- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Virenwarnung » Hintergrund

Malware-Scanner umgehen


Sticky-Keys-Attacke: Wenn sich das Betriebssystem gegen Sie richtet
Panda Security entdeckt neuen Typ von gezielten Cyberangriffen

- Anzeigen -





PandaLabs hat einen neuen Typ von gezielten Angriffen gegen Unternehmen entdeckt. Dabei nutzen die Hacker keinerlei Malware, um Daten von Unternehmensnetzwerken zu stehlen. Alles, was der Angreifer tun muss, ist, fünf Mal die Shift-Taste eines Computers zu drücken, um das Sticky-Keys-Feature zu aktivieren und das betroffene System zu kompromittieren. Denn diese Keys ermöglichen es den Cyberkriminellen, eine Back Door auf dem attackierten Computer zu öffnen – normalerweise ein Server, der zuvor mithilfe einer Brute-Force-Attacke gegen das Remote Desktop Protokoll (RDP) gehackt wurde. Selbst wenn der Angriff bemerkt und die Zugangsdaten zum RDP geändert werden, können die Cyberkriminellen so weiterhin Sticky Keys aktivieren und sozusagen ‚durch die Hintertür‘ auf das System zugreifen, ohne die (neuen) Zugangsdaten zu kennen.

Entdeckt wurde diese clevere Masche von den PandaLabs, als deren IT-Experten eine Attacke gegen ein ungarisches Unternehmen analysierten. Das Besondere daran: Der Angriff nutzte nicht irgendwelche Malware als solche (z.B. Phishing, Würmer oder die gefürchteten Verschlüsselungstrojaner), sondern Skripts und andere zum Betriebssystem gehörige Tools, um die Malware-Scanner zu umgehen. Dies ist nur ein weiteres Beispiel für die zunehmende Selbstsicherheit und Professionalität, die IT-Security- bei Cyberkriminellen in den letzten Monaten beobachtet haben.

Analyse einer Attacke ohne Malware-Verwendung
Zunächst starten die Hacker ihren Angriff, indem sie mithilfe des Remote Desktop Protokolls (RDP) eine Brute-Force-Attacke gegen einen Server einleiten. Sobald sie die Login-Daten des Computers bekommen haben, haben sie kompletten Zugriff auf diesen.

Das Nächste, was die Hacker tun, ist, dass sie die sethc.exe-Datei mit dem Parameter 211 vom Command Prompt Window (CMD) des Computers starten. Dies aktiviert das ‚Sticky Keys‘-Feature des Systems. Sicherlich haben Sie diese Nachricht schon mal gesehen:

Dann wird ein Programm namens ‚Traffic Spirit‘ heruntergeladen und gestartet. ‚Traffic Spirit‘ ist eine Anwendung zur Traffic-Generierung, die in diesem Fall dazu genutzt wird, um Geld mit den kompromittierten Computern zu machen.

Anschließend wird eine selbst-extrahierende Datei gestartet, die die folgenden Dateien in den %Windows%\cmdacoBin-Ordner dekomprimiert:
• >> registery.reg
• >> SCracker.bat
• >> sys.bat

Die Angreifer fahren dann mit dem Start des Windows Registry Editors (Regedit.exe) fort und fügen den folgenden in der registery.reg-Datei enthaltenen Key hinzu:
Der Key hat folgendes Ziel: Jedes Mal, wenn das Sticky-Keys-Feature genutzt wird (sethc.exe), startet eine Datei namens SCracker.bat. Dies ist eine Batch-Datei, die ein sehr einfaches Authentifizierungssystem implementiert.

Der Benutzername und das Passwort werden aus zwei in der Datei sys.bat enthaltenen Variablen abgerufen: Auf diese Weise installiert der Angreifer eine Back Door auf dem betroffenen System. Mit dieser ‚Hintertür‘ ist der Angreifer in der Lage, sich mit dem Zielcomputer zu verbinden, ohne die Anmeldeinformationen eingeben zu müssen. Er aktiviert die Sticky-Keys-Funktion (z. B. durch fünfmaliges Drücken der SHIFT-Taste) und gibt den entsprechenden Benutzernamen und das Passwort in die Command Shell ein:

Die Command Shell Shortcuts erlauben dem Angreifer, auf bestimmte Verzeichnisse zuzugreifen, die Konsolenfarbe zu ändern und andere typische Befehlszeilenbefehle zu verwenden.

Der Angriff hört hier aber nicht auf. In ihrem Versuch, so viel Gewinn wie möglich von mit der angegriffenen Firma zu machen, installiert der Angreifer einen Bitcoin-Miner, um mit jedem kompromittierten Computer weiteres Geld zu erhalten. Bitcoin-Mining-Software zielt darauf ab, die Computerressourcen der Opfer zu nutzen, um die virtuelle Währung zu erzeugen, ohne dass sie es bemerken. Eine billige und sehr effektive Möglichkeit, Computerinfektionen zu monetarisieren.

Wie hilft die Sticky-Keys-Funktion den Cyberkriminellen?
Wofür benötigen Angreifer eine Back Door, wenn sie über eine RDP-Verbindung gezielt auf einen Computer zugreifen können? Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Die Installation einer Hintertür auf dem betroffenen System ermöglicht es dem Angreifer, durch Aktivierung der Sticky-Keys-Funktion jederzeit wieder auf das System zugreifen zu können, selbst wenn das Opfer den Angriff bemerkt und seine Login-Daten ändert.

