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Zielgerichtete Phishing-Nachrichten


Spionage und Paranoia: "Pawn Storm" richtet sich auch gegen russische Staatsbürger
"Operation Bauernsturm": Trend Micro entdeckt Hinweise auf Binnenspionage

(09.09.15) - "Bauernsturm" und kein Ende. Waren die Hintermänner der Cyberspionagekampagne "Pawn Storm" bislang bekannt dafür, NATO-Mitgliedsländer wie zum Beispiel Deutschland oder Verteidigungseinrichtungen in den USA anzugreifen, muss dieses Bild korrigiert werden: Denn sie beschränken sich offenbar nicht auf Auslandsspionage. Vielmehr richten sich ihre zweifelhaften Aktivitäten auch nach innen: gegen Politiker, Künstler, Journalisten und Entwickler von Verschlüsselungssoftware in Russland.

"Lässt sich Auslandsspionage vielleicht noch mit einem irgendwie gearteten nationalen Interesse rechtfertigen, sind Attacken auf vermeintliche oder reale Regimekritiker etwas völlig anderes. Der Schritt vom Sicherheitsbedürfnis zur Paranoia ist offenbar sehr klein", so Sicherheitsexperte Udo Schneider, Pressesprecher beim japanischen IT-Sicherheitsanbieter Trend Micro. "Die Angriffsziele der ‚Operation Bauernsturm‘ gegen russische Staatsbürger reichen von Pussy Riot bis hin zu einem aktiven Militärattaché."

Nicht weniger als 23 Prozent der in Russland anvisierten Ziele stammen aus dem Medienbereich, 15 Prozent lassen sich als Aktivisten bezeichnen und immerhin acht Prozent sind Nichtregierungsorganisationen zuzuordnen. Zwar liegen die Ukraine und die USA als Hauptzielländer der Operation Bauernsturm mit 25 beziehungsweise 19 Prozent der Angriffe klar vorne, doch landet Russland mit sechs Prozent auf Platz 4 dieser Liste, gleich nach Großbritannien, wo sich die Attacken vor allem gegen Russen und Osteuropäer richten.

In der Regel versuchen die Hintermänner der "Operation Bauernsturm" ihre Opfer mittels zielgerichteter Phishing-Nachrichten in die Falle zu locken. Wer auf den Trick hereinfällt – zum Beispiel auf eine täuschend echt aussehende, aber gefälschte Nachricht des eigenen E-Mail-Anbieters –, gibt den Cyberspionen die Zugangsdaten zum eigenen E-Mail-Konto preis. Ab diesem Zeitpunkt können diese die gesamte E-Mail-Kommunikation ihrer Ziele unbemerkt mitlesen.

"Pawn Storm" verwendet eine Vielzahl von miteinander verbundenen Taktiken und Schädlingen – die "Bauern" der gleichnamigen Attacke beim Schach – bei den Angriffen. Neben der erwähnten gezielten Phishing-Methode zählen dazu seit 2015 eine mobile Spionage-App, mit der sich iPhones infizieren lassen, neue Befehls- und Kontrollserver sowie bösartige Webadressen mit Exploits. (Trend Micro: ra)

Trend Micro: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Hintergrund

  • Blaupause eines Cyberangriffs

    Experten der Bitdefender-Labs ist es gelungen, den zeitlichen Verlauf eines Angriffs der Carbanak-Gruppe vollständig zu rekonstruieren. Opfer war eine osteuropäische Bank. Die Rekonstruktion aller Aktivitäten der Attacke liefert wertvolle Erkenntnisse für die Sicherung kritischer Infrastrukturen und zeigt die Bedeutung von Endpoint-Security-Maßnahmen auf. Während die Infiltrierung des Netzwerks bereits nach 90 Minuten abgeschlossen war, bewegten sich die Angreifer mit Hilfe der Cobalt Strike Malware weitere 63 Tage durch die gesamte Infrastruktur, um das System auszuspähen und weitere Informationen für den finalen Raubüberfall zu sammeln. Wäre die Attacke erfolgreich gewesen, hätten die Kriminellen unbemerkt über das Geldautomatennetzwerk verfügen können.

