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Gezielte Spearphishing-Attacken


"Darkhotel"-Cyberspionage-Gruppe greift wieder sensible Ziele an
Zero-Day-Exploit von Hacking Team als Teil der Angriffswelle; Opfer auch aus Deutschland

(20.08.15) - Nach dem Anfang Juli 2015 bekannt gewordenen Hack der italienischen Firma Hacking Team, einem Lieferanten von Spionagesoftware für Regierungen und Strafverfolgungsbehörden, setzen nun einige Cyberspionage-Gruppen die erbeuteten Werkzeuge für ihre böswilligen Angriffe ein. Diese Exploits zielen auf Sicherheitslücken in Adobe Flash Player und Windows. Zumindest einer dieser Exploits wird von der mächtigen Darkhotel-Gruppe eingesetzt, die damit wieder verstärkt Führungskräfte zumeist in Hotels angreift.

Im Jahr 2014 entdeckte Kaspersky Lab die Elite-Cyberspionage-Gruppe Darkhotel. Die Gruppe ist bekannt dafür, über kompromittierte WLANs in Luxushotels hochrangige Führungskräfte anzugreifen. Unmittelbar nach dem Einbruch bei Hacking Team am 5. Juli 2015, setzten die Akteure hinter Darkhotel eine Zero-Day-Schwachstelle aus dem Bestand von Hacking Team ein. Es ist nicht bekannt, dass Darkhotel ein Kunde bei Hacking Team ist. Daher dürfte sich die Gruppe die Dateien beschafft haben, sobald diese öffentlich verfügbar wurden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Darkhotel Zero-Day-Sicherheitslücken nutzt. Kaspersky Lab nimmt an, dass die Cyberspionage-Gruppe in den vergangenen Jahren ein gutes halbes Dutzend Zero-Day-Exploits eingesetzt hat, die vor allem auf Adobe Flash Player zielten. Zur Beschaffung hat Darkhotel offenbar beträchtliche Summen investiert. Mit der aktuellen Angriffswelle im Jahr 2015 erweiterte Darkhotel seinen Aktionsradius rund um die Welt, wobei gezielte Spearphishing-Attacken auf Opfer aus Deutschland sowie Nord- und Südkorea, Russland, Japan, Bangladesch, Thailand, Indien und Mozambique ausgeführt wurden.

Unfreiwillige Hilfe von Hacking Team
Die auf APT-Attacken (Advanced Persistent Threats) spezialisierte Darkhotel-Gruppe ist schon seit knapp acht Jahren aktiv. Zu ihren Methoden zählt der Einsatz von Social Engineering-Techniken, gestohlenen Sicherheitszertifikaten und die Kompromittierung von WLAN-Netzen in Hotels. Neu ist jetzt die Verwendung von Zero-Day-Exploits aus dem Bestand von Hacking Team. Hier ein Überblick über die Methoden von Darkhotel:

• >> Die Gruppe setzt weiterhin gestohlene Zertifikate aus seinem Bestand ein. Sie werden für die Downloader und Backdoor-Trojaner benutzt, um das angegriffene System zu täuschen. Die jüngst verwendeten Zertifikate stammen von der Firma Xuchang Hongguang Technology Co. Ltd.

• >> Unermüdliches Spearphishing: die APT-Angriffe von Darkhotel erfolgen im Abstand von mehreren Monaten immer wieder beim gleichen Ziel, unter Einsatz derselben Social-Engineering-Schemata.

• >> Einsatz eines Zero-Day-Exploits: die kompromittierte Webseite "tisone360.com" enthält die ein ganzes Arsenal von Backdoor-Trojanern und Exploits, darunter auch den Zero-Day-Exploit von Hacking Team.

"Darkhotel ist mit einem weiteren Exploit für Adobe Flash Player zurück, und dieses Mal steht der Exploit anscheinend in Zusammenhang mit dem Leck bei Hacking Team", erklärt Kurt Baumgartner, Principal Security Researcher bei Kaspersky Lab. "Die Gruppe hat zuvor schon einen Flash-Exploit auf der kompromittierten Website deponiert, welchen wir bereits im Januar 2014 als Zero-Day an Adobe meldeten. Darkhotel hat reihenweise Zero-Days und aktuelle Exploits von Flash verbraucht. Vermutlich hat die Gruppe noch einige Exploits zum Einsatz gegen hochrangige Personen weltweit auf Lager. Aus früheren Angriffen wissen wir, dass Darkhotel CEOs, Vorstandsmitglieder sowie leitende Angestellte im Bereich Marketing, Vertrieb und Entwicklung im Visier hat."

