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"Normales" Verhalten schwer erkennbar


Effektivere Tarnung: Crypto-Ransomware "Locky" narrt Sandbox-Technologien
Trend Micro entdeckt neue Variante, die Lücken im Windows-Kernel missbraucht

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Die Hintermänner der Erpressersoftware "Locky" haben die Tarnmechanismen ihres Computerschädlings erweitert. Der japanische IT-Sicherheitsanbieter Trend Micro hat eine neue Variante entdeckt, die zusätzlich zu bekannten und bereits vom Hersteller geschlossenen Sicherheitslücken in "Adobe Flash" auch solche im Windows-Kernel missbraucht. Die Routinen, die letztlich zum Herunterladen und Installieren der Schadsoftware führen, sehen dadurch wie Windows-System-Prozesse aus, erzeugen keine Dateien und werden nur zur Laufzeit ausgeführt.

Das macht es insbesondere modernen Abwehrmechanismen wie Sandbox-Technologien, aber auch der traditionellen Verhaltensanalyse schwer, den Infektionsversuch zu erkennen und zu verhindern. Das Einspielen von Sicherheitsaktualisierungen – real oder virtuell – und regelmäßige Backups heißen daher die richtigen Antworten auf diese Bedrohung.

Konkret nutzt die von Trend Micro untersuchte Locky-Variante die Sicherheitslücke CVE-2016-1019 im Adobe Flash Player und die Lücke CVE-2015-1701 im Windows-Kernel. Letztere erlaubt es der Komponente in der Infektionskette, die für das Herunterladen der eigentlichen Erpresser- und Verschlüsselungssoftware verantwortlich ist, sich höhere Nutzerrechte im befallenen System einzuräumen. Diese Komponente kompromittiert den Windows-System-Prozess "svhost.exe", der für das Hosten von Services zuständig ist. Zudem prüft der so genannte Downloader die auf dem befallenen System eingesetzte Windows-Version.

Erweist sie sich als nicht angreifbar, wird der eigentliche Schädling zwar nicht heruntergeladen, eine Verbindung zum Befehls- und Kontrollserver aber auf jeden Fall aufgebaut. Dies könnte Infektionen zu einem späteren Zeitpunkt nach sich ziehen, indem andere Sicherheitslücken im Windows-Kernel ausgenutzt werden. Trend Micro hat entsprechende Hinweise darauf im Schadcode gefunden.

"Die Tarnung dieser neuen Locky-Variante ist tatsächlich ausgeklügelt. Denn die Aktivitäten sehen lange Zeit wie unverdächtige Windows-Prozesse aus, deren Verhalten sich generell nur schwer überwachen lässt. Selbst die Aufnahme einer Verbindung mit dem Internet ist für diese Prozesse nichts Ungewöhnliches, so dass auch der von dieser Bedrohung erzeugte Netzwerkverkehr zunächst einmal normal erscheint", erklärt Sicherheitsexperte Udo Schneider, Pressesprecher bei Trend Micro Deutschland. "Das zeigt, dass selbst bei eigentlich altbekannten Bedrohungen wie Crypto-Ransomware heute mehrschichtige Sicherheitsansätze gefordert sind: Von Cloud-Reputationsdiensten über Verhaltensanalyse und Sandboxing bis hin zu virtuellem Patchen. Nur die Kombination all dieser Mechanismen sorgt heute für ein hohes Sicherheitsniveau."

Wirksame Gegenmaßnahme: Reales und virtuelles Patchen
Die vielleicht beste Antwort auf diese Art von Bedrohung ist das Einspielen von Sicherheitsaktualisierungen. Sowohl Adobe als auch Microsoft haben die erwähnten Sicherheitslücken schon seit geraumer Zeit geschlossen. Die Anwender sollten daher unbedingt darauf achten, dass stets die aktuellsten Softwareversionen auf ihren Systemen installiert sind.

Für Unternehmen ist freilich das sofortige Einspielen von Sicherheitsaktualisierungen aus organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen oft nicht möglich. Diese sollten daher über alternative Ansätze wie das virtuelle Patchen von Sicherheitslücken nachdenken.

Backups anlegen
Eine grundlegende Möglichkeit, sich vor Erpressersoftware zu schützen, sind regelmäßige Datensicherungen (Backups). Dabei sollten die Anwender der 3-2-1-Regel folgen – drei Kopien in zwei Formaten auf einem isolierten Medium. So lassen sich zum Beispiel die Familienfotos erstens auf einem externen Speichermedium (externe Festplatte oder Stick) speichern, zweitens in der Cloud ablegen und drittens auf eine CD brennen. Der Cloud-Speicher und der nicht eingesteckte USB-Stick verhindern dabei, dass Locky auch die Sicherungskopien verschlüsseln und löschen kann. Sollte kein Cloud-Speicher vorhanden sein und der USB-Stick mit dem Rechner verbunden, so wären wenigstens die auf CD gebrannten Bilder sicher, selbst wenn diese im CD-Laufwerk eingelegt wäre.

Sicherheitssoftware am Endpunkt hilft
Generell sollten Anwender auf ihren Geräten eine moderne Security-Software installieren und stets auf dem aktuellen Stand halten. Außerdem sollten diese Schutzlösungen über Cloud-Sicherheitsmechanismen verfügen, damit etwa Webadressen, die zu Erpresser- und anderer Schadsoftware (Malware) führen, oder E-Mails mit bösartigen Links geblockt und bösartige Dateien gar nicht heruntergeladen oder ausgeführt werden.
(Trend Micro: ra)

eingetragen: 17.05.16
Home & Newsletterlauf: 13.06.16


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