  • Mit noch komplexeren Methoden

    Nach der Verhaftung mehrerer mutmaßlicher Anführer der berüchtigten Fin7- beziehungsweise Carbanak-Cybergang im Jahr 2018 galt die Gruppe als aufgelöst. Die Experten von Kaspersky Lab haben jedoch eine Reihe neuer Angriffe derselben Akteure entdeckt, die GRIFFON-Malware einsetzt. Demnach könnte Fin7 die Anzahl der Gruppen, die unter demselben Schirm operieren, ausgeweitet haben - mit noch komplexeren Methoden. So gründete FIN7 eigens ein Fake-Unternehmen, das offiziell wie ein legitimer Sicherheitsanbieter auf der Suche nach Fachkräften auftrat, die dann beim Diebstahl finanzieller Vermögenswerte helfen sollten.

  • Bedrohung in Deutschland durch Trojaner Emotet

    Malwarebytes bestätigt in einer aktuellen Studie die gestiegene Gefahr durch den Trojaner Emotet. Vor einigen Tagen hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) diesbezüglich bereits eine aktuelle Sicherheitswarnung herausgegebenen und auf die gestiegenen Fallzahlen von Emotet aufmerksam gemacht. Emotet ist ein Trojaner, der vor allem durch Spam-E-Mails (MalSpam) verbreitet wird. Die infizierte Mail enthält entweder ein bösartiges Skript, ein Dokument mit aktivierten Makros oder einen schadhaften Link. Emotet-E-Mails sind oft gut gefälscht und täuschend echt als reguläre E-Mails getarnt. Aufgrund seiner modularen, polymorphischen Form sowie seiner Fähigkeit, mehrere, sich verändernde Payloads einzuschleusen, ist Emotet besonders hartnäckig und für Unternehmen oder Endverbraucher besonders gefährlich.

  • Cyberangriffe mit politischem Hintergrund

    Die Gaza-Cybergang, die nach heutiger Erkenntnis aus mehreren Gruppierungen mit unterschiedlichem Niveau besteht, hat im vergangenen Jahr eine Cyberspionageoperation durchgeführt, die sich gegen Einzelpersonen und Organisationen mit einem politischen Interesse an der Nahostregion richtete. Dieses Ergebnis geht aus einer detaillierten Analyse von Kaspersky Lab hervor. Für die Kampagne ,SneakyPastes' nutzten die Angreifer Einweg-E-Mail-Adressen, um die Infektion durch Spear-Phishing zu verbreiten, bevor Malware mehrstufig über kostenlose Webseiten nachgeladen wurde. Dieser kostengünstige, aber effektive Ansatz ermöglichte es der Gang, rund 240 hochkarätige Opfer in 39 Ländern weltweit zu treffen - darunter unter anderem Ziele aus dem politischen und diplomatischen Bereich sowie Medien und Aktivisten. Kaspersky Lab hat die Forschungsergebnisse umgehend an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben, die so einen bedeutenden Teil der Angriffsinfrastruktur zerstören konnten.

  • Ein ausgereiftes APT-Framework

    Die Experten von Kaspersky Lab haben ein technisch ausgereiftes Cyberspionage-Framework entdeckt, das seit mindestens 2013 aktiv ist und mit keinem bekannten Bedrohungsakteur in Verbindung zu stehen scheint. Die Spionageplattform ,TajMahal' umfasst rund 80 schädliche Module und enthält Funktionen, die bisher noch nie bei einer Advanced Persistend Threat (APT) gesehen wurden. So können unter anderem Informationen aus der Drucker-Warteschlange gestohlen und zuvor gesehene Dateien auf einem USB-Gerät bei der nächsten Verwendung desselben abgerufen werden. Kaspersky Lab hat bisher nur ein Opfer gesehen, eine zentralasiatische Botschaft mit Sitz im Ausland. Die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Opfer existieren, ist allerdings hoch.