Adaptive Defense 360, die fortschrittliche Cyber-Security-Lösung von Panda Security, konnte diesen gezielten Angriff durch die kontinuierliche Überwachung des IT-Netzwerks des betroffenen ungarischen Unternehmens bereits in den Anfängen stoppen. Die Firma wurde somit vor ernsthaften finanziellen Einbußen und Reputationsschäden bewahrt. (Panda Security: ra)

eingetragen: 17.04.17
Home & Newsletterlauf: 21.04.17


Panda Security: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -


Meldungen: Hintergrund

  • Fake-Version fordert Nutzer zur Zahlung auf

    Eset warnt vor einer Fake-Version des Microsoft-Programms "Windows Movie Maker", welches Cyberkriminelle derzeit erfolgreich verbreiten. Die Betrüger verlangen ein Entgelt für das eigentlich kostenlose Microsoft-Produkt. Die Besonderheit im aktuellen Fall: Das gute Google-Ranking führt zu einer massiven Ausbreitung der gefälschten Software. Offensichtlich wurde enormer Aufwand bei der Suchmaschinenoptimierung betrieben. Windows Movie Maker ist Teil des Windows-Essentials-Pakets und kann über die Microsoft-Webseite kostenlos bezogen werden. Installieren Nutzer jedoch das gefälschte Programm, werden sie darauf hingewiesen, dass es sich lediglich um eine Trial Version handelt. Im folgenden Gebrauch der Scam-Software erscheint immer wieder die Aufforderung, auf die kostenpflichtige Vollversion umzusteigen. Unter anderem können Nutzer ansonsten keine Dateien abspeichern.

  • Malware macht Geld

    Eset hat eine neue Bedrohung entdeckt, die Windows Web-Server infiziert und die Kryptowährung Monero "abgräbt". Monero ist eine neuere Alternative zum digitalen Zahlungsmittel Bitcoin. Die Cyberkriminellen modifizieren die Open-Source-Mining-Software von Monero für ihre Zwecke, um eine bekannte Sicherheitslücke in Microsoft IIS 6.0 auszunutzen. Im Laufe von drei Monaten haben sie durch die Kampagne ein Botnet von mehreren hundert infizierten Servern aufgebaut und Monero im Wert von über 63.000 US-Dollar anhäufen lassen. Microsoft hat inzwischen ein Update veröffentlicht, das die Sicherheitslücke schließt - aber noch immer sind viele Server ungepatcht.

  • Cyberangriffe auf Kryptowährungen

    Die Experten von Kaspersky Lab haben mit ,CryptoShuffler' eine Malware entdeckt, die Kryptowährungen aus Wallets entwendet, indem sie die Wallet-Adresse durch eine eigene ersetzt. Cyberkriminelle konnten so bisher fast 140.000 US-Dollar erbeuten. Ziel sind beliebte digitale Währungen wie Bitcoin, Ethereum, Zcash, Dash oder Monero. Für letztere identifizierten die Cybersicherheitsexperten mit ,DiscordiaMiner' auch einen neuen Trojaner zum Schürfen (Mining) von Kryptogeld. Zudem geht aus dem Spam- und Phishing-Report von Kaspersky Lab für das dritte Quartal 2017 hervor, dass vermehrt Spam-Mails mit dem Thema Kryptowährung im Umlauf sind.

  • Passwort-Schutz nur für Geldräuber

    Die Experten von Kaspersky Lab haben im Darknet ein Malware-Angebot gefunden, mit dessen Hilfe quasi jeder einen Geldautomaten ausrauben kann, sofern er Zugang zum Gerät bekommt. Für 5.000 US-Dollar ist die speziell für kriminelle Laien konstruierte, dreiteilige Software inklusive detaillierter Gebrauchsanleitung unter dem Namen "Cutlet Maker" erhältlich. Geldautomaten sind bereits seit längerer Zeit ein lukratives Ziel für Kriminelle. Während die einen brutale Gewalt walten lassen und die Geräte aufbrechen, manipulieren andere lieber die Software der Automaten. Das jüngst entdeckte Beispiel für Schadsoftware dieser Art zeigt nun, dass Malware-Hersteller inzwischen auch cyberkriminelle Laien ansprechen.

  • "Bad Rabbit" unter der Lupe

    Seit dem 24. Oktober 2017 ist eine neue Ransomware-Welle unterwegs, die bislang vor allem Russland, die Ukraine und Teile von Europa im Visier hat. SophosLabs-Spezialist Chester Wisniewski hat sich "Bad Rabbit" einmal näher angeschaut und ist nicht wirklich überrascht über dessen Auftritt. "Es war wohl tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis irgendjemand die Ideen und Techniken, die uns von WannaCry oder NotPetya bekannt sind, aufgreift und damit eine neue Attacke auf ahnungslose Opfer fährt." Die aktuelle Ransomware scheint sich nach bisherigen Erkenntnissen über einen gefälschten Installer des Adobe Flash Plyer zu verbreiten.