im Besitz dieser Nummern, kann sie proaktiv in ihrem Verarbeitungssystem nach ihnen suchen, potentiell infizierte Automaten und ,Money Mules‘ aufspüren oder jegliche Angriffsversuche zur Aktivierung der Malware blockieren", so Sergey Golovanov, Principal Security Researcher bei Kaspersky Lab.

Da es sich um eine laufende Untersuchung handelt, wurde der komplette Untersuchungsreport einem kleinen Kreis bestehend aus Strafverfolgungsbehörden, CERTs, Finanzinstitutionen und Kunden der Kaspersky Security Intelligence Services zur Verfügung gestellt. (Kaspersky Lab: ra)

eingetragen: 18.05.16
Home & Newsletterlauf: 20.06.16


Kaspersky Lab: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Hintergrund

  • Hybride aus Daten-Diebstahl und Ransomware

    SophosLabs und Sophos Managed Threat Response haben einen Bericht über eine neue Ransomware veröffentlicht, die eine bisher noch nicht bekannte Angriffsmethode verwendet: Die sogenannte Snatch-Ransomware geht mit variierenden Techniken vor und veranlasst unter anderem einen Neustart übernommener Computer im abgesicherten Modus, um verhaltensorientierte Schutzmaßnahmen, die speziell nach Ransomware-Aktivitäten wie das Verschlüsseln von Dateien Ausschau halten, zu umgehen. Sophos geht davon aus, dass Cyberkriminelle damit eine neue Angriffstechnik etabliert haben, um fortschrittliche Schutzmechanismen auszuhebeln. Neben der neuen Angriffstaktik belegt ein weiterer interessanter Fund, dass sich ein anderer Trend fortzusetzen scheint: Kriminelle filtern immer häufiger Daten heraus, bevor die eigentliche Ransomware-Attacke startet. Die entwendeten Daten könnten zu einem späteren Zeitpunkt für Erpressungen, auch in Zusammenhang mit der DSGVO, verwendet werden. Ähnliches Verhalten konnten die SophosLabs zum Beispiel bei Ransomware-Gruppen wie Bitpaymer feststellen.

  • Windows-Zero-Day-Exploit zur Rechteausweitung

    Kaspersky-Technologien haben eine Zero-Day-Schwachstelle im Windows-Betriebssystem gefunden. Der darauf basierende Exploit ermöglichte es Angreifern, höhere Privilegien auf dem attackierten Gerät zu erlangen und Schutzmechanismen im Google Chrome Browser zu umgehen - wie es in der WizardOpium-Kampagne geschah. Ein Patch wurde bereits veröffentlicht. Die neue Windows-Schwachstelle wurde von Kaspersky-Forschern aufgrund eines anderen Zero-Day-Exploits gefunden. Bereits im vergangenen November hatten die Exploit-Prevention-Technologien, die in den meisten Produkten des Unternehmens integriert sind, einen Zero-Day-Exploit in Google Chrome gefunden. Dieser Exploit ermöglichte es den Angreifern, beliebigen Code auf dem Computer des Opfers ausführen. Im Rahmen weiterer Untersuchungen dieser Kampagne, die die Experten WizardOpium tauften, wurde nun der Exploit im Windows-Betriebssystem gefunden.

  • Phishing ist ein langfristiges Problem

    Akamai Technologies hat den "State of the Internet"-Sicherheitsbericht 2019 "Phishing - Baiting the hook" veröffentlicht. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Cyberkriminelle unternehmensbasierte Entwicklungs- und Bereitstellungsstrategien wie Phishing-as-a-Service nutzen, um die größten Technologiekonzerne der Welt anzugreifen. Knapp 43 Prozent der beobachteten Domains zielten auf Microsoft, PayPal, DHL und Dropbox ab. Der Bericht legt offen, dass Phishing nicht mehr nur eine E-Mail-basierte Bedrohung ist, sondern auch Social Media und mobile Geräte umfasst. Es handelt sich um ein weitreichendes Problem, das alle Branchen betrifft. Da sich die Angriffsmethoden weiterentwickeln, entstehen neue Techniken, etwa für Attacken auf geschäftliche E?Mails (Business E?Mail Compromise, BEC). Laut dem FBI führten BEC-Angriffe zwischen Oktober 2013 und Mai 2018 zu weltweiten Verlusten von mehr als 12 Milliarden US-Dollar.

  • Ziel des Angriffs kann sogar geblacklisted werden

    Im Laufe des Jahres 2019 haben das Threat Research Center (TRC) und das Emergency Response Team (ERT) von Radware eine zunehmende Anzahl von TCP-Reflection-Angriffen überwacht und verteidigt. Bei solchen Angriffen werden nicht nur die eigentlichen Ziele in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch nichts ahnende Netzwerkbetreiber, deren Ressourcen benutzt werden, um die Attacke zu verstärken. Im Extremfall wird das Ziel des Angriffs als vermeintlicher Urheber der Attacke sogar von den einschlägigen Service-Anbietern auf deren Blacklists gesetzt. TCP-Reflection-Angriffe wie die SYN-ACK Reflection waren bis vor kurzem bei Angreifern weniger beliebt. Der Mangel an Popularität war hauptsächlich auf die falsche Annahme zurückzuführen, dass TCP-Reflection-Angriffe im Vergleich zu UDP-basierten Reflexionen nicht genügend Verstärkung erzeugen können. Im Allgemeinen haben TCP-Angriffe eine geringe Bandbreite und die Wahrscheinlichkeit ist geringer, dass eine Internetverbindung gesättigt wird. Stattdessen werden TCP-Angriffe genutzt, um durch hohe Paketraten (Packets Per Second - PPS) viele Ressourcen von Netzwerkgeräten zu binden und so Ausfälle zu provozieren.

  • Sicherheitsprognosen für 2020

    Die Sicherheitsforscher von Malwarebytes geben ihre Sicherheitsprognosen für das Jahr 2020 bekannt. Dabei prognostizieren die Experten zunehmende Gefahren für Unternehmen durch Ransomware-Angriffe, erwarten vermehrt Exploit-Kit-Aktivitäten und VPN-Skandale. Im Folgenden werden sechs Sicherheitsprognosen vorgestellt und in die Entwicklungen der jüngsten Zeit eingeordnet. Ransomware-Angriffe auf Unternehmen und Regierungen werden dank neu gefundener Schwachstellen zunehmen. Bereits in den vergangenen beiden Jahren konnte im Business-Umfeld ein Anstieg von Schwachstellen festgestellt werden und gerade in diesem Jahr wurde immer mehr Malware entwickelt, die sich auf Unternehmen konzentriert anstatt auf Verbraucher.