Seit dem vergangenen Jahr hat Darkhotel zusätzlich an seinen Verteidigungstechniken gearbeitet, und zum Beispiel seine Checkliste der Anti-Viren-Software erweitert. Der Darkhotel Downloader kann die Anti-Viren-Technologien von 27 Sicherheitsanbietern identifizieren, mit der Intention, sich vor ihnen zu verbergen. (Kaspersky Lab: ra)

Kaspersky Lab: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Hintergrund

  • Wann wird ein Exploit wirklich zur Gefahr

    Eine weitere Anfälligkeit im Formeleditor in Microsoft Office ist nichts Neues. Interessant ist dieses Mal allerdings die Aktivität des angebotenen Patches. Unabhängig von der Lösung des Problems rücken wieder einmal raubkopierte und alte MS-Office-Versionen ins Blickfeld der Cyberkriminellen. Der Formeleditor (Equation Editor) war sein ganzes Dasein über einer langen Reihe unterschiedlicher Exploits ausgesetzt. Er ist eine Komponente von Microsoft Office, und anstatt ihn noch ein weiteres Mal zu fixen, hat sich der Hersteller dazu entschlossen, einen Patch herauszugeben, der im Wesentlichen den Editor vom System vollständig deinstalliert. Es gibt einen bestimmten Reifepunkt im Lebenszyklus eines Office-Exploits, der dann erreicht ist, wenn den Cyberkriminellen Tools zur Nutzung der Schwachstelle in breitem Umfang zur Verfügung stehen. Zuvor trifft der Exploit nur wenige ausgewählte Opfer mit gezielten Angriffen. Ab dem Zeitpunkt jedoch, an dem er weit verbreitet ist, entsteht für eine breite Nutzergruppe eine Bedrohung. Die aktuelle Schwachstelle des Equation Editor erreichte diesen entscheidenden Reifegrad Ende Juni 2019 - genannt CVE-2018-0798.

  • Werkzeug für gezielte Überwachungsangriffe

    Sicherheitsexperten von Kaspersky Lab haben neue Versionen von ,FinSpy', einem komplexen, bösartigen Überwachungs-Tool mobiler Geräte, entdeckt. Die neuen Implantate funktionieren sowohl auf iOS- als auch auf Android-Devices, können die Aktivitäten auf fast allen gängigen - auch verschlüsselten - Messaging-Diensten überwachen und ihre Spuren dabei noch besser als bisher verschleiern. Die Angreifer sind dadurch in der Lage, alle Aktivitäten eines Geräts auszuspionieren und sensible Daten wie GPS-Standort, Nachrichten, Bilder, Anrufe und vieles mehr auszulesen. Bei FinSpy handelt es sich um ein äußerst effektives Software-Werkzeug für gezielte Überwachungsangriffe. Weltweit wurden bereits dementsprechende Informationsdiebstähle bei NGOs, Regierungen und Strafverfolgungsbehörden beobachtet. Die verantwortlichen Cyberkriminellen sind dabei in der Lage, das Verhalten jeder bösartigen FinSpy-Variante an eine bestimmte Zielperson oder eine Zielgruppe anzupassen.

  • Loader für Trojaner und Ransomware

    In der Welt der Malware spielen Loader, also Programme, die andere Software wie Trojaner oder Ransomware nachladen, eine immer wichtigere Rolle. Unternehmen brauchen in vielen Fällen sehr lange, bis eine derartige Schadsoftware entdeckt wird - häufig geschieht dies erst, wenn die Malware weitere Module nachlädt. Proofpoint hat nun seine neuesten Erkenntnisse zu den Aktivitäten eines der umtriebigsten Akteure in diesem Feld in einem Blog-Post veröffentlicht. Die Rede ist von der Hackergruppe TA505 (Threat Actor 505), die einen neuen Loader verbreitet, mit dem vor allem die Bankenbranche in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Südkorea, Singapur und den USA ins Visier genommen wird.

  • Sodin nutzt Windows-Schwachstelle aus

    Kaspersky-Forscher haben eine neue Verschlüsselungs-Ransomware namens ‚Sodin' entdeckt, die eine kürzlich entdeckte Zero-Day-Windows-Sicherheitslücke ausnutzt, um erhöhte Berechtigungen in einem infizierten System zu erlangen. Des Weiteren nutzt sie die Architektur der Central Processing Unit (CPU), um eine Erkennung zu vermeiden, und benötigt keine Nutzerinteraktion zur Infizierung. Ransomware, die Geräte oder Daten verschlüsselt oder sperrt und Lösegeld verlangt, ist eine ständige Cyberbedrohung für Privatanwender und Unternehmen. Die meisten Sicherheitslösungen erkennen bekannte Versionen und etablierte Angriffsmethoden. Die Sodin-Ransomware ist allerdings anspruchsvoller und nutzt eine kürzlich entdeckte Zero-Day-Sicherheitslücke in Windows (CVE-2018-8453) aus, um seine Rechte auf dem betroffenen System auszuweiten.

  • Blaupause eines Cyberangriffs

    Experten der Bitdefender-Labs ist es gelungen, den zeitlichen Verlauf eines Angriffs der Carbanak-Gruppe vollständig zu rekonstruieren. Opfer war eine osteuropäische Bank. Die Rekonstruktion aller Aktivitäten der Attacke liefert wertvolle Erkenntnisse für die Sicherung kritischer Infrastrukturen und zeigt die Bedeutung von Endpoint-Security-Maßnahmen auf. Während die Infiltrierung des Netzwerks bereits nach 90 Minuten abgeschlossen war, bewegten sich die Angreifer mit Hilfe der Cobalt Strike Malware weitere 63 Tage durch die gesamte Infrastruktur, um das System auszuspähen und weitere Informationen für den finalen Raubüberfall zu sammeln. Wäre die Attacke erfolgreich gewesen, hätten die Kriminellen unbemerkt über das Geldautomatennetzwerk verfügen können.